Niedersächsisches Forstamt Dassel

Naturschutzprojekte

Naturschutzprojekte im Forstamt Dassel

Unser Waldbauprogramm LÖWE gewährleistet die Berücksichtigung der Belange des Waldnaturschutzes auf ganzer Fläche. Daneben gibt es Waldnaturschutzprojekte, die von der Planung und den anstehenden Maßnahmen so umfangreich sind, dass sie sich vom normalen LÖWE-Waldnaturschutz, den jede Revierleiterin oder jeder Revierleiter im Rahmen der täglichen Arbeit umsetzt, abheben. 

Einige Naturschutzprojekte im Bereich des Forstamtes Dassel sind hier vorgestellt. 

 

Moorrenaturierung

• Renaturierung der Waldmoore Heidelbeerbruch, Teichwiesen, Friedrichshäuser Bruch, Kükenbruch u.a.; weitere in Planung

• Projektzeitraum: seit 2008  

• Partner: DBU, Bingo Umweltlotterie, NWFVA, Mitarbeit NABU Dassel

 

Optimierung von Steinbrüchen für Wanderfalken und Uhus

• Freistellen von Felswänden und Anlage von Brutnischen

• Projektzeitraum: 2009 sowie in nachfolgenden Jahren

• Partner: ehrenamtliche Vogelschutzfachleute  

 

Der Solling weist eine Vielzahl von alten, meist kleineren Steinbrüchen auf. Geeignete Felswände können Brutplatz für Uhu oder Wanderfalke sein. Um die geschützten Greifvögel zu unterstützen wurden die Steinbrüche mit Fachleuten begutachtet und wo sinnvoll offene Felswände durch die Entnahme von Gehölzen geschaffen. In einigen Steinbrüchen wurden durch eine Spezialfirma mit einem Presslufthammer Brutnischen im Fels angelegt. Im Forstamt Dassel brüten regelmäßig einige Uhu- und Wanderfalkenpaare. Die Brutplätze sind streng geschützt und dürfen während der Brutzeit nicht aufgesucht werden.

 

Wildkatzen- Monitoring

 • Genetische Analysen der Wildkatzenpopulation mit Fotofallen und Lockstöcken im Rahmen eines bundesweiten Projektes

• Projektflächen: Solling

• Projektzeitraum: 2011-2014

• Partner: BUND Niedersachsen

 

Der Solling weist heute wieder eine stabile Population der Wildkatze auf - noch vor einigen Jahrzehnten war das scheue Tier bei uns (fast) ausgerottet. Noch aber sind andere Waldgebiete nicht dauerhaft besiedelt und vor allem ist der Austausch zwischen den Populationen durch Verkehrswege sehr gefährlich für die Tiere. Ein Austausch zwischen den Populationen (z.B. Harz und Solling) ist aber unverzichtbar für die langfristige genetische Stabilität der Art. Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz ein deutschlandweites Projekt zur genetischen Probenahme initiiert. Die Niedersächsischen Landesforsten haben das Projekt organisatorisch und in der praktischen Durchführung tatkräftig unterstützt. Der praktische Schutz der Wildkatze geht aber darüber hinaus: Bereitstellung beruhigter, unterschlupfreicher Waldflächen, Zulassen von kleinen Sukzessionsflächen, extensive Pflege artenreicher Wiesen als Jagdhabitat und der Erhalt strukturreicher Waldränder. Und natürlich wird die Wildkatze heute nicht mehr verfolgt.

Diese Maßnahmen kommen übrigens auch dem „großen Bruder“ der Wildkatze zugute: dem Luchs. Auch er kehrt wieder in den Solling zurück.

 

Naturschutzgebiet Weper  

• Pflege der Trockenrasen zugunsten seltener Orchideen, Erhalt des extrem seltenen Bergsteppenfenchels sowie Entwicklungsmaßnahmen für seltene Schmetterlinge

• Projektzeitraum: seit 2005

• Projektpartner: Kooperation mit UNB Northeim, ehrenamtliche Fachleute

 

Die Weper ist der größte und bedeutendste Trockenrasenkomplex Niedersachsens. Der gesamte Höhenzug zieht sich über 15 Kilometer von Hardegsen bis nach Fredelsloh. Die steilen, trockenen Kalkhänge sind Lebensraum für spezielle Pflanzen wie den Lothringer Lein, eine Vielzahl seltener Orchideenarten oder den Bergsteppenfenchel, der nur hier in Deutschland wild vorkommt. Die Trockenrasen sind aber auf unsere Pflege angewiesen, sonst verbuschen sie und gehen als Lebensraum für diese seltenen Pflanzen verloren. Daher pflegt das Forstamt Dassel in Kooperation mit einem Schäfer und dem Landkreis Northeim diese Flächen regelmäßig und versucht sogar, sie zu erweitern. Die Weper ist aber auch Lebensraum für eine Vielzahl seltener Schmetterlingsarten. In einem Entwicklungsprojekt haben wir z.B. getrennte Populationen durch eine „Schmetterlingsschneise“ wieder verbunden und windgeschützte Fortpflanzungsbereiche geschaffen.

Übrigens ist die Weper nicht der einzige Trockenrasen des Forstamtes. Auch im Greener Wald sind solche orchideenreichen Sonderbiotope auf Kalk zu finden. Im Revier Relliehausen kommt unsere orchideenreichste Fläche vor. Hier wuchsen 2014 über 300 Exemplare – allerdings auf einer Naßwiese, die jährlich von Hand gepflegt wird.

 

Renaturierung von Waldbächen

·         Wiederherstellung der Durchgängigkeit und naturnahen Uferbestockung von Waldbächen

·         Projektzeitraum: seit 2000

·         Projektpartner: Förderung durch Land Niedersachsen und Bingo Umweltlotterie

 

Klare, schnellfließende Waldbäche sind typisch für den Solling. Sie sind Lebensraum für Bachflohkrebse, Forellen, Groppen, Bachneunaugen, Kinderstube für Feuersalamander und Molche und Nahrungshabitat für Schwarzstorch, Eisvogel und Wasseramsel. Voraussetzung dafür ist, dass die Fließgewässer in einem „guten ökologischen Zustand“ sind, wie es die Europäische Wasserrahmenrichtlinie formuliert. Seit dem Jahr 2000 investiert das Forstamt Dassel erhebliche Mittel in die Renaturierung von Bächen. Dabei wird vor allem die Durchgängigkeit für wandernde Organismen wiederhergestellt, in dem Verrohrungen und Dämme durch große Durchlässe oder Furten ersetzt werden. Genauso wichtig ist die waldbauliche Renaturierung. Hier geht es um die Entwicklung natürlicher Gehölzsäume mit Erle, Buche und anderen Laubbäumen und das Zurücknehmen der Fichtenbestockung. Diese Maßnahme ist wichtig, damit die Bachlebewelt überhaupt existieren kann, denn die Larven brauchen Laubblätter als Nahrung und wärmende Sonne im Frühjahr, die durch die kahlen Zweige fallen kann. Im warmen Sommer dagegen ist das kühlende Laubdach nötig, damit die Wassertemperatur nicht zu stark steigt und der Sauerstoffgehalt nicht fällt. Gute Beispiele für die Renaturierung ganzer Bäche sind der Hanebach, die Ilme und der Riepenbach. Sie liegen im FFH-Gebiet „Ilme mit Nebenbächen“. An vielen Bächen ist der Aufbau naturnaher Uferbestockungen noch eine Daueraufgabe, die jedes Jahr von den Förstern weitergeführt wird. Nicht zuletzt ist auch die naturnahe Entwicklung von Quellbereichen und die Renaturierung von Mooren ein Beitrag zum Gewässerschutz, denn die Bäche entspringen hier. Die Renaturierung von Bächen, Quellen und Mooren nutzt dabei nicht nur der Natur, sondern auch dem Menschen: die Hochwassergefahr wird verringert und Erholungswert der Landschaft steigt.  

 

Erhalt und Pflege von Huteeichen und Eichenalleen

·         Pflege des Naturschutzgebietes „Hudeeichen bei Lauenberg“ sowie Pflanzung von neuen Eichenalleen im Solling

·         Projektzeitraum: seit 2000

 

Alte knorrige Eichen mit breit verzweigten Kronen, dicken Stämmen und vielen Baumhöhlen, das sind die 500 jährigen Huteeichen bei Lauenberg. Es sind die artenreichsten Wälder, die wir im Solling haben. Denn in den lichtbeschienenen, grobborkigen Bäumen kann eine Unzahl von Insekten leben und in den alten Baumhöhlen finden sich die vom Aussterben bedrohten „Urwaldreliktarten“ Eremit, Edelscharrkäfer sowie seltene Baumpilze, Fledermäuse und Vögel, wie der Mittelspecht. An den Wurzeln der Bäume vermehrt sich der größte deutsche Käfer: der Hirschkäfer. Angelegt im ausgehenden Mittelalter stellt dieser Wald ein Relikt aus der Zeit der Hutewaldnutzung dar. Hier wurden vor allem Kühe und Schweine in den Wald getrieben, um sie an Kräutern, Eicheln und Insektenlarven zu mästen. Die Holzproduktion war auf diesen Waldflächen nur zweitrangig. Schon vor 100 Jahren fielen diese Hutewaldrelikte den Menschen als besondern erhaltenswert auf und wurden unter Schutz gestellt. Damit ist es aber heutzutage nicht mehr getan, denn wir müssen 300 Jahre voraus denken, an Zeiten, wenn die heutigen Alteichen nicht mehr leben. Damit aber die seltenen Tierarten auch dann noch hier existieren können, müssen heute schon neue Eichen nachgepflanzt werden. Außerdem werden in den vorhandenen 150-jährigen Eichenbeständen besonders knorrige Bäume ausgewählt und gefördert, die die „Huteeichen von morgen“ sind. Auch das Eichholz bei Uslar ist eine der wichtigsten Artenschutzflächen des Forstamtes. Hier wird regelmäßig investiert, um die Alteichen trotz der angrenzenden Straße zu erhalten.

Da die kleinen Hutewaldrelikte langfristig für den Erhalt der Arten aber nicht ausreichen, werden auch an anderen Stellen im Solling strukturreiche Alteichen erhalten und müssen neue Eichenwälder gepflanzt werden. Wichtig ist aber auch die Vernetzung der einzelnen Eichenflächen. Hier gibt es seit Jahrhunderten die bekannten Eichenalleen. In einem Projekt der Solling-Forstämter wurden Lücken in bestehenden Alleen durch Nachpflanzungen geschlossen und zum Teil neue Alleen angelegt. Dieser Prozess wird weiter fortgeführt.

 

Wiesenpflege

·         Erhalt der sollingtypischen Wiesentäler durch extensive Pflege zur Entwicklung artenreicher Wiesen

 

Schon mehrfach ist angeklungen, dass extensiv gepflegte Wiesen nicht nur für die auf ihnen wachsenden Pflanzen von Bedeutung sind, sondern dass auch Insekten, Schwarzstörche und Wildkatzen diese Biotope nutzen. Für die Entwicklung artenreicher Wiesen ist es wichtig, sie ohne Düngung und Pflanzenschutzmittel, ohne Umbruch und Einsaat zu bewirtschaften. Gepflegt werden die Wiesen durch eine nicht zu frühe Mahd und den Abtransport des Mahdgutes oder aber durch eine extensive Beweidung. Blütensäume und ein strukturreicher Waldrand vervollständigen das Bild. So können malerische Landschaftswiesen im Solling erhalten werden, die auch wertvolle Lebensräume sind.

 

 

Wenn Sie nähere Fragen zu diesen und anderen Naturschutz-Projekten haben, wenden Sie sich bitte an unseren Förster für Waldökologie.

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