Niedersächsisches Forstamt Clausthal

Marder, Waschbär, Fuchs und Wildschwein

Waschbär, Steinmarder, Wildschweine, Fuchs
Quelle: Waschbär, Marder: Thomas Hennig, Wisentgehege Saupark; Wildschweine: Ralf Krüger, Forstamt Clausthal; Fuchs: wikipedia

Probleme mit Wildtieren im innerörtlichen Bereich

Die Rechtslage

 

Marder, Waschbären, Wildschweine und Füchse sind wildlebende, herrenlose Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen.

 

Eine Bejagung der Tiere darf nach dem Jagdgesetz grundsätzlich aber nur auf land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich nutzbaren Grundflächen ausgeübt werden, die zu einem Jagdbezirk gehören.

 

Die vier Niedersächsischen Harzforstämter Clausthal, Lauterberg, Riefensbeek und Seesen sind für die Jagdausübung in ihren Wäldern zuständig. Den Forstämtern obliegt die Pflicht, durch Regulation einen angemessenen Wildbestand zu erhalten.

 

Außerhalb von Jagdflächen, insbesondere in so genannten "befriedeten Bezirken" wie zum Beispiel Wohnsiedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen oder Gärten ruht die Jagd. Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Mieter/Pächter von derartigen Grundstücken dürfen jedoch die meisten heimischen Raubwildarten und Wildkaninchen fangen, töten und für sich behalten. Bedingung:

1.      Jagd- und Schonzeiten sind zu beachten

2.      Es dürfen nur Fallen verwendet werden, die das Tier entweder sofort töten oder aber unverletzt fangen

3.      Es ist ein Nachweis über eine Unterweisung in der Fallenjagd zu erbringen. Derartige Lehrgänge organisiert die Jägerschaft als eingetragener Verein.

In Ausnahmefällen kann die Jagdbehörde (beim Landkreis) auf Antrag des Grundstückseigentümers allerdings eine beschränkte Jagdausübung durch ausgewählte Jäger genehmigen. Voraussetzung ist neben einem gültigen Jahresjagdschein aber in jedem Fall, dass eine gefahrlose Schussabgabe möglich ist und die Lärmbelästigung hierdurch vertretbar ist und alle anderen Maßnahmen (Schutzvorrichtungen usw.) nicht oder nicht im vertretbaren Rahmen die gewünschte Wirkung zeigen.

 

Ein Anspruch auf Ersatz von durch Wildtiere angerichteten Schäden besteht außerhalb von Jagdbezirken nicht. Für die Sicherung von Grundstücken oder Gebäuden muss der Eigentümer selbst Sorge tragen.

 

Ansprechpartner für Probleme mit Wildtieren in befriedeten Bezirken ist das jeweilige Ordnungsamt.

Ist jedoch dringendes Handeln erforderlich, weil das Auftreten der Tiere eine Gefahr darstellt, sollte umgehend die Polizei benachrichtigt werden. Diese muss vor Ort über gegebenenfalls einzuleitende Maßnahmen zur Gefahrenabwehr entscheiden und kann zu ihrer Unterstützung sachkundige Personen im Wege der Amtshilfe hinzuziehen (z.B. Förster, Jäger oder Tierärzte).

 

Der Steinmarder

 

Lebensweise:

Steinmarder sind nachtaktive Einzelgänger und Allesfresser. Es wird jedoch Fleischnahrung bevorzugt: Tiere bis zur Größe eines Hasen, Vögel, Mäuse und Eier. Steinmarder kommen häufig vor und als Kulturfolger leben sie auch in Städten.

 

Schäden und Probleme:

Im Haus: Kot- und Urinplätze auf dem Dachboden, verwesende Beutereste auf dem Dachboden, Nageschäden an der Isolierung und an Kabeln, nächtlicher Lärm

Am Auto: Zerbeißen von Kühlschläuchen, Kabeln, Dämmmaterial und ähnlichem, häufig im Frühjahr aufgrund des Revierverhaltens der Männchen vor der Paarungszeit. Dadurch Gefahr von Autopannen, Unfällen oder Autobrand.

 

Vorbeugung:

Haus: alle Einstiegsmöglichkeiten finden und mit stabilen Brettern, Maschendraht oder ähnlichem verschließen. Die Einschlupfe sind Mauerlöcher, Belüftungsschlitze, defekte Dachfenster, lockere Dachziegel und andere bereits handgroße Öffnungen. Zum Erkennen der Einschlupflöcher um das Haus und umliegende Bäume geharkte Sandflächen anlegen und den Spuren folgen.

Wichtig: Löcher nur nachts, wenn das Tier unterwegs ist, schließen. Vorher durch Lärm Gelegenheit zur Flucht geben.

Keine Aussperrungen während der Zeit der Aufzucht der Jungen von März bis Juni! Die Mutter könnte ausgesperrt werden, die Jungtiere würden verhungern und Verwesungsgeruch wäre die Folge.

Auto: Kabel durch Wellrohr-Schutzschläuche aus Kunststoff schützen, Maschendraht unter den Motorraum, Ultraschallgeräte mit Schalldruckpegel über 100 dB (C), Strom führende Geräte, die nach dem Prinzip des Weidezauns funktionieren. Geruchsstoffe wie Hundehaare, Klosteine u.a. wirken meist nur sehr begrenzt.

 

Zum Fangen mit der Falle:

Grundsätzlich dürfen nach dem Nds. Jagdrecht Eigentümer von befriedeten Bezirken – das sind Gebäude und Grundstücke innerhalb der Bebauung, Steinmarder fangen, töten und sich aneignen. Allerdings dürfen nur berechtigte Personen, die einen Fallenschein haben Steinmarder fangen. Dies auch nur in der Jagdzeit vom 1.11. bis 28.2.

Beim Steinmarder hilft das Fangen mit einer Falle allerdings wenig! Steinmarder leben in Revieren, die sie mit ihrem Geruch markieren. Wird ein Revier frei, z.B. durch Fangen, besetzt es kurz darauf ein anderer Marder. Die Steinmarderdichte ist in Deutschland so hoch, dass alle geeigneten Reviere besetzt sind und Jungtiere es schwer haben Reviere zu finden.

Quelle: Thomas Hennig, Wisentgehege Saupark

 

Der Waschbär

 

Lebensweise:

Der aus Amerika stammende Kleinbär lebt nicht nur in Wäldern mit Wassernähe, sondern auch in Siedlungsbereichen. Der Allesfresser findet dort in Gärten, in Mülltonnen, auf Kompostplätzen und in Papierkörben genügend Nahrung. Er lebt gesellig in Gruppenverbänden, bei Frost hält er Winterruhe.

 

Gefahren und Schäden:

Grundsätzlich sind Waschbären nicht aggressiv, können jedoch in Angstsituationen und zur Verteidigung ihrer Jungtiere unangenehm beißen. Auch Füttern kann dazu führen, dass Waschbären dreist und aggressiv werden.

Waschbären können Tollwut übertragen. Allerdings ist der Harz durch frühere Schutzimpfungen und andauernde Untersuchungen von Füchsen seit Jahren tollwutfrei.

Waschbären können mit dem ansteckenden Waschbärspulwurm infiziert sein, eine Übertragung auf Menschen als Fehlwirt ist aber äußerst selten.

Waschbären haben gern auf Dächern, Dachböden, in Zwischendecken und Schornsteinen ihr Tagesversteck zum Schlafen. Dabei benutzen sie bestimmte Plätze als Toilette, die eine gewisse Infektionsgefahr darstellen.

Als Nesträuber ist der Waschbär ein eher unerfreulicher Zuwanderer, der zudem keine natürlichen Fressfeinde hat.

 

Schutzmaßnahmen:

  • Fallrohre der Regenrinnen mit mind. 1m breiten Blechabdeckungen oder Blechdornen versehen
  • Auf dem Schornstein ein Metallgitter anbringen
  •  Bäume in Hausnähe zurückschneiden um Überstiegmöglichkeiten zu verhindern
  • Schlupflöcher mit dauerhaften Baumaterialien verschließen – dies aber erst nachts, wenn die Tiere das Versteck verlassen haben und nicht zwischen April und Juli, wenn die Jungtiere im Versteck sind.
  • Mülltonnen unzugänglich aufbewahren oder mit starken Spanngummis sichern
  • Gelbe Säcke erst am Abholtag herausstellen
  • Kein Futter für Haustiere auf die Terrasse oder in den Garten
  • Keine Speisereste in den Kompost
  • Fallobst sammeln, reifes Obst ernten
  • Haustiere gegen Tollwut und Staupe impfen
  • Waschbär“toiletten“ mit Einweghandschuhen mit heißem Seifenwasser und  Desinfektionslösung säubern und Kot, Handschuhe, Bürste etc. im Plastikbeutel im Restmüll entsorgen
  • Wichtigste Vorbeugung: nicht füttern!

Zum Fangen mit der Falle:

Grundsätzlich dürfen nach dem Nds. Jagdrecht Eigentümer von befriedeten Bezirken – das sind Gebäude und Grundstücke innerhalb der Bebauung, Waschbären fangen, töten und sich aneignen. Allerdings dürfen nur berechtigte Personen, die einen Fallenschein haben in der Zeit vom 16. Juli bis 31. März Waschbären fangen.

 

 

Der Fuchs

 

Lebensweise:

Das reichhaltige Nahrungsangebot der Wegwerfgesellschaft, kein Jagddruck außerhalb der Reviere und ein gewisses Zutrauen hat den Fuchs zum Kulturfolger werden lassen. Er findet sich daher verstärkt in Städten. Mäuse, Ratten, Vögel, Schnecken, Insekten, Früchte und Beeren, Aas und Tierkadaver, z.B. als Straßenverkehrsopfer, zählen zu seinem Nahrungsspektrum.

Als Wildtiere behalten Füchse eine natürliche Scheu vor Menschen. Durch Fütterung können sie halbzahm und zu einem Problem werden.

Während der Aufzucht der Jungen im Mai/Juni sehen die weiblichen Füchse häufig ruppig aus und der Schwanz ist oft kahl. Das ist jedoch normal und bietet keinen Anlass zur Besorgnis.

 

Gefahren:

Füchse sind Hauptüberträger der Tollwut. Seit den 80er Jahren wird diese tödliche Krankheit durch Impfungen mit Fressködern erfolgreich eingedämmt. Im Landkreis Goslar gab es seit Jahren keinen Tollwutfall. Dies belegen die jährlichen vorsorglichen Untersuchungen und die Beobachtungen in der Jägerschaft. Durch die angestiegene Fuchspopulation treten jedoch v.a. zwei parasitäre Erkrankungen des Fuchses vermehrt auf:

1. Fuchsbandwurmbefall und

2. die Fuchsräude

Zu 1. Fuchsbandwurmeier werden über den Kot verbreitet und vom Zwischenwirt Maus aufgenommen. Hunde und Katzen, die infizierte Mäuse fressen, können selber zum Endwirt und damit zum Überträger des Fuchsbandwurmes werden. Fuchsbandwurmbefall kann zu schweren Leberschäden führen. Im Landkreis Goslar sind ca. 25% der untersuchten Füchse mit Fuchsbandwurm befallen.

zu 2. Fuchsräude wird durch Milben hervorgerufen und kann auch auf Hunde und Menschen übertragen werden. Gegen Fuchsräude gibt es erfolgreiche Therapiemöglichkeiten.

Vorbeugung:

  • Keine toten Füchse anfassen
  • Vorbeugende Tollwutimpfung von Haustieren, Tollwutimpfung bei akuten Fuchsbissen oder -kontakten
  • Regelmäßige Entwurmung von Hunden und Katzen
  • Gartenfrüchte vor dem Verzehr gründlich waschen
  • Hände waschen nach Waldspaziergängen und Gartenarbeit
  • Fuchskot im Garten in einer Plastiktüte im Restmüll entsorgen
  •  Haustiere nachts in einen geschlossenen Stall
  •   Keine Speisereste oder Tierfutter in den Garten
  •  Am wichtigsten: nicht füttern!
  • Füchse lassen sich evt. durch unangenehme Gerüche, so genannte Vergrämungsmittel vertreiben

Zum Fangen mit der Falle:

Grundsätzlich dürfen nach dem Nds. Jagdrecht Eigentümer von befriedeten Bezirken – das sind Gebäude und Grundstücke innerhalb der Bebauung, Füchse fangen, töten und sich aneignen. Allerdings dürfen nur berechtigte Personen, die einen Fallenschein haben in der Zeit vom 16. Juni bis 28. Februar Füchse fangen.

 

Das Wildschwein

 

Lebensweise:

Wildschweine sind Allesfresser, die gern von Gras, Klee, Eicheln, Bucheckern und Feldfrüchten wie Mais, Getreide und Raps leben. Daneben fressen sie Würmer, Mäuse, Aas, Jungtiere, Gelege von Bodenbrütern und Gartenabfälle.

Bei der Nahrungssuche graben sie mit ihren kräftigen Rüsseln im Boden und heben Zäune an.

 

Das Problem:

Gartenbesitzer, die aus falsch verstandenem Ordnungssinn ihre Gartenabfälle, Kompost und Obst im Wald abladen, füttern unbewusst neben Ratten auch Wildschweine. Außerdem verstoßen sie gegen die Vorschriften der Abfallbeseitigung.

Im Siedlungsbereich ist es in erster Linie die Art von ungewollter Fütterung (Fallobst u.a.), die die Wildschweine anlockt und damit die Grundlage für die Zerstörung von Gärten und Parkanlagen legt. Daneben ist es der Bedarf an tierischem Eiweiß, der die Wildschweine den Boden nach Regenwürmern, Engerlingen usw. umwühlen lässt.

Wildschweine, die normalerweise Menschen meiden, verlieren im Siedlungsbereich ihre Scheu. Gerade für Kinder, die die Lage nicht einschätzen können und möglicherweise „niedliche“ Frischlinge sehen, kann die Situation gefährlich werden.

 

Schutzmaßnahmen:

Um Gärten wildschweinsicher zu umzäunen, sollten die Zäune entweder in ein Betonfundament oder mind. 40 cm tief in den Boden eingelassen werden. Eine Zaunhöhe von mindestens 1,50 Meter ist erforderlich. Bewährt haben sich Elektrozäune, hinter dem normalen Gartenzaun angebracht.

Wer einem Wildschwein begegnet, sollte unbedingt Ruhe bewahren und dem Tier die Gelegenheit zum Rückzug geben. Die Tiere haben ein schlechtes Sehvermögen. Sie sollten immer angesprochen werden, die Worte sind natürlich unerheblich. Hektik, Wegrennen und Angstbewegungen signalisieren dem Tier Gefahr, so dass es zum Angriff gedrängt wird. Insbesondere Bachen mit Frischlingen müssen mit großem Abstand umgangen werden.

In Ausnahmefällen kann die Jagdbehörde beim Landkreis die Jagd in befriedeten Bezirken – zu denen z.B. Häuser, Gärten, Friedhöfe und Sportanlagen zählen – erlauben, sofern eine sichere Schussabgabe überhaupt möglich ist. Dies ist jedoch im normalen Hausbereich nicht der Fall.

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