Waldnaturschutz in den Niedersächsischen Landesforsten

Drömling

Bruchwald
Bruchwald mit Sumpfdotterblume

Der Drömling: ein  „Naturschutz – Kleinod“ vor den Toren Wolfsburgs

 

Der Drömling, historisch auch Dremeling/Trömling genannt, ist ein Feuchtgebiet mit einer Gesamtgröße von 320 km². Davon liegen knapp 1/5 der Fläche auf Niedersächsischer Seite zwischen den Ortschaften Parsau und Rühen nordöstlich von Wolfsburg. Noch vor 300 Jahren war der Drömling ein nahezu unzugängliches Sumpfgebiet: Die natürlichen Zuflüsse Aller und Ohre führten zu jährlichen Überschwemmungen in der Niederung und zur Ausbildung unterschiedlicher Bruchwälder und Niedermoorböden. Um landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu gewinnen begann man 1770 mit der Entwässerung im preußischen Teil (100.000 Taler-Programm), ab 1859 (Staatsvertrag mit Preußen) auch in Hannover und Braunschweig. Erst mit dem Bau des Mittellandkanals im Jahr 1938 bekam man die Hochwasserereignisse in den Griff.

 

Großflächige Niedermoorflächen, die „Giebelmoore“, im braunschweigerischen Teil des Drömling blieben als Waldung erhalten. Ansonsten wurden die Bruchwälder im Drömling nach der Trockenlegung fast vollständig in Wiesen und teilweise Ackerland umgewandelt. Ab 1870 machten sich die gesunkenen Grundwasserstände in den Giebelmoore mit dem Absterben alter Erlen bemerkbar. Aus dieser Zeit stammen die ersten Pappelversuchsanbauten. Durch die Holznot nach dem 2. Weltkrieg, wurde der Anbau von den schnell wachsenden Pappeln stark intensiviert. Diese Anbauversuche sind vielfach fehlgeschlagen und wurden von der Niedersächsische Landesforstverwaltung im Jahre 1989 eingestellt, „da diese mit den Zielen des Naturschutzes nicht zu vereinbaren sind“. 1972 wurde ein erster 23 ha großer Teil des Großen Giebelmoores als Naturwald durch die Niedersächsische Landesforstverwaltung ausgewiesen. Die Fläche stellte damals wie heute repräsentativ den Erlenbruchwald im östlichen Niedersachsen dar.

 

Um geeignete Lebensräume für den damals sehr seltenen Kranich zu schaffen, wurden in Kooperation mit dem Landkreis Gifhorn und dem WWF ab 1980 erste Staumaßnahmen zur Wiedervernässung von Teilflächen der Giebelmoore vorgenommen. Der gewünschte Erfolg stellte sich nach kurzer Zeit ein: Die erste Kranichbrut konnte 1983 im Großen Giebelmoor zur Freude aller Beteiligten verzeichnet werden.

 

Im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens des Bundesamt für Naturschutz wurde bis 2001 ein Pflege und Entwicklungsplan für den Niedersächsischen Drömling erarbeitet. Die Nds. Landesforstverwaltung hat als wichtigster Kooperationspartner bei der Aufstellung des Pflege- und Entwicklungsplans für die Kernflächen Waldlebensräume Bruchwald (Giebelmoor) und Hartholzaue (Allerauenwald) konstruktiv mitgewirkt. Der Niedersächsische Drömling wurde anschließend in das „Förderprogramm zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ aufgenommen. Seit 2002 ist das Naturschutzgroßprojekt „Niedersächsischer Drömling“ unter der Trägerschaft der Landkreise Gifhorn, Helmstedt und der Stadt Wolfsburg gestartet, gefördert durch den Bund und Land Niedersachsen.

Großsegge
Wasserfeder mit Libelle

Seit Projektbeginn arbeitet die Niedersächsische Landesforstverwaltung (später Niedersächsische Landesforsten) eng und partnerschaftlich mit den Trägern zusammen. Es wurde unter anderem ein waldbauliches Konzept entwickelt, bei dem die nicht standortgerechten Baumarten wie Pappeln und Fichten zurückgedrängt und in naturnahe Bestockung mit Erlen, Birken und Stieleichen überführt werden sollen.  Über 90 % der Giebelmoorfläche weisen aktuell die Zielbestockung – standortheimische Baumarten (Erle, Birke, Eiche) auf. Bei der Umgestaltung der Wälder sind daher nur noch Restflächen umzusetzen, eine Umsetzungsquote, die deutlich über den Erwartungen liegt. Unter anderem wurden die angestrebten, höheren Wasserstände in den Giebelmooren einvernehmlich beschlossen und schrittweise erreicht. Das Staumanagement in den Giebelmooren, sowie die Kontrolle der Wasserstände werden durch Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) gewährleistet. Zusätzlich wurde die Naturwaldfläche in den Giebelmooren auf insgesamt 160 ha – im gesamten Projektgebiet auf insgesamt 260 ha erhöht.

 

Auch mit der Gründung der Niedersächsischen Landesforsten (ehemals Niedersächsische Landesforstverwaltung) im Jahr 2005  wird die erfolgreiche und gute Zusammenarbeit beim „Drömling – Projekt“ fortgeführt. Mittlerweile wurde das Naturschutzkonzept für die Giebelmoore konsequent durch die NLF weiterentwickelt.  Dabei ist weiterhin Zielsetzung, den Umbau der nicht standortgerechten Baumarten konsequent und schneller als beabsichtigt umzusetzen. Die Wasserrückhaltung soll über die Zielwasserstände weiter optimiert werden, soweit keine Dritten davon betroffen sind.

 

Ein schrittweiser Rückzug aus der forstlichen Nutzung der Giebelmoorflächen wird vorangetrieben, gleichzeitig wird eine Erhöhung der Naturwaldflächen von momentan 160 auf insgesamt 650 ha angestrebt. So fördert und sichert die NLF die Entwicklung einer in Deutschland einmaligen, ungenutzten Bruchwaldlandschaft mit typischen Tier- und Pflanzenarten, Moorfrosch, Kranich oder Biber. Nässe liebende Pflanzenarten wie Sumpffarn, Wasserminze oder Schwertlilie haben sich seit der Anhebung der Wasserstände erheblich ausgebreitet. Schon im Februar/März kann man bei passender Witterung die blubbernden Paarungsrufe der dann blauen Moorfrösche hören. Etwas später sind die trompetenden Revierabgrenzungen der Kraniche zu vernehmen. Derzeit brüten mindestens 5 Kranichpaare in den Giebelmooren.  Im April/Mai blüht der Bruchwald gelb von der Schwertlilie. 

Schwertlilien im Bruchwald Drömling

Die NLF strebt in Abstimmung mit dem Landkreis Gifhorn eine Vergrößerung der Naturwaldflächen an. Die Waldflächen sind in einen Kompensationsflächenpool eingebracht, die es ermöglichen die Naturwaldfläche im Giebel sukzessive auf ca. 650 ha zu vergrößern. Hiermit besteht die Möglichkeit hochwertigste Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe Dritter in Natur und Landschaft im Giebelmoor anzuwenden. Mit dieser konsequenten Erweiterung der Naturschutzkonzeption für die Giebelmoore haben der Landkreis Gifhorn und die NLF die Möglichkeit geschaffen, zusätzliche Partner für die Finanzierung dieser einmaligen Feuchtwald-Landschaft zu gewinnen.

 

Die Projektfläche liegt im Niedersächsischen Forstamt Wolfenbüttel. Weitere Informationen über das Feuchtgebiet Drömling, sowie die Kontaktdaten des Ansprechpartners / der Ansprechpartnerin für den Bereich Waldökologie und Naturschutz erhalten Sie im Niedersächsischen Forstamt Unterlüß.

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