Sturm 1972 - Quimburga

 

Am Vormittag des 13. November 1972 zog einer der schlimmsten Orkane des zwanzigsten Jahrhunderts über Mitteleuropa hinweg. Die Zugbahn führte das Orkantief mit dem Namen „Quimburga“ über die Elbmündung und Hamburg nach Osten. Das Hauptsturmfeld reichte von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg und Berlin. Die Orkanböen erreichten im Flachland Geschwindigkeiten bis 155 km/h, auf dem Brocken im Oberharz wurde eine Spitzenböe von fast 245 km/h registriert.

Spur der Verwüstung

Der Orkan führte nicht nur zu schweren Schäden an Wäldern, Gebäuden, der Verkehrsinfrastruktur und Versorgungsanlagen, sondern forderte insgesamt mindestens 73 Menschenleben. Besonders schwer betroffen waren die Regionen Niedersachsen und Bremen. Allein hier kamen 21 Menschen ums Leben. Insgesamt richtete der Orkan in Deutschland einen Sachschaden von damals 1,34 Mrd. DM an.

Waldlandschaften verändern ihr Gesicht

Vier Stunden haben genügt, um auf unvorstellbar großen Waldflächen die forstliche Aufbauarbeit mehr als eines Jahrhunderts zu vernichten. In Niedersachsen fielen dem Sturm etwa 10 Prozent des gesamten Waldbestandes zum Opfer. Auf einer Schadensfläche von über 100.000 Hektar wurden etwa 50 Millionen Bäume umgeworfen.

Horst Stern beschrieb die Situation bildhaft in einem ARD-Fernsehbericht: „Der Superorkan warf der niedersächsischen Forstwirtschaft 18 Millionen Kubikmeter Holz vor die Füße. In drei Stunden die Ernte von fünf Jahren, von zehn Jahren sogar dort, wo die Kiefer überwog: 20.000 Güterzüge zu je 50 Waggons voller Holz. Dabei vielen insgesamt so viele Bäume um, dass der dicht bewaldete Harz, wäre nur er vom Orkan heimgesucht worden, als gigantischer Glatzkopf aus der norddeutschen Landschaft herausragen würde“.

Bilder des Schreckens

Die Bilder, die die Wälder nach dem Sturm boten, waren für die Menschen vor Ort  ein kaum fassbares Trauma. In den Niedersächsischen Landesforsten hatte der Orkan rund 7 Mio. Festmeter Holz geworfen und 25.000 Hektar Aufforstungsfläche hinterlassen. Die Bewältigung der Katastrophe war für die Beteiligten eine gewaltige Aufgabe. 

Ein Jahr nach dem Sturm waren bereits 70% des Stammholzes aufgearbeitet, ein weiteres Jahr später fast das gesamte Stammholz. Insgesamt 22 Menschen verunglückten bei der Aufarbeitung  der Schäden tödlich, davon vier Mitarbeiter der damaligen Niedersächsischen Landesforstverwaltung.

Viele Forstleute sahen sich nun einer Situation gegenüber, wie sie bereits ihren Vorfahren bei der Aufforstung der öden Heiden durchaus vertraut gewesen war: Beide Male stand man vor der Notwendigkeit, einen Neuanfang von Grund auf einzuleiten um neuen Wald zu schaffen.

Die Jahre nach Quimburga

Die riesigen Sturmflächen wurden in den Jahren ab 1974 unter teilweise schwierigen Umständen weitgehend wieder aufgeforstet. Insbesondere Trockenheit und Wildverbiss machte den jungen Pflanzen auf den sandigen Böden des niedersächsischen Flachlandes zu schaffen.

In der Dekade der siebziger Jahre folgten noch weitere große Schadereignisse im niedersächsischen Wald. Die großen Waldbrände von 1975 und 1976 vernichteten über 8.000 Hektar Wald, ein weiterer Sturm im Februar 1976 warf noch einmal rund 3 Mio. Festmeter.

Trotz der geschilderten zum Teil schwierigen Bedingungen ging die Walderneuerung rasch voran. Im Sommer 1979 war sie in den Landesforsten so gut wie abgeschlossen, im gesamten niedersächsischen Wald weit vorangeschritten.

Erinnerungen an den Sturm

Im Forstamt Ahlhorn befinden sich zwei Gedenksteine bei Harpstedt und Huntlosen, die an die Katastrophe und ihre Folgen für die Wälder im Gebiet der Wildeshauser Geest erinnern. Ein weiterer Gedenkstein wurde im Lüßwald des Forstamtes Unterlüß in der Südheide errichtet.

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