Waldpädagogikzentrum Ostheide

Geschichte des Hauses

Die Geschichte des Hauses


 

Das Siedenholzhaus ist eines der ältesten Häuser der Gemeinde Unterlüß, erstmals 1697 als einstöckiges Forsthaus erwähnt. Der Name „Siedenholz“ hat wohl die Bedeutung „niederes Gehölz“ und lässt erahnen wie der Wald früher aussah.

Im in der Nachbarschaft gelegenen Reviergehöft der heutigen Försterei Schafstall war die Postkutschenstation untergebracht, so dass auf der Siedenholzbahn reger Verkehr herrschte.

 

Auszüge eines Reiseberichts durch die Heide:

"Schafsthal".
"Die ganze Gesellschaft traf hier um vier Uhr Nachmittags zusammen ... Wir thaten hier erst eine vortrefliche Mahlzeit von Erdbeeren; ergötzten hierauf unsre Augen an dem Anblicke einiger Buchen...

Eine große Menge Schaafheerden in der Nähe..."

"Kaum hatten wir eine halbe Meile jenseits Schafsthal zurückgelegt... Der eigentlich öde und traurige Theil des Wegs von Lüneburg bis Celle fängt hier an. Sand, Haide und Moor, umgeben von ewigen Tannen- und Fichtenwäldern, ist Alles, was man entdeckt. Nicht ein einziges Dach - kein Wasser - kein Mensch - kein Thier - selbst nicht die Luft, - wenn ich eine fürchterliche Menge von Raben ausnehme ..."

"Ueber diese stille todte Fläche rollte unser Fuhrwerk so leicht und leise, daß man seinen eigenen Athemzug hörte."

Der General-Erbpostmeister Johan Franzisco Marie Cappelini genannt Stechinelli wurde neben anderen Höfen im Jahre 1677 mit dem Sattelhof Schafstall belehnt.

Im Jahre 1678 wurde Stechinelli das Postwesen des Herzogtums übertragen und 4 Jahre später richtete er die Poststation Schafstall ein. Nach seinem Tode, am 26. 11. 1694, verkaufte sein Sohn Johann Franz den Besitz an den Posthalter Franz Balthasar Lichtenberg (Ostern 1711). Die Poststation wurde im Jahre 1795 nach Eschede auf den Halbhof Nr. 23 verlegt. In Schafstall stehen noch ein Ziehbrunnen und in Siedenholz ein Fachwerkgebäude als Zeugen jener Zeit (vergl. u. a.  Achim Gercke, Hermannsburg, 1965 S. 363).

 
1777 wurde das Siedenholzhaus in den Karten namentlich nicht mehr erwähnt, so dass davon auszugehen ist, dass es im Zuge einer großen Forstreform abgerissen wurde.

Ca. 1818 wurde es nahe der alten Poststraße Hannover-Lüneburg, einem Fracht- und Karrenweg seit dem Mittelalter, als Fachwerkgebäude wieder errichtet und als Forsthaus genutzt.

1911 wurde das Siedenholzhaus zum Vierfamilienhaus umgebaut und als Waldarbeitergehöft genutzt. Im Bereich der heutigen Werkstatt wurden 1935 drei Schuppen, als Geräte- und Holzlager sowie Schweinestall gebaut. 1938 wird das Haus erstmalig mit elektrischem Strom versorgt.

1996 wurde das Haus schließlich durch die Niedersächsischen Landesforsten zum Jugendwaldheim umgebaut und währenddessen aufwändig entkernt und grundsaniert. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und bietet Jugendlichen die Möglichkeit hier ihre Klassenfahrten zu verbringen. Dabei trägt das urige Haus mit seinem eigenen Charme seinen Teil dazu bei, die Jugendlichen wieder näher an Wald und Natur heranzuführen.

 

 

Franzosen in Unterlüß

 

Am 14. November 1806 trafen die ersten durchziehenden französischen Soldaten in Schafstall auf dem Hof der dortigen ehemaligen Poststation ein. Obwohl im Vorfeld angekündigt, war die Zahl der quartiernehmenden Soldaten der 1. Division der 8. französischen Armee - 6000 bis 7000 Mann mit 2000 Pferden und berittener Artillerie - sehr groß. Auf ihrem Weg nach Lüneburg folgten die Franzosen der Poststraße Celle - Lüneburg und organisierten bis 1813 auch über diese Straße ihren Nachschub.

Nach der mündlichen Überlieferung entstand in der Nähe des heutigen Jugendwaldheimes Siedenholz wenige Jahre später eine von Gefangenen angelegte Steinpflasterung aus Findlingen, die es den Franzosen erleichterte, mit schweren Wagen die an dieser Stelle befindliche Steigung zu überwinden. Dieses Kopfsteinpflaster ist heute noch im unteren Teil der Siedenholzbahn zu finden.

 

Ihr Biwak schlugen die Soldaten im November 1806 am Forstort Siedenholz nahe Schafstall auf einer freien Fläche auf, die nach Abzug der französischen Soldaten im Volksmund fortan „Franzosengrund“ genannt wurde.

 

Vier Jahre später folgte der erwähnten 1. Division die 2. Division, ebenfalls 6000 bis 7000 Mann.

 

Die Franzosen blieben jeweils nur eine Nacht und wurden mit Fleisch, Brot, Reis, Bier, Wein, Kaffee und Branntwein verpflegt. Sie hatten auf französischen Branntwein bestanden („Franzbranntwein“).

 

Der größte Teil der Verpflegung wurde von Celle herbeigeschafft, einschließlich Hafer für die Pferde, während Stroh zum Lagern vorwiegend aus den Amtsvogteien Hermannsburg und Beedenbostel kam. Die „Amtsuntertanen“ mussten ferner große Kessel nach Schafstall schaffen und auf ihren Ackerwagen am nächsten Morgen die Infanterie nach Ebstorf weiterbefördern.

Im Falle der nicht ausreichenden Verpflegung drohte die französische Generalität mit Requirierungen in den umliegenden Dörfern.

 

Mit wenigen Ausnahmen verhielten sich die französischen Soldaten sehr diszipliniert. Dafür sorgten die Offiziere, die sogar Leibesvisitationen anordneten, als der ohnehin verschuldete Posthalter Lichtenberg silberne Löffel vermisste. Dennoch war nicht zu verhindern, dass es zu Diebstählen kam. Eine Lichtenbergsche halbe Reisekutsche („Chaise“) wurde beim Abmarsch gestohlen.

 

Förster Nolte musste seine Wohnung im Forsthaus Siedenholz räumen, weil 70 Franzosen einquartiert wurden. Sein Pferd, das er als berittener Förster hatte, und das Vieh verbrachten die Nacht außerhalb ihres Stalles, weil französische Kavallerie-Pferde ihren Platz einnahmen.

 

Weil November- Nächte kalt sind und damals nicht sofort genügend Brennholz geschlagen werden konnte, rissen die Soldaten die Zaunlatten von zwei Garteneinfriedungen und einer 18 Morgen großen Schonung („Kamp“) und verbrannten sie. Im Anschluss daran machte sich die französische Artillerie auf der Schonung breit und ruinierte sie.

 

 

Das ist die spannende Geschichte des heutigen Hauses Siedenholz. Ob alles genauso der Wahrheit entspricht bleibt dabei sicherlich das Geheimnis der alten Balken. Dennoch sind wir stets auf der Suche nach neuen Erkenntnissen.

 

Sind Sie vielleicht Zeitzeuge oder haben Sie im alten Forsthaus gelebt?

 

Rufen Sie uns doch mal an oder kommen Sie vorbei. Wir freuen uns auf ihre Geschichten!

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