Niedersächsisches Forstamt Reinhausen

Eibenforstamt Reinhausen

Eibe im Buchenwald

Eines der größten natürlichen Eibenvorkommen Nordeuropas befindet sich im Niedersächsischen Forstamt Reinhausen nahe bei Göttingen.

 

Die frühere Verbreitung der Eibe (Taxus baccata) im Raum des Göttinger Waldes wird auf die Mittelwaldwirtschaft zurückgeführt.

Das dauerhafte, zähe und wasserresistente Holz wurde zu Grundschwellen, Stielen und Fachwerkbalken verarbeitet.

 

Das Vorkommen der Eiben insbesondere in der Unterschicht wird durch das dichte Kronendach überschirmender Buchen eingeengt.

Vorsichtige Durchforstungen sollen sie vor dem Konkurrenzdruck der Buchen bewahren.

 

An den höchsten und stärksten Eiben wurden Durchmesser bis zu 68 cm und Baumhöhen bis 21 Meter ermittelt.

 

Die ältesten Bäume sind 200 Jahre alt.

 

Und so finden Sie den Eibenwald:

Bitte vom Parkplatz vor der Plesseburg auf der Plessestrasse entlanggehen.

An der ersten Kreuzung rechts in den Mistweg einbiegen und diesem folgen.

Nach einem Kilometer sehen Sie rechts ein Holzschild mit Pfeil, der zum Eibenwald weist.

Bitte den Schildern folgen. Der Weg führt durch den Eibenwald bis nach Eddigehausen.

 

 

Die Eibe

Der Name Taxus leitet sich vom lateinischen taxos für Schnittholz ab, das wahrscheinlich aus dem griechischen toxon gleich „Bogen“ entlehnt ist.

Baccatus ist der lateinische Ausdruck für Beeren. Mit Ausnahme der roten Fruchtbeeren sind alle Teile dieses Baumes giftig. So läßt sich das Wort toxisch von Taxus ableiten. Der deutsche Name Eibe dürfte auf das „Ewige“ zurückzuführen sein, altnordisch „aivie“ oder „iw“ und althochdeutsch „ewa“ (SCHEEDER 1994). Nach GLEDITSCH (1775) wird sie auch Bogenbaum, If, Ibe, Ifen, Eve, Eue oder Ibenbaum genannt.

 

Nutzung und Verwendung

Speere und Bögen aus Eibenholz

Das älteste erhaltene hölzerne Werkzeug der Menschheitsgeschichte ist ein Eibenholzspeer eines Neandertalers aus Clacton on Sea in Südengland aus der Zeit vor 150.000 Jahren.

Bei der vor 5.200 Jahren lebenden Gletscherleiche Ötzi, die 1991 gefunden wurde, fanden sich ein eibener Bogenstab und Kupferbeilstiel.

 

"Es gleichet alsdenn fast dem Ebenholze"

Nach CRAMER (1766) und GLEDITSCH (1775) ist es eine der schönsten Holzarten, wegen ihrer schönen Farbe und der spiegelnden Glätte des Holzes, das von den Tischlern und Drechslern gerne benutzt wird. Früher wurde es schwarz gebeizt, „und gleichet alsdenn fast dem Ebenholze.“, wie CRAMER schreibt.  BURCKHARDT(1865) preist ebenfalls die Schönheit der Eibenmöbel, sei es als Massivholz oder zu Furnier verarbeitet, „und bei seiner Dichtigkeit und Feinheit, seiner rötlich braunen Farbe und dunkeln Politur sammt seinen häufigen Flammen und Masern hält es mit jedem andern einheimischen und ausländischen Möbelholze den Vergleich aus.“

 

Eimer aus Eibenholz für die Römer

Das Holz läßt sich sehr gut bearbeiten und zeichnet sich durch eine hohe Elastizität und Härte aus. Schon die Römer machten Transportgeräte für Wein, Schöpfgefäße und Eimer aus Eibenholz. Dinge, die einer starken Beanspruchung unterlagen, wurden möglichst aus Eibe gefertigt, wie z.B. Türschwellen, Fensterrahmen und Stege. Es wurden Griffe von Messern, Kämme aber auch Teile von Musikinstrumenten daraus gefertigt. „Man benutzte das Holz für solche Zwecke und Stellen, wo das Holz mehr als gewöhnlich der Fäulnis ausgesetzt ist... Hier hat die Eibe eine Dauerhaftigkeit bewiesen, welche uns in Erstaunen setzt und die des Eichenholzes weit übertrifft.“ (BURCKHARDT 1865).

 

Seltene Kostbarkeiten

Wegen der Seltenheit und dem Schutzstatus der Eibe in Deutschland beziehen einheimische Furnierkäufer ihre Ware aus England. Für Furnierware in Stärkeklassen von 30 und 40 Zentimetern werden Preise von 2.000 bis 3.500 €/Fm angelegt. Top-Furnierblätter von stärkeren Stämmen werden bis im Bereich von 50 €/m² gehandelt.

 

Eibe in der Gartenarchitektur

Seit über 500 Jahren wird die Eibe zur Gestaltung von Gärten benutzt. So wurde sie mit dem Aufkommen repräsentativer Gärten (z.B. Villa d`Este in Tivoli/Italien) in der Renaissance gestalterisch als dekorative Hecke gepflanzt und gepflegt.

Im Barock entstand der „Französische“ oder Barockgarten, der sich in weitläufigen Anlagen durch geschnittene geometrische Figuren auszeichnete. Als Beispiele solcher formalen Renaissance- und Barockgärten mit geschnittenen Figuren und Hecken, den sog. Topiary yews sei auf Versailles oder Schloß Villandry an der Loire, aber auch den Neuen Garten in Potsdam beim Schloß Cecilienhof verwiesen.

Einer der bedeutensten Topiary Garden in England ist Levens Hall.

1994 feierte dieser Garten sein 300-jähriges Bestehen; während der ganzen Zeit hat die Eibe das Schneiden gut überstanden.

 

Medizinische Bedeutung

Schon im Altertum wurde die Eibe intensiv für Heilzwecke genutzt. Ihr wurde mystische Bedeutung beigemessen. Dies zeigen archäologische Funde mit Amuletten aus Eibenholz, womit man sich vor den Bissen giftiger und böser Tiere und Geister schützen wollte. Ihr werden apotropäische, d.h. die bösen Geister zurückhaltende Wirkung zugeschrieben; dies hat sich im Totenkult der Germanen und Kelten bis in früh- und mittelalterlich-christliche Zeit erhalten.

Nach der Vorstellung der Kelten ist der Weg in die Unterwelt eine von Eiben gesäumte Allee. Diese Vorstellung ist wohl durch ihre düstere immergrüne Benadelung und ihre Zäh- und Langlebigkeit hervorgerufen worden sein.

Bis auf das rote Fruchtfleisch, den sog. Arillus, der zur Herstellung von Marmelade und Eibenwasser genutzt wird, sind alle Teile giftig. Vergiftungssymptome sind Übelkeit, Koliken, Bewußtlosigkeit und Tod durch Atemlähmung. Nicht desto trotz wurde Holz, Nadeln und Früchte schon  im Altertum zu Heilzwecken eingesetzt.

 

Einsatz als Jagd- und Kriegswaffe: „Eibenbogen

Praktisch alle Völker von der Jungsteinzeit an hatten die Eiben zur Bogenherstellung genutzt. Schon Homer berichtet über die Verwendung des Eibenholzes zur Herstellung von Bogenwaffen.

Hauptbedeutung erlangte das Eibenholz im Mittelalter jedoch zur Herstellung der englischen Langbögen. Die hervorragende Elastizität des Splintholzes verbunden mit der hohen Festigkeit des Kernholzes machte die Eibe zum klassischen Bogenmaterial bei allen Völkern. Daneben bleibt das Holz auch bei Feuchtigkeit formstabil, was für die Treffsicherheit von ausschlaggebender Bedeutung ist.

 

Erstmals berichtet der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus von alemannischen Bogenschützen, die die Römer mit einem Pfeilhagel schon auf dem östlichen Ufer an einer Rheinüberquerung hinderten. Da in alemannischen Grabbeigaben eine Vielzahl von Eibenbögen gefunden wurden, ist davon auszugehen, daß die Pfeile mit Eibenbögen verschossen wurden.

 

Beck, Otto A., Zeitschrift Forst und Holz vom März 2004

 

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