Niedersächsisches Forstplanungsamt

Waldinventuren

Die Flächenvermessung kann als erster Schritt zur geordneten Waldbewirtschaftung gelten. Im 16. Jahrhundert waren nur die kultivierten Ländereien, von denen Abgaben und Steuern entrichtet wurden, sorgfältig vermessen und vermarktet. Die wichtigsten Größen für nachhaltsgerechte forstliche Nutzungsplanungen sind die Kenntnisse über Flächengröße, Vorrat und Zuwachs.

 

Für eine nachhaltige Mehrzweck-Forstwirtschaft erfassen wir den Zustand und die Entwicklung der Waldböden, Bäume, Biotope, seltenen Pflanzen und Tiere, Wasser- und Klimaschutzwälder sowie der Erholungswälder. Die finanziellen Bedingungen werden durch Erfolgsrechnungen offengelegt. Ergebnisse dieser Grundlagenerhebungen sind z.B. die Daten der Bundeswaldinventur, Standortskarten, Baumartenkarten, Waldbiotopkarten, Waldfunktionenkarten und Kennzahlen zu den Geschäftsberichten der Landesforsten.

 

Waldfunktionenkartierung

Eine wichtige Grundlage für die Walderhaltung bei raumbezogenen Planungen sowie für die Schutz- und Erholungsfunktionsplanung im Wald stellen die Waldfunktionenkarten dar.

 

Die Nutz-, Schutz- und Erholungsziele sind im Landeswald grundsätzlich gleichrangig. Zielkonflikte werden im öffentlichen wie im privaten Wald durch Festlegung örtlicher Rangfolgen gelöst. Forstliche Holzproduktion und Landschaftsplanung bilden dabei eine Einheit, da die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen durch die Wahl des richtigen waldbaulichen Mittels in der Regel gleichzeitig vom selben Wald auf derselben Fläche erfüllt werden können.

 

In der Waldfunktionenkarte erfassen wir erstmalig die Waldteile aller Besitzarten mit besonderen Schutz- und Erholungsfunktionen und zeigen durch teilweise mehrfache Überlagerungen die unterschiedliche Bedeutung des Waldes (insbesondere in Verdichtungsräumen) zur Sicherung der Lebensgrundlagen auf. Das digitale Kartenwerk, i.d.R. im Maßstab 1:50.000, dient als Entscheidungshilfe und Planungsgrundlage Kommunen, Behörden und Planungsbüros bei raumordnerischen Fragestellungen sowie den einzelnen Waldbesitzern bei der funktionengerechten Waldbewirtschaftung. Es erfreut sich zu diesem Zweck großer Beliebtheit.

 

Bundeswaldinventur

Eine auf die Walderhaltung und ordnungsgemäße Bewirtschaftung ausgerichtete Forstpolitik muss den Zustand und die Leistungsfähigkeit aller Wälder kennen. Entsprechende Daten haben wir mit der Bundeswaldinventur II im Jahr 2002, der ersten Wiederholungsinventur nach 1987, für alle Waldbesitzarten in Niedersachsen erhoben. Die Ergebnisse liegen seit 2004 vor (s. Publikationen).

 

Die Planungen für die BWI III laufen bereits.

 

 

 

Standortskartierung

Die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und die standortsgerechte Baumartenwahl sind wesentliche Ausgangsvoraussetzungen einer nachhaltigen, risikominimierten biologischen Produktion. Standortskartierung und Umweltmonitoring liefern die Entscheidungsgrundlagen für die Beurteilung von Bodenzuständen und deren Entwicklung.

 

Die Standortskartierung erfasst in einem 100m*100m Raster die für das Waldwachstum relevanten ökologischen Faktoren. Aus der Faktorenkombination Klima, Geologie, Vegetation, Boden, Bodenchemie, Waldwachstum und Forstgeschichte werden für die Baumartenwahl und das Baumwachstum identische Flächeneinheiten zu Standortstypen zusammengefasst und kartografisch dargestellt.

 

Die Kenntnis der lokalen Wasser- und Nährstoffverhältnisse ist die Grundlage des waldbaulichen Handelns vor allem bei der Neubegründung von Wald. Unter Berücksichtigung ökologisch - ökonomischer Aspekte erarbeiten wir auf dieser Basis flächendeckend Anbauempfehlungen für die standortsgerechte Baumartenwahl.

 

Die Inventurergebnisse werden für forstbetriebliche Planungen benötigt. Sie sind die Grundlage der Langfristigen Ökologischen Waldentwicklungsplanung (LÖWE) in den Niedersächsischen Landesforsten. Als Grundlagendaten für den Bodenschutz lassen die Arbeitsergebnisse unter anderem Rückschlüsse auf die Gefährdung der Böden durch Befahrung und für Entscheidungen bezüglich der durch Säureeinträge notwendigen Kompensationskalkungen zu.

 

Die Standortskartierung hat zudem eine hohe Relevanz für die Bestimmung des Naturpotenzials: wir können die natürliche Waldgesellschaft, den vorhandenen Biotoptyp, den FFH - Lebensraumtyp sowie die Naturnähe der aktuell vorhandenen Pflanzengesellschaft unter Berücksichtigung der Bestandesinventurdaten direkt ableiten.

 

Standortskundliches Gutachten

Im standortskundlichen Gutachten beschreiben wir eingehend neben statistischen Kenngrößen wie Flächengröße des Standortstyps sowohl dessen Eigenschaften (z. B. physikalische Bodeneigenschaften, Boden- und Humustyp, Hinweise zum Wachstumspotenzial verschiedener Baumarten) als auch die waldbaulichen Empfehlungen bezüglich der Baumartenwahl.

Waldbiotopkartierung

Im Landeswald findet Naturschutz auf allen Flächen statt. Nicht nur in den ausgewiesenen Schutzgebieten, wie z.B. NATURA 2000-Gebieten, sondern auf der gesamten Fläche wird integrierter Naturschutz betrieben. Der Landeswald bietet vielen seltenen Tieren und Pflanzen eine Heimat. Diese Biotope zu finden und zu kartieren ist die Aufgabe der Waldbiotopkartierung.

 

Sie legt die Grundlage für die örtlichen Forstbetriebe, dass die Waldlebensgemeinschaften mit ihren vielen und teilweise sehr seltenen Pflanzen- und Tierarten bei der ganzflächigen nachhaltigen Waldbewirtschaftung sowohl in geschützten als auch in ungeschützten Wäldern erhalten und entwickelt werden. Die Ergebnisse fließen in Naturnähe-, Vielfalts- und Seltenheitskarten sowie Biotoptyp-Karten ein.

 

Seit 2000, nachdem im Wesentlichen alle Wälder einmal flächendeckend aufgenommen worden sind, ist nun die Waldbiotopkartierung voll in die Forsteinrichtung integriert und erarbeitet gemeinsam mit ihr das Betriebswerk, das zugleich die umfassende Landschafts- und Naturschutzplanung enthält. In jüngster Zeit ist durch die zunehmende Bedeutung der Naturschutzbestrebungen der EU (Europäisches Naturschutznetz NATURA 2000) einerseits sowie durch die Ausweisung von Schutzgebieten im Wald andererseits ein neuer Schwerpunkt der forstlichen Naturschutzplanung entstanden.

 

Im Rahmen der mittelfristigen Betriebsplanung werden die Pflege- und Entwicklungspläne für Naturschutzgebiete sowie die Managementpläne für NATURA 2000-Flächen im Landeswald durch die Forsteinrichtung in Zusammenarbeit und Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzverwaltung erstellt.

 

 

 

Bestockungsinventur

Im Zuge der 10-jährigen Forstbetriebsplanung (Forsteinrichtung) erheben wir im Landes- und Betreuungswald für jeden Waldbestand die Fläche, die jeweiligen Baumarten, Alter und Mischungen, Verjüngungen, Schäden sowie die Pflege- und Nutzungsmöglichkeiten. Bei der Inventur werden unter Berücksichtigung von Luftbildauswertungen die entsprechenden Veränderungen im Waldzustand in den Flächengeometrien erfasst.

 

Im Landeswald erfolgt die Erhebung der wichtigsten ertragskundlichen Daten hauptsächlich im Rahmen einer betriebsweisen Stichprobeninventur (Betriebsinventur, früher Kontrollstichprobe). Diese liefert die notwendigen Informationen straten- oder betriebsweise vor allem über die vorhandenen ökonomisch und ökologisch wichtigen Starkholzvorräte und –zuwächse. Zur Erhöhung der Informationsdichte wird derzeit versucht, Bestandesinformationen über eine Regionalisierung der Stichprobendaten zu generieren.

 

Die Technik im Bereich der Forsteinrichtungsinventur entwickelt sich rasant weiter. Wir fühlen uns der Innovation verpflichtet. Die Einführung der modernen Daten-, Luftbild-, Satelliten und Geometrieverarbeitung ermöglicht eine schnelle und bedarfsgerechte Bearbeitung, Auswertung und Bereitstellung der Daten für die Nutzer. Alle erhobenen Daten gehen heute in eine zentrale Unternehmensdatenbank ein und werden dort mit betrieblichen Daten für die unterschiedlichen Informationsansprüche der Nutzerinnen und Nutzer schnell und bedarfsgerecht aufbereitet.

 

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Niedersächsisches Forstplanungsamt (NFP)

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