Niedersächsisches Forstamt Sellhorn

ein Zeitungsartikel über eine wahre Begebenheit.

<typohead type="4" align="center">Berichte aus dem Jugendwaldheim Ehrhorn</typohead>

<typohead type="3" align="center">Gespenster im Waldheim</typohead>

Die kleinen Schleiereulen waren fast flügge und saßen wie jetzt jeden Abend in der Umgebung des Nestes am Jugendwaldheim Ehrhorn. Aber die neue angekommene Klasse wusste nichts davon.

Es waren in der Stadt groß gewordene Jugendliche, die zwar alle Computermonster und Fernsehgrusel schon gesehen hatten, aber nicht wussten was ein Eulenruf ist. Und so kam, was kommen musste:

 

Schon am ersten Abend trafen die wilden Geschichten in den Köpfen der jungen Leute und die Realität, nachts auf dem ansonsten dunklen Weg am Waldheim, aufeinander. Während eine Jungeule sich mit leisem Ruf durch den angrenzenden Wald, in für sie ruhigere Bereiche aufmachte, steigerten sich die Jugendlichen in Hysterie. Aus der hellen Bewegung wurde ein wilder Mann. „Ehrlich! Der ist dahinten über den Zaun gesprungen!“ hieß es. Andere, die sich noch mal „todesmutig“ nach draußen gewagt hatten, entdeckten rot leuchtende dreiäugige Zyklopen.

Diese Nacht schlief die Gruppe äußerst schlecht und die Lehrer hatten alle Mühe die Disziplin zu wahren.

 

Die Vorstellungen waren so real, dass erst detektivische Arbeit die Jugendlichen am nächsten Morgen umstimmen und vom Abreisen abhalten konnte.

 

Alle hatten was gesehen! --- Bis sie zeigen sollten von wo sie, was genau gesehen hatten. Nun, dort wo der Mann gestanden und gelaufen sein sollte, war der Waldboden übersäht mit kleinen unbeschädigten Pilzen. Keine Spur von Trittspuren, aber Eulenkot. Und der wilde Zyklop hatte sich zwar vom Standort der Jugendlichen durch den Wald 150 Meter entfernt bewegt. Sich aber genau auf der dortigen Straße aufgehalten. Dort wo jeder PKW abbremst um durch die Kurve zu fahren.

Auch die ängstlichsten der Schüler mussten zugeben, dass es wohl doch eher Bremslichter und das Gruseln im Kopf waren, die da nächtens über sie gekommen waren.

 

10 Tage später, nach erlebnisreichen Arbeitstagen im Forstamt Sellhorn, nach Nachtwanderung und vielen nächtlichen Spaziergängen zu „ihren“ Eulen – man hatte sich inzwischen aneinander gewöhnt und die Altvögel fütterten vor Publikum – konnten alle nur noch lachen, über die Gespensterangst des ersten Tages.

 

Gespensterfotos hier

 

530 Schüler aus 24 Klassen haben in diesem Jahr  das zum Niedersächsischen Forstamt Sellhorn gehörende Jugendwaldheim Ehrhorn besucht und dies ist nur eine von vielen kleinen Geschichten, die zeigt wie wichtig es ist, dass Jugendliche und Kinder in den Wald kommen. Hier zum Beispiel um die künstliche von der realen Umwelt im Kopf bewusster trennen zu können.

Aber auch um die seltenen Lungenenzian Bestände zu schützen, Buchenwälder zu pflanzen, Hochsitze zu bauen oder Heideflächen zu entkusseln kommen die Jugendlichen in das Jugendwaldheim. Ebenso werden Reitwege gepflegt, Wildschutzzäune abgebaut, bei Führungen den Wald mit allen Sinnen erlebt oder bei Nachtwanderungen der Wald ohne Licht erkundet. 

Darüber hinaus haben auch dieses Jahr Grundschulklassen Walderlebnistage bei uns verbracht, junge Förster ihre Ausbildung im Bereich Naturschutz vervollständigt und polnische Forstkollegen Einblicke in die Niedersächsische Waldwirtschaft gewonnen. Daher wundert es auch nicht dass, das Jugendwaldheim Ehrhorn auch für das nächste Jahr fast schon wieder ausgebucht ist.

 

© V. Wehde  Jugendwaldheim Ehrhorn

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