Waldnaturschutz in den Niedersächsischen Landesforsten

Artenschutz

In den Wäldern kommen viele seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten vor. Die Niedersächsischen Landesforsten nehmen im Rahmen ihrer ökologisch ausgerichteten Waldbewirtschaftung besondere Rücksicht, um diese Arten zu erhalten und zu fördern. Natur- und Artenschutz sind ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit.

 

Den rechtlichen Rahmen bilden die Vorgaben der Naturschutzgesetzgebung, hier insbesondere das BNatschG vom 01.03.2010 (Kapitel 5,  §§ 37 – 55, wobei der § 39 „Allgemeiner Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere“ und der § 44 „Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten“ von besonderer Bedeutung sind) und die FFH-Richtlinie der EU vom 21.05.1992, insbesondere der Anhang 2  „Besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse“, der Anhang 4 „Streng geschützte Arten“ sowie ferner die Anhänge 5 und 6, die die Entnahme und den Handel bzw. den Fang und die Tötung von Tier- und Pflanzenarten zum Inhalt haben. Für den Vogelartenschutz ist der Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie vom 02.04.1979 maßgeblich (Links zum BNatschG und zu den Anhängen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie).

 

Bei der selektiven Nutzung des Waldes werden in vermehrtem Umfang und möglichst flächendeckend alte und starke Bäume einzeln, in Gruppen oder Kleinflächen erhalten. Der LÖWE-Wald trägt durch gezielten Nutzungsverzicht dazu bei, dem Mangel an altem, starken und totem Holz entgegen zu wirken. Diese Habitatbäume werden nicht genutzt, sondern ihrem natürlichen Zerfall überlassen. Sie dienen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen in der Alterungs- und Zerfallsphase des Waldes (Baumhöhlenbewohner, Insekten, Pilze, Moose, Flechten etc.). In den Landesforsten ist ein zusammenhängendes Netz von Habitatbäumen und Totholz entwickelt.

 

Im Rahmen der in den Jahren 1990 – 2006 durchgeführten flächendeckenden Biotopkartierung in den Landesforsten wurden neben besonders geschützten Biotopen auch die Vorkommen seltener Pflanzen- und Tierarten nach den sog. „Roten Listen“ erfasst. Die Ergebnisse der Kartierung münden in die Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für die Waldflächen ein.

 

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt erfasst im Zuge des Generhaltungsprogramms Restvorkommen seltener oder besonders wertvoller Baum- und Straucharten. Für extrem seltene Arten wie z. B. Wildapfel, Wildbirne, Schwarzpappel oder Feldulme wurden alle Vorkommen erfasst. Die Förderung dieser Arten durch waldbauliche Maßnahmen vor Ort steht im Vordergrund. Bei seltenen Arten mit zerstreutem Einzelvorkommen ist ein Zusammenführen auf Samenplantagen erforderlich, um die Produktion von genetisch vielfältigem Saatgut zu ermöglichen.

 

Für einige Arten wurden verwaltungsintern empfehlende Merkblätter erstellt (Pflanzen an Gewässern 1982, Ameisen im forstlichen Alltag 1984, Vogelschutz im Walde 1992, Habitatbäume und Totholz im Walde 2000, Fledermausschutz im LÖWE-Wald 2001).

 

Die Artenvielfalt im Landeswald war noch nie so hoch wie heute. Viele Vogelarten wie Kranich, Schwarzstorch oder Uhu, die in Niedersachsen bereits als ausgestorben galten oder kurz davor standen, sind nicht zuletzt durch die Arbeit der Niedersächsischen Landesforsten im Bestand gesichert.

  |