Waldpädagogikzentrum Göttingen - RUZ Reinhausen

Hautflügler-Lehrpfad Ameisen, Bienen, Wespen & Co.

Station Wildbienen & Hummeln

Die Hautflügler (Hymenoptera) sind nach ihren meist durchscheinenden häutigen Flügeln benannt. Viele kennen von diesen nur die Waldameise, die Honigbiene und die Gemeine Wespe. Dabei gibt es viel mehr Arten als die Meisten wissen. Die Hautflügler sind die artenreichste Ordnung der Insekten.

Aufgrund der großen Artenzahl haben die Hautflügler nicht nur sehr vielfältige Lebensweisen, sondern sind auch sehr vielgestaltig. Daher eignen sie sich hervorragend für den Einsatz in der Umweltbildung. Zahlreiche biologische Themen lassen sich an ihnen veranschaulichen und erläutern.

In den letzten Jahrzehnten sind viele Hautflügler auf den Roten Listen gelandet. Ihre Lebensraumzerstörung führt aber nicht nur zum Verschwinden einzelner Arten, sondern auch zum Verlust ökosystemarer Funktionen wie der Bestäubung.

 

Das Ziel dieses Lehrpfades ist es, den hohen Grad der ökologischen Vernetzung zwischen den Hautflüglern und den Pflanzen und Tieren, die von Ihnen abhängen,  zu vermitteln. Er soll die Menschen für die Notwendigkeit sensibilisieren, solche Lebensgemeinschaften zu schützen. Letztendlich ist der Mensch selbst zur Erhaltung einer intakten Kulturlandschaft und Natur auf die Hautflügler angewiesen.

 

Der Hautflügler-Lehrpfad informiert über die Biologie und die verschiedenen Lebensraum-, bzw. Nistplatzansprüche von Waldameisen, Bienen und Wespen. Die Lebensweise eines Waldameisen-Volkes kann man sogar in einem großen Schaukasten (Formicarium) hautnah beobachten.

 

Außerdem gibt es verschiedene Nisthilfen wie Insektenhotel, Steilwand oder Hummelkasten zu sehen, die man Wildbienen und Wespen anbieten kann. Schließlich präsentiert der Lehrpfad auch mit der Streuobstwiese, dem Magerrasen und einem naturnahen Waldbereich exemplarisch geeignete Lebensräume für Wildbienen, Wespen und Ameisen.

 

Letztendlich möchten wir mit dem Hautflügler-Lehrpfad Freude an der Vielfalt der Natur wecken und Wissen über ihre komplexen Zusammenhänge vermitteln. Denn: Nur was wir kennen und verstehen, können wir auch nachhaltig schützen!

 

Der Hautflügler-Lehrpfad in Reinhausen hat 11 Stationen mit Informationstafeln:

 

1.      Waldameisen + Formicarium

2.      Honigbiene

3.      Friedliche Wildbienen

4.      Hummeln

5.      Insektenhotel - praktischer Naturschutz

6.      Im Boden nistende Arten

7.      Nistmöglichkeiten für Steilwandbewohner

8.      Lebensraum Streuobstwiese

9.      Von der Streuobstwiese zum Wald

10.    Hornissen

11.    Lebensraum Kalk-Magerrasen 

 

(Durch Anklicken der Stationsnummern öffnen sich die jeweiligen Schautafel-Texte als pdf-Dateien!)

Erkunden Sie unseren bundesweit einzigartigen Hautflügler-Lehrpfad doch einmal selbst anhand unseres Informationsflyers, der zugleich auch eine Übersichtskarte (s. u.!) über den Streckenverlauf und die Lage der einzelnen Stationen enthält. Der Informationsflyer ist auch am Startpunkt des Lehrpfades, der Übersichtstafel (Einfahrtsbereich zum Forstamt!), erhältlich!

 

Informationen zu den 11 Lehrpfad-Stationen

Übersichtskarte zum Hautflügler-Lehrpfad Reinhausen: Ameisen, Bienen, Wespen und Co (Ausdrucken möglich!)

 

 

1.      Waldameisen & Formicarium

Waldameisen gehören zu den faszinierendsten Lebewesen auf der Erde: Sie leben in großen Ameisen-Staaten und jede einzelne Ameise hat eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Ameisen-Berufen wie Jägerin, Sammlerin, Wächterin, Brutpflegerin usw., wobei Waldameisen ihre Berufe im Laufe ihrer Entwicklung und bei dringendem Bedarf durchaus wechseln.

 

In unserem Formikarium lebt ein Volk der Kahlrückigen Waldameise (formica polyctena), die dank zahlreicher Königinnen große Waldameisenkolonien - bestehend aus Mutternest und Tochternestern - mit bis zu mehreren Millionen Ameisen zu bilden vermag.

 

Im Naturhaushalt unserer Wälder spielen Waldameisen eine wichtige Rolle. Sie vertilgen in großen Mengen blatt- und nadelfressende Raupen und können so Waldbäume vorm Kahlfraß bewahren. Viele bekannte Bodenpflanzen des Waldes wie Waldveilchen, Buschwindröschen oder Sauerklee verdanken ihnen ihre Samenverbreitung. Auf der anderen Seite profitiert auch die Tierwelt vom Vorhandensein der Waldameisen. Spechte, Rebhühner und Fasane ernähren sich von Ameisen. Im Nest der  Waldameisen siedeln sich viele Mitbewohner wie Rosenkäfer, Bläulinge und Vierpunktkäfer im Larvenstadium an.

 

Eine besondere Beziehung haben Waldameisen zu den Blatt- und Rindenläusen entwickelt, von deren Ausscheidungen - dem Honigtau - sie sich überwigend ernähren. Sie fördern und beschützen die Läuse regelrecht wie ihre Haustiere, um ihren immensen Bedarf an Honigtau zu decken. Dies kommt wiederum auch den Honigbienen zugute, die aus dem Honigtau Waldhonig herstellen.

 

Lichte Mischwälder mit naturnaher Bewirtschaftung und strukturreiche sonnige Waldränder sind optimale Lebensräume für Waldameisen, die wegen ihrer großen Nützlichkeit schon seit über 200 Jahren unter Schutz gestellt sind.

 

Zu den Waldameisen bieten wir ein eigenes schulisches Veranstaltungsprogramm an:

a) Waldameisen-Grundschule, b) Waldameisen-Sekundarstufe 1 und

c) Waldameisen & Vernetzungsstrukturen-Sekundarstufe 2.

Station Waldameisen und Formikarium

2.      Honigbiene (Apis mellifera)

Die Honigbiene hat neben den Ameisen ein hochsoziales Verhalten entwickelt. Sie kann nur in Staaten bzw. Völkern überleben. Eine einzelne Biene würde auf jeden Fall sterben – sie benötigt den sozialen Kontakt mit ihren Artgenossen. Wie bei allen Staaten bildenden Arten der Hautflügler gibt es auch bei den Honigbienen drei unterschiedliche Erscheinungsformen (Kasten): Königin, Arbeiterin und Drohn.

 

Honigbienen sind wichtige Bestäuber, insbesondere für die Massentrachten. Zahlreiche Nutzpflanzen wie Apfel, Birne, Steinobst, Beerensträucher sind auf ihre Bestäubung angewiesen.

 

Zum Thema Honigbienen läuft im RUZ Reinhausen ein eigenes Veranstaltungsprogramm für die Grundschule:

Honigbienen & Imkerei

 

 

 

Mörtelbiene

 3.   Friedliche Wildbienen

Neben der domestizierten Honigbiene gibt es über 500 „wilde“ einheimische Bienenarten. Mit Ausnahme der Hummeln leben die meisten Wildbienen einzeln, d.h. jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt den Nachwuchs alleine. Deshalb werden sie auch als Einsiedler- oder Solitärbienen bezeichnet.

Als Bestäuber haben Wildbienen eine herausragende Funktion. Für viele Pflanzenarten sind die Wildbienen die einzigen Bestäuber. Sie sichern den Erhalt vieler Wildpflanzen und sind deshalb in ihrer Gesamtheit unter Schutz gestellt.  

Wildbienen sind äußerst friedlich. Sollten sie doch einmal stechen, sind ihre Stiche in der Regel harmlos, weil unsere Haut viel zu dick für ihren kleinen Stachel ist.

 

Steinhummel

4.      Hummeln (Bombus)

Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen. Es gibt viel mehr Hummelarten, als die meisten vermuten: Allein in Deutschland leben 31 Hummelarten.

Hummeln gehören zu den effektivsten Bestäubern. An kalten und feuchten Tagen sind es allein die Hummeln, die die Blüten besuchen. Einige Nutzpflanzenarten werden fast ausschließlich von Hummeln bestäubt: Klee, Lupinen, Wicken, Erbsen und Bohnen.

 

 

5.      Insektenhotel – praktischer Naturschutz

Mit einem Insektenhotel kann man auf einfache Weise Nistmöglichkeiten schaffen und so viele Wildbienen fördern. Gleichzeitig werden auch die Lebensbedingungen vieler anderer Hautflügler wie Grab-, Weg-, Falten- sowie parasitisch lebender Gold- Keulen- und Schlupfwespen verbessert.

 

Verschiedene Nistmöglichkeiten wie Holzklötze mit Bohrlöchern, Lehmklötze, Pflanzenstängel, Bambusrohre oder Schilf werden demonstriert. Die potentiellen Besiedler der Nistplätze werden im Bild vorgestellt.

Nestverschlüsse:

Ob eine Biene ein Zimmer bezogen hat, lässt sich daran erkennen, dass eine Niströhre verschlossen ist – einen Deckel hat. Anhand des Nestverschlusses (Größe und Material) kann man Arten bzw. Gattungen auseinander halten - auch ohne die Tiere selbst zu sehen.

Neben genügend Nistplätzen brauchen unsere Wildbienen auch ein ausreichendes Blütenangebot. Ohne Pollen und Nektar als Nahrung für die Nachkommen können die Bienen nicht überleben. Wichtig ist daher das ganze Jahr über ein kontinuierliches Blütenangebot in der Nähe des Insektenhotels. Viele solitäre Wildbienen sind an ganz bestimmte Pflanzen gebunden. Fehlt die Pflanzenart – verschwindet auch die Biene. 

Man kann Wildbienen mit der Ansiedlung von bestimmten Nahrungspflanzen im Garten, Blumenkübel oder Balkonkasten leicht helfen.

 

6.      Im Boden nistende Arten

Mit einem „Sandkasten“ lassen sich Boden nistende Wildbienen und Wespen fördern - solange er überwiegend vegetationsfrei bleibt und an einer sonnigen Stelle liegt.

In freier Natur findet man im Boden nistende Arten an sonnigen, trockenen und vegetationslosen Bereichen von Sandgebieten, Uferböschungen, Wegen oder locker bewachsenen Rasenstellen, wie sie auch auf Magerrasen zu finden sind.

Dreiviertel aller heimischen Bienenarten nisten im Boden. Sie graben ihre Nester selbst. Typische Vertreter sind Arten der Furchenbienen, Sandbienen, Hosenbienen und Wollbienen sowie ihre Kuckucksbienen.

Einige der Boden nistenden Arten können an günstigen Standorten manchmal riesige Kolonien von einigen tausend Tieren bilden. Beispiele sind Arten der Gattung Andrena (Sandbienen) aber auch viele andere Arten.

Auch verschiedene Wespenarten der Familien der Grabwespen und Wegwespen nehmen dieses Nistplatzangebot an.

 

 

Station Insektenhotel, Bodennister & Steilwandbewohner im Bauerngarten des RUZ Reinhausen
Lehmwespe

7.      Nistmöglichkeiten für Steilwandbewohner

Mit dieser lehmverfugten Mauer lassen sich Steilwandbewohner anlocken und fördern. Solch künstliche Lehmwände ahmen Niststrukturen wie Abbrüche und Steilwände von Flussufern, Steilwände in Hohlwegen, regengeschützte Wände in aufgelassenen Abbaugruben sowie alte, lehmverfugte Gemäuer nach.

Die Nester der selbst grabenden Bienen dienen in den Folgejahren anderen Solitärbienen und -wespen als Nistgänge.

 

8.      Lebensraum Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten Rückzugsgebiete in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft. Das Blütenangebot der Wiesenblumen und Obstbäume lockt Bienen, Wespen, Schmetterlinge, Fliegen und Käfer an. In der Folge stellen sich viele Insektenfresser wie Igel, Maulwurf, Spitzmaus, Fledermaus und zahlreiche Vögel ein. Die von Spechten gezimmerten Baumhöhlen werden von weiteren Vögeln und Fledermäusen genutzt; auch Hornissen und zahlreiche Wildbienenarten nisten dort.

 

 

 

 

 

 

Station Lebensraum Streuobstwiese

9.      Von der Streuobstwiese zum Wald

Hier entwickelt sich nach der Nutzungsaufgabe eine Streuobstwiese in die ursprüngliche Lebensgemeinschaft - einen Buchenmischwald – zurück. Die verschiedenen Stadien dieser Entwicklung lassen sich nebeneinander beobachten.

Bemerkenswert an dieser Fläche ist der hohe Anteil an Alt- und Totholz - ein einzigartiger Kleinlebensraum nicht nur für Spechte und deren Nachmieter sondern auch für viele Insektenarten. Mehr als 1000 Käferarten haben sich auf diesen Lebensraum spezialisiert. Zahlreiche Hautflügler besiedeln in unterschiedlichster Weise das Totholz.

Die auf der Roten Liste stehende Blaue Holzbiene nagt ihre Brutgänge in mürbes Totholz. Auch verschiedene Blattschneiderbienen, Pelzbienen und Grabwespen legen ihre Nester in selbst genagten Gängen in morschem Holz an.

Andere Grabwespen wiederum nisten in alten Käfergängen im Holz. Goldwespen parasitisieren die Brut der Bienen und Wespen. Schließlich nisten Hornissen gerne in Höhlen alter Bäume.

 

Station "Von der Streuobstwiese zum Wald"
Hornisse

10. Hornisse (Vespa crabro)

3 Hornissenstiche töten einen Menschen, 7 ein Pferd - ein  Märchen! Hornissenstiche sind denen von Honigbienen und Wespen vergleichbar. Hornissen sind ausgesprochen friedlich. Sie stechen nur dann, wenn sie sich oder ihr Nest äußerst bedroht fühlen.

Hornissen ernähren sich räuberisch von anderen Insekten. Wie die meisten sozialen Faltenwespen ist sind im Hinblick auf ihre Beutewahl wenig wählerisch: Sie sind Generalisten, die eine Vielzahl an Insekten und Spinnentieren erjagen.

Meist stellen Fliegen (Diptera) die anteilmäßig größte Gruppe - mit bis zu 90% der eingebrachten Beute. Unter ihnen auch für Mensch und Vieh lästige oder gar schädliche Arten wie Bremsen und Stubenfliegen.

Hornissen gehören zu den Staaten bildenden Insekten und leben einjährig. Die überwinternde Königin baut ihr Nest in Baumhöhlen, aber auch anderen Hohlräumen wie Nistkästen.

Hornissen stehen unter Naturschutz!

Leider ist dies vielen immer noch nicht bekannt. Sie werden gejagt und ihre Nester vernichtet. Auch ihre Lebensräume werden durch den Menschen zerstört. Dadurch sind ihre Bestände stark zurückgegangen. Der Erhalt von Baumhöhlen auf Streuobstwiesen oder in naturnahén Wäldern kann dem entgegenwirken.

 

 

11. Lebensraum Kalkmagerrasen 

Kalk-Magerrasen (oder auch Trockenrasen) sind durch stickstoffarme (magere) und trockene flachgründige Böden gekennzeichnet. Ihre Entstehung verdanken sie der  Rohdung ehemaliger Waldstandorte und anschließender Beweidung.

Kalk-Magerrasen sind besonders für viele Licht und Wärme liebende Spezialisten wie bestimmte Orchideenarten von Bedeutung. Sie gehören zu den artenreichsten Biotoptypen überhaupt. Viele Boden nistende Wildbienenarten finden hier einen ihrer letzten Überlebensräume.

Um den Lebensraum Kalk-Magerrasen weiterhin zu erhalten, ist eine extensive Mahd oder Beweidung notwendig; sie verhindert das Aufkommen von Gehölzen (Verbuschung) und somit die Wiederentwicklung eines Waldes. Magerrasen sind stark gefährdet und vom Staat unter besonderen Schutz gestellt.

 

Bitte bleiben Sie auf den Wegen und nehmen Sie Rücksicht auf die Pflanzen und Tiere entlang des Lehrpfades!

Station Lebensraum Kalkmagerrasen
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