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Niedersächsisches Forstamt Clausthal

Waldökologie Harz

Ansprechpartner:

Dr. Michael Lücke, 05323-9361-12, 0170-9214685

Roland Steffens, 05323-9361-22, 0160-7461408

Aus ihren Arbeitsbereichen:

 

 

Entwicklung der Schutzgebiete des Harzes

 

Zentrale Aufgabe der „Waldökologie Harz“ besteht in der Entwicklung und Pflege der Schutzgebiete entsprechend den im Entwicklungsplan festgelegten Zielen.

 

Im FFH Gebiet 124 „Felsen im Okertal“ steht neben der Lebensraumverbesserung für den Wanderfalken und der Felsvegetation die Entwicklung des Landschaftsbildes mit den natürlichen Felsformationen im Vordergrund. Hier finden seit 15 Jahren  kontinuierlich umfangreiche Felsfreistellungen statt. Mittlerweile wirken sich die Maßnahmen auch auf den Tourismus positiv aus, denn die Aussicht von den Felsen und auf die Felsenlandschaft ist grandios. Vorher- Nachher Bilder und ein Radiobeitrag.

 Im naturkundlich und historisch überregional bedeutsamen FFH Gebiet 136 „Gipskarstgebiet bei Bad Sachsa“ liegen mehrere Entwicklungsschwerpunkte:

Die kurlturhistorischen Eichenwälder werden als Hudewälder (Projekt „Mönchswald Walkenried“) gepflegt. Weiterhin steht seit einigen Jahren die  Verjüngung der  naturschutzfachlich wichtigen Eichenwälder im Vordergrund.

Die über 800 jährigen Walkenrieder Klosterteiche drohten durch eine Aufgabe der Pflege und Nutzung zu Verlanden. Von  2005 bis  2010 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten zum Erhalt der  naturschutzfachlich sowie kulturhistorisch bedeutenden  Teichanlage statt.

Die artenreichen Feuchtwiesen des Gebietes werden durch Beweidung oder Mahd gepflegt. Zur Förderung der Fledermäuse im Karstgebiet des Südharzes wurde 2010 ein alter Trafoturm als Fledermaushotel (Radiobeitrag) umgebaut.

 

Die Entwicklung des Bergwiesengeprägten FFH Gebietes 151 „Staufenberg“ bei Zorge im Südharz hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Während die sog. „Hundertmorgenwiese“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach durch die Aufgabe der Nutzung und anschließende Baumverjüngung zuwuchs, findet seit 1995 eine kontinuierliche Vergrößerung der artenreichen Bergwiese statt.

 

Im FFH Gebiet 134 „Sieber, Oder, Rhume“ steht die naturnahe Entwicklung des Flusssystems im Vordergrund. Neben dem Erhalt der besonderen Vegetation auf ehemaligen Schwermetallhalden werden insbesondere die Laubholzanteile durch Entnahme von Fichten gefördert.

 

Die Freistellungen im FFH-Gebiet 144 „Schwermetallrasen bei Lautenthal“ vom Gehölzbewuchs macht über die Pflege des Lebensraumes die Bergbauvergangenheit dieses Ortes wieder sichtbar. Im Entwicklungs- & Erhaltungsplan wird das Gebiet beschrieben und es werden notwendige Maßnahmen zur weiteren Entwicklung festgelegt.

 

Projekte außerhalb der Schutzgebiete

 

Als Relikt aus der bergbaulichen Vergangenheit haben die Heideflächen im Innerstetal bei Clausthal hohe Bedeutung für das Landschaftsbild. Der Befall durch den Heideblattkäfer zeigte auf, dass eine Pflege dieser Flächen notwendig ist: Umfangreiche Freistellungsarbeiten der bis dahin zunehmend verwaldenden Heideflächen, Mahd in befahrbaren Lagen und das versuchsweise Brennen der Heideflächen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Goslar sollen die Heide langfristig sichern.

 

Auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik „Schimmerwald“ bei Bad Harzburg finden auf über 50 ha seit vielen Jahren umfangreiche Munitionsräumungen statt. Die naturschutzfachliche Entwicklung der Flächen nach der Räumung ist ein Arbeitsschwerpunkt des Arbeitsbereiches „Waldökologie Harz“.

 

Nutzungsfreie Waldflächen sichern und Fördern zahlreichen Waldbewohnern ihr

Überleben. Hier können sich Bäume zu mächtigen Baumveteranen entwickeln. Sie bieten durch ihren Höhlenreichtum Vögeln und Säugetieren (z. B. Bilche, Fledermäuse) Wohnraum. Durch die Ausweisung von Habitatbaumgruppen wird ein Netz von über 400 „Urwaldinseln“ im Harz aufgebaut und gleichzeitig dem Schutz zahlreicher Artengruppen wie den holzbewohnenden Insekten Rechnung getragen.

 

 

 

Ökokonto Harz – Kompensationsdienstleistungen nach Naturschutz- und Waldrecht

 

Im Ökokonto Harz werden größere naturschutz- und waldrechtliche Kompensationsmaßnahmen im Vorgriff umgesetzt. Sie werden nach Absprache mit den Landkreisen Goslar und Osterode am Harz durch anerkannte Verfahren mit Werteinheiten (sog. Ökopunkten) bewertet und stehen zur Kompensationen bei zukünftigen Eingriffen im gleichen Naturraum zur Verfügung. Bislang wurden die Projekte Goslarsche Grund“  siehe Presseinformation und das Kirchtal bei Lonau“ umgesetzt.

 

Auftragsarbeiten im Naturschutz

 

Auf fremden Flächen, die nicht im Eigentum der NLF stehen werden Naturschutzleistungen im Auftrag und auf Rechnung durchgeführt. Dabei werden die umfangreichen Erfahrungen zur Bergwiesenentwicklung eingebracht. Projektbeispiele sind Bergwiesenmaßnahmen um Hohegeiß sowie bei St. Andreasberg.

Projekt: Freistellen von markanten Granitfelsen im Okertal Projektleiter: Dr. Michael Lücke

Die Studentenklippe im Okertal um 1955 und heute.
Nach dem Entfernen von Fichtenbewuchs können die Granitfelsen nun z.B. von Felsenbrütern wie dem Wanderfalken besiedelt werden. Weitere Arten, die durch diese Naturschutzmaßnahme gefördert werden sind: der Südliche Wimpernfarn, Nördlicher Streifenfarn, Behaarter Ginster, Großer Fingerhut

Projekt: Goslarsche Grund: Bachtal wird wieder Bergwiese Projektleiter: Johannes Thiery

Förster pflegen Blumen statt Bäume:

Viele Fichten sind der Orchideen Tod

 

(Braunlage, Zorge) Ein mit Fichten zugewachsenes Bachtal wurde zu einer bunten Bergwiese. In der “Goslarschen Grund“ zwischen Braunlage und Zorge (Landkreis Osterode) ließ das Forstamt Lauterberg den Baumbestand räumen, um Platz zu schaffen für seltene Blumen. Rote Liste Arten wie das gefleckte Knabenkraut, die Trollblume oder die Herbstzeitlose profitieren von der Maßnahme, aber auch Waldbesucher und Touristen.

Die Wiesenflächen in der so genannten “Goslarschen Grund“ lagen seit rund 50 Jahren brach und wurden nicht mehr gemäht. Bäume und Sträucher breiteten sich aus und verdrängten die typische Bergwiesenflora. Das Bachtal ist ca. 2 Kilometer lang und im Durchschnitt 70 Meter breit. Das Forstamt Lauterberg ließ auf insgesamt 6 Hektar rund 1000 Bäume entfernen. Holzerntemaschinen und Spezialschlepper waren im Einsatz und fällten die bis zu 30 Meter hohen Fichten. Die Tonnen schweren gefällten Bäume wurden vollständig aus dem Bachufer und den Feuchtwiesen entfernt.

Um die Fläche beweiden zu können, wurde ein Zaun errichtet. „Seit mehreren Jahren lassen wir Rinder in die „Goslarsche Grund“ und erhalten ein Landschaftsbild , das ein bisschen an Tirol erinnert“, freut sich Förster Johannes Thiery, der das Projekt ins Leben rief. Wanderer und Autofahrer genießen seit dem einen weiten Blick in ein offenes Tal und freuen  sich an einer selten gewordenen Natur .

Die Arbeiten wurden mit den Naturschutzbehörden abgestimmt, und auch die Samtgemeinde Walkenried kooperiert mit dem Forstamt Lauterberg in dem regional bedeutenden Projekt.