Niedersächsisches Forstplanungsamt

Forstplanung

Langfristig planen

Gemeinsam mit der Betriebsleitung, den Waldbesitzern und verantwortlichen Forstleuten entwickeln wir auf den genannten folgenden Grundlagen die notwendigen mittel- bis langfristigen Ziele und Maßnahmen. Beispiele sind das Waldprogramm Niedersachsen, die "Langfristige Ökologische Waldentwicklungsplanung" für den Landeswald (LÖWE), die zehnjährigen Forstbetriebspläne für den Landes- und Betreuungswald, Pflege- und Entwicklungspläne bzw. Managementpläne für die amtlichen Schutzgebiete und das Waldschutzgebietskonzept.

 

Waldprogramm Niedersachsen

In diesem Forstfachplan sind die Funktionen, Strukturen, Probleme und Lösungsmöglichkeiten vom Wald und der Forstwirtschaft aller Waldeigentumsarten in Niedersachsen herausgearbeitet. Das Waldprogramm ist auf der Ebene der Landesplanung angesiedelt und gibt die Ziele für die Forstlichen Rahmenpläne vor. Das Programm besteht aus einem Textteil und 4 Karten im Maßstab 1:500.000.

 

 

LÖWE

Die Landesregierung hat unter Berücksichtigung der forstgeschichtlichen Erfahrungen mit Holznot, Übernutzungen, Großkalamitäten und neuartigen Waldschäden sowie im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben 1991 das "Niedersächsische Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung in den Landesforsten" (LÖWE) beschlossen.

 

Leitbild der langfristigen Waldentwicklung sind standortsgemäße, struktur- und artenreiche, leistungsstarke, gesunde, stabile sowie abwechslungsreiche Wälder, in denen alle Waldfunktionen im Sinne ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit in bestmöglicher Weise aufeinander abgestimmt sind. Erreicht werden soll dieses Ziel durch einen naturnahen Waldbau, der heute als Bewirtschaftungsprinzip gesellschaftlich und politisch anerkannt ist und dessen Grundlagen wissenschaftlich abgesichert sind. An 13 Grundsätzen ist die Umsetzung auszurichten. Das NFP plant durch die mittelfristige Forsteinrichtung die waldbaulichen Ziele des LÖWE-Programms in der Einzelfläche. Es kontrolliert die Umsetzung.

 

Ökologische und ökonomische Anforderungen an den Wald werden mit dem LÖWE-Konzept eines naturnahen Waldbaus nachhaltig versöhnt und gesichert. Es wurde vor 15 Jahren konzipiert und zum Programm für Jahrzehnte erhoben.

Forsteinrichtung

Das Prinzip der Nachhaltigkeit sowie die Ziele des LÖWE-Waldbaus konkretisieren die mittelfristige Forstbetriebsplanung (Forsteinrichtung) des Forstplanungsamtes für den einzelnen Forstbetrieb, d.h. für das einzelne Forstamt bzw. den einzelnen Betreuungswald. Die gesetzlichen Grundlagen für die Forsteinrichtung im Landes- und Betreuungswald sind im Nieders. Gesetz über Wald und Landschaft niedergelegt.

 

Forsteinrichtung bezeichnet nach heutigem Verständnis die mittelfristige forstliche Betriebsplanung. Die forstlichen Klassiker sprachen dagegen von Forsttaxation oder Forstabschätzung. Sie meinten damit in erster Linie die Bestimmung des nachhaltigen Ertrages der Wälder.

 

Forsteinrichtung ist das Instrument für Inventur, Erfolgskontrolle und Planung bei der Bewirtschaftung des Waldes. Forsteinrichtung ist

 

  • Erhebung des Waldzustandes
  • Rückblickende Erfolgskontrolle
  • Zielfindung
  • Mittelfristige Planung
  • Ergebnisdarstellung und
  • Sicherung der Nachhaltigkeit

 

Entsprechend inventarisieren wir den Wald, schätzen seine Zuwachsleistung ein, analysieren kritisch die Waldbehandlung und die Waldentwicklung der vergangenen 10 Jahre und bestimmen so die nachhaltig mögliche Nutzung sowie die Waldverjüngung.

 

Die kritische Würdigung gewinnt angesichts der Delegation von Verantwortung im Bereich der Maßnahmenplanung sowie sich vergrößernder Betriebseinheiten eine wesentliche Bedeutung. Wir als Forstplanungsamt decken Stärken und Schwächen auf und stellen Weichen für den sich anschließenden Forsteinrichtungszeitraum. Die periodische Kontrolle naturaler Größen, wie z.B. Vorrat, Stärkeklassengliederung, Zuwachs, Alt- und Totholzanteile sowie der Umsetzung der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, ist mit der terrestrischen, permanenten Stichprobe auf Betriebsebene sowie auf der Ebene der Reviere mit numerischen Kenngrößen gewährleistet. Die notwendige einzelbestandesweise Kontrolle erfolgt gutachterlich im Zuge des Waldbegangs durch unsere Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter.

 

In Niedersachsen wie auch in vielen anderen Bundesländern stellt der angestrebte Umbau strukturarmer Reinbestände in strukturreiche, leistungsstarke Mischwälder eine besondere Herausforderung dar. Im Bereich der Waldentwicklung beläuft sich die potentielle Umbaufläche in den nächsten 40 Jahren auf rd. 127.000 ha. Gleichzeitig haben in den Waldschutzgebieten auf rd. 30% der Landeswaldfläche Naturschutzziele Vorrang. Ferner sollen ertragsschwache Standorte nur noch extensiv bewirtschaftet werden. Grundsätzlich sind im LÖWE-Wald Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen gleichrangig. Ihre Gewichtung im Mehrzweckwald wird an der Einzelfläche durch unsere Forsteinrichtung festgelegt. Wir arbeiten dabei intensiv mit den örtlichen Waldbesitzern und Forstleuten zusammen.

 

„Ihr sollet geloben und sprechen einen Eid Zu Godt und auf Sein Heiliges Evangelium, dass ihr die Orte Holtz so euch bei obhandener Forstbereitung vorgezeiget werden, mit Fleiss in Augenschein nehmen, was darin sowol an noch stehendem grünen Holtze, als an Windfällen an Trocknissen so zum verkohlen dienlich vorhanden oder von dem zukünftigen Zuwachs zu hoffen, so viel es thunlich genau überschlagen und sonst von denjenigen, worüber ihr befraget werdet, so viel ihr davon in Erfahrung gelernet oder mit euren Sinnen begriffet, die nähere Beschaffenheit wie ihr solche finden werdet, aufrichtig vermelden und dass nicht unbelassen wollet wegen Gabe, Geschenk, Nutzen, Gunst, Hass, Freundschaft, Feindschaft oder anderes wie das Menschen Sinne erdrücken mögen, alles getreulich und ohne Gefährden, so wahr euch Godt helfe uns Sein Heiliges Wort.“ (Eid der Forsteinrichter, 1704)

 

Pflege- und Entwicklungspläne/Managementpläne

Die Ziele im Waldnaturschutz sind für die Landesforsten im LÖWE-Programm klar formuliert. Waldnaturschutz steht im Selbstverständnis und im Zielsystem der Niedersächsischen Landesforsten heute gleichbedeutend neben der Produktions- und Erholungsfunktion sowie den übrigen Schutzzielen (Wasser, Boden, Klima u.a.). Die Harmonisierung der Waldfunktionen auf der gesamten Waldfläche ist gegenüber einer weitgehenden Funktionstrennung in Niedersachsen der einzige Weg, um die wirtschaftlichen und ökologischen Ziele nachhaltig und mit dem höchsten Gesamtnutzen in Einklang zu bringen.

 

Als Teil der Forsteinrichtung erarbeiten wir am jeweiligen Schutzziel ausgerichtet und in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden die Pflege und Entwicklung der Waldschutz-, Naturschutz-, FFH- und Vogelschutzgebiete im Landeswald. Diese gemeinsam erarbeiteten Pläne sind die Grundlage für die naturschutzorientierte Bewirtschaftung der Flächen der Landesforsten in den Schutzgebieten.

 

Waldschutzgebietskonzept

Entsprechend dem LÖWE-Programm ist ein umfassendes Konzept von Waldschutzgebieten und Sonderbiotopen zusammen mit der Naturschutzverwaltung erarbeitet und auf einer Fläche von insgesamt 65.000 ha oder 27 % des Landeswaldes umgesetzt. Es ist gleichzeitig die fachliche Basis sowohl für die weitere Ausweisung von Naturschutzgebieten als auch für die Auswahl der Flora-Fauna-Habitat (FFH) - Gebiete und der Vogelschutzgebiete im Landeswald im Rahmen des Europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000. 

 

Die unterschiedlichen Kategorien ermöglichen den Schutz und die gezielte Entwicklung seltener natürlicher und kulturbetonter Waldgesellschaften in den einzelnen Wuchsregionen Niedersachsens. 

 

Habitatbaumkonzept

In den Landesforsten wird als Leitbild auf der gesamten Wirtschaftswaldfläche einschließlich Waldschutzgebieten ein zusammenhängendes Netz von Habitatbäumen und Totholz, vorwiegend in Gruppen bis Kleinflächen, entwickelt und erhalten. Es wird durch Naturwälder und den Nationalpark Harz ergänzt. Darin sollen Habitatbäume und Totholz möglichst aller Baumarten, besonders die der natürlichen Waldgesellschaften, aller Standorte, Stärkeklassen und Zersetzungsgrade erhalten und gefördert werden. Alt- und Totholz bieten Organismen aus zahlreichen Tier- und Pflanzengruppen, wie z.B. Käfern, Hautflüglern, Schnecken, Fledermäusen, Pilzen, Moosen und Flechten eine Fülle von Lebensstätten und Nahrung. So leben z.B. rd. 1.500 Pilzarten und 1.350 Käferarten von Holz.

 

Im Rahmen der Bestockungsinventur weisen wir mit dem praktischen Betrieb entsprechende Bäume und Baumgruppen aus, lokalisieren diese und bilanzieren die Habitatbäume und –baumgruppen nach Stammzahl und Masse. So sorgen wir dafür, dass das geplante Konzept in den Flächen umgesetzt wird.

 

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Niedersächsisches Forstplanungsamt (NFP)

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