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Waldnaturschutz in den Niedersächsischen Landesforsten

Spechte

Schwarzspecht bei der Futtersuche
Mittelspecht beim Füttern der Jungvögel

Das Klopfen und Trommeln der Spechte ist für die Waldbesucher immer ein ganz besonderes Erlebnis, denn Spechte gehören wohl zu den bekanntesten Waldbewohnern. Neben dem Klang der auffälligen Trommelwirbel finden die Spuren ihrer Hack- und Bautätigkeit bei aufmerksamen Waldspaziergängen großes Interesse. Das attraktive Erscheinungsbild und die Lebensweise der Spechte macht sie zu hervorragenden Botschaftern des Ökosystems Wald.

 

Für andere höhlenbrütende Vögel sind die Spechte wichtige Wegbereiter, denn ohne die Spechte könnte der Wald nicht in dem Maße von höhlenbewohnenden Vögeln besiedelt sein, aber auch Säugetiere und Insekten  nutzen verlassene Spechthöhlen. Somit schaffen Spechte unentbehrliche Lebensräume für weitere Tierarten.

 

Eine ganze Reihe von Anpassungen unterstreicht die enge Bindung der Spechte an das Leben an und in den Bäumen. Eine Wendezehe an den Füssen und ein Stützschwanz mit verstärkten Federkielen ermöglicht ihnen, sich auch an senkrechten Stämmen festzuhalten und sich rasch und geschickt fortzubewegen. Der starke Schnabel ist vielseitig einsetzbar. Klopfend und hackend suchen die Spechte nach unter der Rinde versteckter Nahrung. Der Revieranspruch wird mit einem rhythmischen Trommeln demonstriert und gezielt hacken sie ihre Bruthöhle in das Holz. Durch verschiedene Dämpfer im Knochenaufbau des Spechtschädels wird verhindert, dass das Gehirn durch diese harten Schläge geschädigt wird. Eine Besonderheit ist auch die Arbeitsweise des Zungenapparates. Ihre Zunge ist aufgerollt im Schnabel, bei der Nahrungssuche wird sie auf doppelte Länge gestreckt; so können die Spechte mit kleinen Widerhaken an der Zungenspitze auch in tiefer gelegenen Ritzen und Löchern ihre Beute erreichen und sich so spezielle Nahrungsquellen erschließen.

 

Besonders wichtig für die Spechte ist das Vorkommen von Alt- und Totholz, denn dieses wird für die Anlage von Brut- und Schlafhöhlen, für den Nahrungserwerb sowie die spechteigene Kommunikation mittels Klopf- und Trommelsignalen benötigt. Viele Spechte zimmern jedes Jahr eine neue Bruthöhle und nutzen alte Höhlen weiter als Schlafhöhlen.

 

Durch das LÖWE-Programm (Langfristige ökologische Waldentwicklung in den Landesforsten) werden gezielt fünf alte und starke Bäume je Hektar erhalten und als Habitatbäume dem natürlichen Zerfall überlassen. Sie dienen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen in der Alterungs- und Zerfallsphase des Waldes. Neben den noch lebenden Habitatbäumen gibt es natürlich auch ausreichend Totholz in den niedersächsischen Landesforsten.

 

So stellt die Erhöhung des Alt- und Totholzanteils in Verbindung mit dem Belassen von bekannten Höhlenbäumen und für den Höhlenbau geeignete "kernfaule" Bäume einen wertvollen Beitrag zum Lebensraumschutz und für die großräumige Vernetzung gleichartiger Lebensräume dar.

 

Der Schwarzspecht als größter einheimischer Specht ernährt sich hauptsächlich von Ameisen und holzbewohnenden Käfern. Er benötigt ausgedehnte Waldbestände mit alten Bäumen, wobei er die Buche bevorzugt. Sein Trommeln ist über große Distanzen zu hören und er macht sich häufig zuerst durch den charakteristischen Flugruf  (krükrükrü..) und nach der Landung durch ein flötendes „kliöööö“ bemerkbar.

 

Als häufigste und am weitesten verbreitete Spechtart kommt der Buntspecht vor. Mit seiner schwarz-weissen Zeichnung und den leuchtenden Rottönen auf der Schwanzunterseite ist er eine auffällig Erscheinung im Wald. Der Buntspecht legt oft „Spechtschmieden“ an, indem er Nüsse und Zapfen in eine Spalte am Baum einklemmt und dann mit dem Schnabel bearbeitet.

 

Eng an alte Laubwälder mit grobborkigen Bäumen ist der Mittelspecht gebunden. Er ist etwas kleiner als der Buntspecht, ähnlich gefärbt, jedoch mit einer rosafarbenen Schwanzunterseite und roter Kopfplatten bei beiden Geschlechtern. Er ernährt sich hauptsächlich von stamm- und rindenbewohnenden Insekten und anderen wirbellosen Tieren.