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01.02.2018

Waldumbau in den Herberger Fuhren

Licht für nachwachsende Eichen

Förster Boyer prüft die zahlreich auflaufende Naturverjüngung von Weißtanne

(Löningen) 150 Jahre alte Kiefern wurden über den Winter im Herberger Fuhrenkamp eingeschlagen. Ein Bagger hob die erntereifen Bäume nach dem Absägen vorsichtig aus dem darunter nachwachsenden Wald von 15 bis 20jährigen Eichen, um die Jungbäume nicht zu beschädigen. „Die Eiche ist eine Lichtbaumart, sie will jetzt den Himmel sehen“, erläutert Revierförster Hermann Boyer vom Forstamt Ahlhorn die Holznutzung. Aufgrund der guten Qualität der Kiefern sind die vier Meter langen Erdstammstücke bereits abgefahren. Eine Sargfabrik aus Norditalien kauft regelmässig in den Niedersächsischen Landesforsten solche gut gewachsene Kiefern-Abschnitte. Das verbleibende Stammholz wird in der Region weiterverarbeitet, es geht in ein Sägewerk am Teutoburger Wald. „Um die Eichen nicht zu beschädigen, ist das Kronenholz nicht wie sonst im Wald verblieben. Es wird im Sommer zu Hackschnitzeln für Holzheizkraftwerke verarbeitet“, erläutert Förster Boyer das ungewohnte Bild. Die beeinträchtigten Waldwege wurden zwischenzeitlich für die Waldbesucher wieder glatt gezogen. Die Stürme der letzten Zeit haben in den Herberger Fuhren nur vereinzelte Bäume geworfen, der Schaden hält sich laut Förster Boyer „in Grenzen“.

Der Waldumbau im 350 Hektar (3,5 km²) großen Herberger Fuhrenkamp ist in vollem Gange. Bereits nach dem großen Sturm von 1972 wurde der hauptsächlich aus Nadelbäumen, vor allem Kiefer, bestehende Fuhrenkamp zu einem Fünftel mit Eiche wieder aufgeforstet. Im Rahmen des ökologischen Waldentwicklungsprogrammes der Niedersächsischen Landesforsten werden die älteren Nadelwälder systematisch mit Buche und Eiche aber auch mit Douglasie und Lärche unterpflanzt. Auf dem wüchsigen Boden gesellt sich an vielen Stellen natürliche Verjüngung von Lärche, Weißtanne, Douglasie und auch Kiefer dazu und ermöglicht einen abwechslungsreichen Mischwald. Die langsame Nutzung der Altbäume über dem nachwachsenden Jungwald ergibt zudem ein abwechslungsreiches Waldbild. „Markante Bäume und ein Teil der Altkiefern, die ja auch Zeitzeugen aus der Wiederbewaldungsphase sind, bleiben auf Dauer erhalten“, beschreibt Hermann Boyer den Erhalt von Habitatbäumen für den Naturschutz und von landschaftsprägenden Bäumen für ein harmonisches Waldbild. Geplant ist in diesem Jahrzehnt eine Zunahme des Laubbaumanteiles –vor allem Buche- um etwa 40 Hektar, die Kiefernfläche wird um rund 50 Hektar abnehmen.

Hintergrund:

Der Herberger Fuhrenkamp ist im 19. Jahrhundert auf Heide- und Dünenflächen mit vielen Rückschlägen stückweise neu aufgeforstet worden. Mit Fuhren*kamp wurden die eingehegten Kieferanpflanzungen bezeichnet. (*Fuhre = Föhre = Kiefer) Es wurden verschiedene Saat- und Pflanzmethoden zur Wiederbewaldung versucht. So gibt es einen Bericht von 1864 der über eine neue Kiefern-Saat-Methode auf abgezogenen Heideflächen. Für den Herberger Forstgarten sind für die 1890er Jahre Versuche mit verschiedenen Tannenarten, Schwarzkiefer, Douglasie, Zypressen und Lebensbäumen überliefert. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die heranwachsenden Kiefernwälder häufig geschädigt. So waren 1875 48 Arbeitskräfte mit dem Einsammeln und Vernichten von Raupen der sog. Nonne, einem Nadelbaumschädling, beschäftigt. Um 1880 sollen 100 Hektar Kiefernwald durch „Wurzelfäule“ abgestorben sein und mussten neu angelegt werden. Heute ist der Herberger Fuhrenkamp 353 Hektar groß. Der Nadelbaumanteil beträgt noch 60 Prozent, die Hälfte davon sind Kiefern. Bei den Laubbäumen dominieren Eiche (22 Prozent) und Buche (12 %). Der Fuhrenkamp zeichnet sich durch recht nährstoffreiche Böden mit guter Wasserversorgung aus, so dass Mischwälder aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen in guter Qualität hier wachsen können. Das Gebiet gehört den Niedersächsischen Landesforsten und wird von der Revierförsterei Cloppenburg im Forstamt Ahlhorn betreut.


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