Waldnaturschutz in den Niedersächsischen Landesforsten

Habitatbaumkonzept



Das Habitatbaumkonzept der Niedersächsischen Landesforsten ist für den erfolgreichen Naturschutz im  Landeswald eines der „Schlüsselthemen“, denn Habitatbäume sind die Baumveteranen der Zukunft, eng daran gebunden sind Tausende von teilweise sehr seltenen Arten.

 

Im Regierungsprogramm “Langfristige ökologische Waldentwicklung in den niedersäch­sischen Landes­forsten” (LÖWE) wurde deshalb folgender Grundsatz fixiert : “Bei der selektiven Nutzung des Waldes sollen in vermehrtem Umfang und möglichst flächendeckend alte und starke Bäume einzeln, in Gruppen oder Kleinflächen erhalten werden, um Lebensraum für Tiere und Pflanzen der Alters- und Zerfallsphase des Waldes zu sichern.”

 

Auf dieser Grundlage wird über die gesamte Wirtschaftswaldfläche der Niedersächsischen Landesforsten ein zusammenhängendes Netz von Habitatbäumen und Totholz entwickelt und erhalten. Habitatbäume im Sinne des Konzeptes der Niedersächsischen Landesforsten sind Bäume, die gezielt nicht genutzt und mög­lichst alt werden sollen. Zu diesen Habitatbäumen gehören neben Jahrhunderte alten, mächtigen Hutewaldriesen, die wir zu unseren  „Kronjuwelen“ zählen,  auch ganz „normale“ dicke, alte Bäume der natürlichen Waldgesellschaften, sowie Horst- und Höhlenbäume.  Um diese Bäume eindeutig  und langfristig kenntlich zu machen, werden sie i.d.R. mit einem "X" gekennzeichnet. Sie verbleiben bis zum natürlichen Zerfall an ihrem Standort. Unser Ziel von durchschnittlich mindestens 5 Habitatbäumen pro Hektar in älteren Beständen haben wir bei weitem erfüllt, denn unsere aktuellen Erfassungen dokumentieren, dass wir in älteren Beständen bereits ca. 12 Habitatbäume pro Hektar langfristig erhalten. Das entspricht 12 % der vorhandenen Bäume dieser Altersstufe.

 

Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt, da in reinen Wirtschaftswäldern  stärkere Bäume weit vor ihrem natürlichen Absterben ge­nutzt werden - je nach Baumart im Alter von 60 bis 250 Jahren. Die natürliche Alters- und Zerfallsphase in Urwäldern mit vielen Uraltbäumen und Totholz jeder Art dauert dagegen nahezu doppelt so lang. Dabei bietet sie  Organismen aus zahlreichen Tier- und Pflanzengruppen wie Käfern,  Schnecken, Vögeln, Fledermäusen, Pilzen, Moosen und Flechten die Grundlage für Lebens­stätten und Nahrung.  So leben z. B. rund 1500 Pilzarten und 1350 Käferarten von Holz. Viele dieser Arten sind in ihrem Bestand akut gefährdet.

 

Unter dem Motto „Alte Bäume schaffen Vielfalt“ ist das Habitatbaumkonzept der Landesforsten  ein wesentlicher Baustein der multifunktionalen Forstwirtschaft, durch den die Lebensbedingungen für viele Arten dauerhaft und nachhaltig  verbessert  werden.

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