Niedersächsisches Forstamt Rotenburg

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Natur- und Kulturschutz bei Kirchlinteln

Gemeinschaftsprojekt zur Verjüngung der Heideflächen im Naturschutzgebiet Hügelgräberheide

 

Das Naturschutzgebiet (NSG) „Hügelgräberheide“ südlich von Kirchlinteln liegt im Bereich des Niedersächsischen Forstamtes Rotenburg. In einem Gemeinschaftsprojekt der Niedersächsischen Landesforsten, der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden und der Denkmalpflege der Gemeinde Kirchlinteln wird ein Teilbereich der Hügelgräberheide verjüngt. Dazu werden auf zwei Hektar das Heidekraut und die Humusauflage bis zum Mineralboden entfernt, um ideale Wuchsbedingungen für die Heidepflanzen zu entwickeln. Die Samen der Besenheide bleiben im Boden über Jahrzehnte keimfähig, vegetationsfreie Bereiche werden so neu besiedelt. Das so genannte „Abplaggen“ übernimmt Firma Haschke aus Weyhe mit einem Bagger. Das anfallende Material nutzt Landwirt Joachim Köhler aus Kirchlinteln zur Humusanreicherung auf seinen benachbarten Ackerflächen.

 

„Heide ist eine Kulturlandschaft, die durch das Wirken unserer Vorfahren entstanden ist und nur durch Menschenhand erhalten werden kann“, sagt Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop. Wenn die Heide nicht gepflegt wird und sich ungehindert entwickelt, steigt mit zunehmender Humusschicht der Nährstoffgehalt im Boden. Davon profitieren insbesondere Gräser und der Heideblattkäfer. In diesem Jahr hat dieser kleine braune Käfer einige Bereiche der Heidefläche massiv geschädigt. „Bald finden sich Gehölze ein, letztendlich würde hier wieder ein Wald entstehen“, erklärt der Forstmann.

 

Die Hügelgräberheide ist kulturhistorisch von besonderer Bedeutung, viele Erholungssuchende genießen diese Atmosphäre. Die urgeschichtlichen Begräbnisstätten und bronzezeitlichen Hügelgräber werden bei den Arbeiten großzügig ausgespart. Auch für den Artenschutz ist diese Besenheidegesellschaft wertvoll: Ziegenmelker, Heidelerche, Eidechsen, Kreuzottern und eine Vielzahl von Insekten und anderen Kleintieren leben im Heidekraut. In den Niedersächsischen Landesforsten kommen im Wald, aber auch in Mooren und anderen Offenlandflächen viele seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten vor. „Nach den Grundsätzen des LÖWE-Programms (Langfristige ökologische Waldentwicklung) nehmen wir besondere Rücksicht, um diese Arten zu erhalten und zu fördern. Natur- und Artenschutz sind ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit“, resümiert Förster Michael Müller.

 

 

Hintergrund

Das Abplaggen ist die intensivste Form der Heidepflege und wird dann durchgeführt, wenn die Heideflächen stärkere Rohhumusauflagen aufweisen und stark vergrast sind. Das so genannt „Schoppern“ mit einer geringeren Arbeitstiefe ist nur dann geeignet, wenn die Rohhumusschicht noch nicht zu stark angewachsen ist und sich auch der Anteil der Gräser an der Vegetation noch in gewissen Grenzen hält.

Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurde der Ansammlung von Humusstoffen durch die Bewirtschaftungsmaßnahmen ständig entgegengewirkt. Die Heidepflanzen wurden mit der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit der Plaggenhacke abgeschält. Die dabei gewonnenen Heideplaggen wurden in den Viehställen ausgelegt, um dann wieder als Dünger auf die Äcker verbracht zu werden. Neben der Bildung von Rohhumusauflagen sind die Stickstoffeinträge aus der Luft an der Vergrasung der Heide beteiligt.

In manchen Jahren kommt es zu massiven Schäden der Heidegebiete durch den Heideblattkäfer. Dieser fünf Millimeter kleine Käfer und seine Larven ernähren sich von verschiedenen Heidearten. Die starke Vermehrung hängt nach Expertenmeinung mit der Niederschlagsmenge während der Larvenentwicklung und der Humusanreicherung in den Heideflächen zusammen.

 

 

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