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22.02.2018

Leinen los im Wittlager Rott

Starkeiche für Dümmer-Einbaum gefällt

Leinen los im Wittlager Rott

Starkeiche für Dümmer-Einbaum gefällt

(Wittlage/Landkreis Diepholz) Für den Nachbau des ältesten in Niedersachsen gefundenen Bootes– dem Einbaum vom Dümmer- gab jetzt Revierförsterin Anne Wittenberg von den Niedersächsischen Landesforsten zusammen mit dem Bootsbauer und Archäotechniker Thorsten Helmerking den Startschuss. Eine dafür geeignete besonders gerade, dicke und astfreie  Eiche fand die Försterin im Wald Wittlager Rott bei Bad Essen. Die Forstwirte des Forstamtes Ankum fällten nun den fast 200 Jahre alten Baum. So wurde aus dem 36 Meter hohen Baum ein elf Meter langes Stammstück geschnitten und aus dem Wald gezogen. Je nach Holzqualität wird ein etwa acht Meter langer Einbaum daraus gefertigt.

Vorbild für den Nachbau ist das 1963 gefundene am Dümmer gefundene alte Einbaum-Fragment aus Eichenholz, das auf die Trichterbecherkultur um 3.500 v. Chr. datiert wurde. „Seitdem nach der letzten Eiszeit hier wieder große Bäume wuchsen, bauten die Menschen mit Steinwerkzeugen stabile Boote aus nur einem Baumstamm“, so Thorsten Helmerking. Der  Archäotechniker wird zusammen mit seinem Kollegen Dr. Hajo Behnke aus Welzow/Brandenburg  im Auftrag des Dümmer-Museums zum Bootsbauer.  Demnächst wird der Stamm mit einem mobilen Sägewerk halbiert und anschließend im Juli vor Publikum am Dümmer mit steinzeitlichen und neuen Handwerkstechniken bearbeitet. Am 22. Juli ist Stapellauf im Rahmen einer Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen des Dümmer-Museums in Lembruch. Während der anschließenden Festwoche können Besucher dann wie in der Jungsteinzeit auf dem Dümmer Boot fahren.

Hintergrund:

Bis in das 19. Jahrhundert spielten die Eichenwälder eine große Rolle bei der Versorgung mit -nunmehr gesägtem- Schiffbauholz. So kamen die Schiffbauer von den Werften an der Weser regelmäßig in den Hasbruch-Wald um dort das begehrte Eichenholz auszusuchen. Neben geraden Stämmen für das Sägen von Schiffsplanken waren aber auch krumme Stämme und Kronenteile für Boots-Spanten begehrt.

Im Jahr 1963  wurde am Dümmer ein Einbaum-Fragment aus Eichenholz gefunden. Dieses älteste in Niedersachsen gefundene Einbaum-Relikt befindet sich im mittlerweile im Landesmuseum in Hannover. Es hat eine Länge von sechs Metern, wobei Bug und Heck fehlen. Das Alter wird auf die Zeit der Megalithkulturen zwischen 3770 und 3370 vor Christi datiert.

Der neue Einbaum wird der konischen Form des Baumstammes folgen und bei einer Länge von acht Metern eine Innenbreite von 75 Zentimetern am Heck und 55 Zentimetern am Bug haben. Verarbeitet wird nur das besonders witterungsbeständige Kernholz der Eiche. Mit einem Tiefgang von nur 30 Zentimetern beladen, ist er nicht nur zum Transport von Waren sondern auch zum Fischen in flachen Uferbereichen des Dümmers geeignet und hat ein beachtliches Ladevolumen von 800 Kilogramm.

Der Dümmer ist neben dem Bodensee und dem Federsee in Baden-Württemberg eine der frühesten jungsteinzeitlichen Siedlungsschwerpunkte wegen der damaligen reichen Fisch- und Jagdgründe.

Boote waren die einfachste Art Personen und Waren zu transportieren. Der Einbaum-Fund weist darauf hin, dass der Dümmer und die Hunte sehr früh als Transportwege genutzt wurden. Ebenso ist davon auszugehen, dass Einbäume dem Fischfang dienten. „Boote waren das Verkehrsmittel für den überregionalen Austausch von Waren und Ideen, von Luxusgütern und religiösen Vorstellungen.“ erläutert Forscher Helmerking die Bedeutung.

 


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