Niedersächsisches Forstamt Dassel

Moorrenaturierung

Renaturierung von Moorwälder im Solling

In Waldgebiete eingebettete Moore stellten in der Vergangenheit auf großen Flächen Nordwestdeutschlands typische natürliche Lebensgemeinschaften dar. Wie kaum ein anderes Ökosystem sind sie allerdings in ihrem Bestand zurückgegangen und in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.

Die Renaturierung von Moorwäldern im Solling ist ein Leuchtturmprojekt der Naturschutzarbeit in den  Niedersächsischen Landesforsten. Allein im Forstamt Dassel wurden in den letzten 10 Jahren ca. 500.000 Euro in die Renaturierung von Waldmooren investiert. Dabei findet eine enge Zusammenarbeit mit Fachleuten, Behörden und Institutionen statt. Das Forstamt Dassel setzt damit schon seit Jahren um, was im Koalitionsvertrag der Landesregierung von 2013 formuliert ist: „…den Schutz und die Wiedervernässung von Waldmooren als direkte Klimaschutzmaßnahme zügig einleiten“.

 

Landschaftsprägender Charakter der Moore im Solling

Der Solling ist in den flachen Hochlagen auf erheblicher Fläche von Nassstandorten geprägt. Auch der Name „Solling“ deutet auf ihren einst landschaftsprägenden Charakter: Der Wortstamm "sol" steht für sumpfige Stelle; auch die Wörter "Suhle" und "Soll / Söll" (vermoortes Toteisloch in Nordostdeutschland) stammen davon ab.

Die Basis der Nassstandorte sind zumeist Fließerden, die aus tonigen Zwischenschichten und Sandstein-Ton-Wechsellagen verschiedener Buntsandstein-Folgen entstanden - teils auch unter Beteiligung von Schwemmlöss. An den Stellen, wo die Fließerden undurchlässig sind, haben sich die Stauwasserböden Stagnogley und Moor-Stagnogley entwickelt. Die zu grauweißem Farbton reduzierten Ton- und Schwemmlöss-Lagen gaben den Böden den Namen "Molkenboden".

Bei ausreichender Wasserversorgung kam es auf diesen Standorten zur Ablagerung von Torf und Moore wuchsen auf. Mit Ausnahme der drei Hochmoore (Mecklenbruch, Torfmoor,  Kükenbruch), die sich im Solling aufgrund des für die Entstehung von Bergland-Regenmooren eher geringen Jahresniederschlags von knapp 1000 mm nur in Sattellagen mit eine quasi-ebenen Ausgangsfläche entwickeln konnten, handelt es sich sonst um Niedermoore. Diese haben sich meist in gering geneigtem Gelände der Oberhänge (Neigung 1 bis 3 Grad) an Sicker- und Schichtquellen als Quellmoore mit daran anschließendem Hangmoor entwickelt. Die ursprüngliches Moorausdehnung im Solling dürfte deutlich über 1000 Hektar betragen haben.

Die Niedermoore im Solling waren insgesamt mesotroph-sauer ausgeprägt und dürften als wachsende Moore überwiegend baumfrei gewesen sein, zum Beispiel mit torfmoosreichen Seggenrieden als Torfbildnern. Im Wachstum stagnierende Moorbereiche trugen Birkenbruchwälder. Schwarzerlen kamen hingegen auf mineralischen Nassstandorten als Torfmoos-Erlen-Sumpfwald vor, sowie an einigen Stellen in Quellmooren.

 

Entwässerung der Niedermoore

Mit dem Anbau der Fichte ab dem 18. Jahrhundert setzten planmäßige Entwässerungen und Aufforstungen der Niedermoore ein. Die großflächig verbreiteten Hangmoore ließen sich dabei besonders leicht entwässern, da schräg zum Hang gezogene Schlitzgräben, die in tiefe Abzugsgräben münden, alle hangunteren Moorbereiche effektiv vom Wasserzustrom abschneiden. Daher stockt heute auf den meisten Niedermooren Fichtenforst in zweiter oder dritter Generation, auch wenn sich die Bestände als instabil und schwer befahrbar erwiesen haben. Zu beachten ist auch, dass in vielen Wassereinzugsgebieten der Niedermoore Nadelholz verbreitet ist. Unter Nadelbäumen ist die Versickerung und damit die Grundwasserbildung bzw. der Zwischenabfluss ins Moor deutlich geringer als unter Laubholz. Messungen aus dem Solling-Projekt ergaben eine um 40% höhere Versickerung unter Buche. Hauptgrund dafür ist die höhere Interzeption der Nadelbäume.

In der Summe führte die Entwässerung und Aufforstung der Moore zu einem Torfschwund mit der Freisetzung des gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre – Moore wurden so von einer Kohlendioxidsenke zu einer CO²-Quelle. Solange keine Wiedervernässung erfolgt, hält der Torfschwund auch heute noch an, bis die Moorauflagen komplett mineralisiert sind.

 

Renaturierung der Niedermoore im Solling

Eine Renaturierung der Moore ist sowohl aus Biotopschutz-, als auch aus Klimaschutzgründen von hoher Priorität. Weitere positive Effekte ergeben sich beim Hochwasserschutz, der Trinkwasserqualität und der Erholungsnutzung im Solling. Daneben sind eine Reihe hochspezieller und gefährdeter Arten auf intakte Moore als Lebensraum angewiesen. Durch eine Nutzungsaufgabe allein, werden sich jedoch nur einige wenige Quellmoorbereiche selbst renaturieren. In den meisten Gebieten sind sowohl wasserbauliche Maßnahmen (v.a. Grabenverschluss), als auch die Entnahme der eingebrachten Fichte auf den Nassstandorten notwendig. Um die Wasserversorgung und damit Wiedervernässung der Moore zu optimieren ist meist auch der Umbau der Wassereinzugsgebiete in Laubholzbestände notwendig, der oft nur mittel- bis langfristig möglich ist. 

Bis zum Jahr 2008 erfolgten einzelne Staumaßnahmen und Entfichtungen in einigen Niedermooren, allerdings ohne sollingweites Gesamtkonzept. Ab 2008 begann im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, den Nds. Landesforsten und der NW-FVA finanzierten Projektes ein systematischerer Ansatz in drei Niedermooren (Teichwiesen, Heidelbeerbruch, Friedrichshäuser Bruch). Die Gebiete wurden durch gezielte Untersuchungen mit Hilfe des "Decision-Support-System Waldmoorschutz" analysiert und unter in Deutschland erstmaligem Einsatz einer Schweizer Technik zur Grabenverfüllung ('Zuger Methode') sowie mit begleitendem Monitoringsystem renaturiert.

Im Jahr 2011 erfolgte dann erstmals eine von den Nds. Landesforsten in Auftrag gegebene systematische Bestandsaufnahme aller Niedermoore im Solling, einschließlich einer Priorisierung, in welchen Gebieten Vernässungsmaßnahmen vordringlich und aussichtsreich sind. Insgesamt wurden ca. 600 ha als Projektflächen im gesamten Solling ermittelt (Hoch- und Niedermoore incl. Anmoor- und Arrondierungsbereichen). Davon weisen noch ca. 200 ha Torfauflagen über 30 cm Mächtigkeit auf. Rund 30% der Projektfläche ist bereits in ihrem Zielzustand. Ca. 400 ha sind somit noch potenzielle Renaturierungsfläche. Die Wassereinzugsgebiete umfassen ca. 2.000 ha. Hierbei handelt es sich meist um durchschnittliche terrestrische Standorte. Davon ist ein Drittel bereits in optimalem Zustand (Laubholzbestände).  

 

Das neueste große Projekt im Forstamt Dassel war die Renaturierung des sieben Hektar großen Kükenbruches in den Jahren 2013 und 2014, in das die Niedersächsischen Landesforsten über 100.000 Euro investiert haben. Auf dem Hochmoor wurden mittels eines Seilkranes alle Fichten entnommen und das intensive Grabensystem wurde rückgebaut. Dazu wurden die Gräben mit Sägespänen verfüllt und wieder abgedeckt (Zuger Methode). Nun haben sich die ersten Wollgräser angesiedelt und es fliegen Libellen über die offene Fläche.

 

Schlussfolgerungen und Ausblick

Die Monitoringdaten zeigen, dass die Renaturierung der Moore deutliche Erfolge bringt. Die Wasserversorgung der Moore sowie die Entwicklung naturnaher Biotope konnten verbessert werden und werden sich weiter entwickeln. Der Torfschwund, der mit der Freisetzung hoher Mengen klimawirksamer Gase verbunden ist, konnte zumindest deutlich reduziert werden. Die angewandten Methoden haben sich in der Praxis bewährt. Wichtig war eine gute fachliche Analyse der Ausgangslage (Mooraufbau, Hydrologie, Entwässerungssystem), sowie die Wahl geeigneter, konsequenter Renaturierungsmethoden.

Vor dem Hintergrund der insgesamt noch im Solling zu renaturierenden Flächen sind die bereits erfolgten Projekte ein ermutigendes Beispiel konsequent im Sinne des Biotop- und Klimaschutzes voranzugehen. Weitere Renaturierungsprojekte sind daher in Planung.

 

 

Links:

- Broschüre "Moore im Solling" der NLF

- Bericht über das Renaturierungsprojekt im Solling 2008/2009

- Exkursionsführer Moore im Solling der AFSV (Seiten 95ff)

- Berichte und Pressemeldungen zum Moorprojekt Solling

- Vortrag über Moorprojekt Solling von Dr. Peter Meyer (NWFVA)

- Broschüre „Was haben Moore mit dem Klima zu tun?“ der DGMT

- DSS-Wamos

- Gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Ansprechpartner:

Förster für Waldökologie im Forstamt Dassel

 
Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA)
Dr. Peter Meyer

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