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24.06.2013

Neues Leben in Sollingmooren

Niedersächsische Landesforsten investieren in die Renaturierung der bedrohten Waldmoore

Spezialkettenfahrzeug und Bagger fuellen Saegespaene zur Abdichtung eines Waldmoores im Solling

Moore sind einzigartiger Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, Speicher für Kohlendioxid, Wasserregulator und ein urwüchsiger Landschaftstyp. Im Solling, dem Waldgebiet des Jahres 2013, gibt es noch die einzigen drei Hochmoore des Weserberglandes. Hier leben nicht nur die verschiedenen bedrohten Torfmoosarten, Wollgräser und der Sonnentau, sondern auch Libellen wie die Kleine Moosjungfer und seltene Vogelarten wie der Raubwürger und der Wiesenpieper.

Die Niedersächsischen Landesforsten setzen alles daran, diesen so wichtigen Lebensraum zu schützen und ihm seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben: In früheren Zeiten wurden Moore - aus der Not der damaligen Zeit heraus durchaus verständlich – entwässert, abgetorft und aufgeforstet, dadurch aber massiv gestört. Schon vor Jahrzehnten hat ein Umdenken eingesetzt: Die Landesforsten haben ein Gutachten erstellen lassen und gemeinsam mit weiteren Partnern aus dem Naturschutz ein „Moorkonzept Solling“ erarbeitet. Moore im Landeswald werden seit dem wiedervernässt und Nadelhölzer, die die Entwicklung der Moore beeinträchtigen, zurückgedrängt.

So wie im sieben Hektar großen Kükenbruch zwischen Silberborn und Sievershausen im Forstamt Dassel, das einst wohl ein echtes Hochmoor war und in dem sich noch bis zu einem Meter dicke Torfauflagen finden. Dort wurden in diesem Frühjahr über 5000 Fichten gefällt. Mit einer speziellen Seilkrananlage sind die Bäume anschließend heraustransportiert worden: „Ein Befahren der sensiblen Moorböden mit Forstschleppern hätte diese zu sehr geschädigt“, sagt Naturschutz-Förster Ulrich Schlette, der die Renaturierung betreut. Anschließend sind die alten Entwässerungsgräben mit Sägespänen abgedichtet worden, damit sich das Moor wieder vernässen kann. Auf den anderen bereits renaturierten Flächen im Torfmoor und Mecklenbruch waren diese Maßnahmen erfolgreich: Nach den ergiebigen Regenfällen im Mai steht das Wasser noch immer auf den Flächen; die moortypische Vegetation kann sich unter diesen Verhältnissen besser etablieren. Über 100.000 Euro investieren die Landesforsten allein in die Renaturierung des Kükenbruchs. Für die nächsten zehn Jahre, so Schlette, sollen weitere 150 Hektar Moorstandorte im Solling renaturiert werden.

Damit leisten die Niedersächsischen Landesfosten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Biotopschutz, sondern verbessern auch den Wasserhaushalt des Sollings: So fließt der in den Mooren gefallene Niederschlag nicht mehr über Bäche ab, sondern verdunstet oder versickert erst nach und nach im Untergrund. Dadurch wird die Grundwasserneubildung gefördert sowie Hochwasserspitzen gebrochen. Aus Sicht des Klimaschutzes werden die Moore von einer Kohlendioxydquelle zu einer Kohlendioxydsenke. Während sich in entwässerten Mooren der Torf zersetzt und Kohlendioxid freisetzt, wird bei der Wiederbelebung Torf neu gebildet und dabei Kohlenstoff speichert. Außerdem fördert die Renaturierung den Erholungswert des Naturparks Solling-Vogler – so gibt es zum Beispiel Informationstafeln und Aussichtspunkte im Mecklenbruch und an den Teichwiesen.<s></s>

 

Hintergrund: So entstanden die Sollingmoore

20 Kilometer Durchmesser, am höchsten Punkt, der „Großen Blöße“, 528 Meter hoch und damit nach dem Harz Niedersachsens zweithöchste Erhebung – das ist der Solling. Als typisches Mittelgebirge ist der Solling kühler und mit über 1000 Litern Regen und Schnee deutlich niederschlagsreicher als das tiefer gelegene Umland. Auf den Höhenlagen haben sich auf wasserundurchlässigen Bodenschichten – etwa Ton – vor 5000 Jahren zunächst feuchtigkeitsliebende Pflanzen und Moose eingestellt. Die abgestorbenen Pflanzenteile sind nicht verrottet, sondern im Wasser unter Sauerstoffabschluss erhalten geblieben und bildeten den so genannten Torf. Davon entstanden in den Mooren im Laufe der Jahrhunderte mächtige Schichten von im Solling bis zu fünf Metern.

Der Torf wurde seit jeher als Brennstoff benutzt, jedoch meist nur in kleineren Mengen. Zu größeren Abbauten kam es erst mit den Glashütten im Solling im 19. Jahrhundert, die den Torf intensiver zur Energiegewinnung nutzten. Auch in den Nachkriegsjahren kam es aufgrund großer Not für wenige Jahre zur Torfnutzung im Solling. Weitere Beeinträchtigungen gab es im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Entwässerungen und Aufforstungen mit Nadelholz.

Seit den 80er Jahren werden die Sollingmoore gezielt renaturiert. Auf bereits wiedervernässten Standorten wachsen seit dem die Torfmoose – langsam, aber stetig. Und tragen damit positiv zum Klima bei: Torfmoose in nährstoffarmen Hochmooren können pro Jahr und Hektar 1,2 Tonnen Kohlenstoff speichern. Weltweit bedecken Moore nach Angaben des BUND zwar nur drei Prozent der Erdoberfläche, speichern aber 30 Prozent des weltweit in allen Böden gespeicherten Kohlenstoffes.

Das größte Hochmoor des Sollings ist das 50 Hektar große Mecklenbruch bei Silberborn, das seit 1939 unter Schutz steht – es ist übrigens auch das größte Hochmoor im niedersächsischen Bergland außerhalb des Harzes. Neben dem Kükenbruch gibt es noch das Torfmoor sowie neun Niedermoore im Solling. Während sich Hochmoore allein aus Niederschlagswasser speisen, beziehen Niedermoore ihr Wasser auch aus Grund- oder Hangwasser.

Von den ursprünglich vier Prozent der bundesweiten Fläche, auf denen es einst Moore gab, sind heute gerade einmal 0,3 Prozent geblieben.

Zu einer Moorexkursion lädt Kai Conrad am 2. August um 16.30 Uhr ein. Der Waldökologe und Naturschutzförster informiert über die laufenden Arbeiten zur Wiederbelebung der Moore und deren Bedeutung für die dauerhafte Speicherung von CO2.

Treffpunkt ist der Parkplatz an der Silberborner Straße zwischen Silberborn und Sievershausen. Kontakt: Forstamt Neuhaus unter 05536 95020 oder 0170 3300954

 

Steckbrief: Solling ist das Waldgebiet des Jahres

Der niedersächsische Solling ist Waldgebiet des Jahres 2013. Die 38.500 Hektar Wald, die diese Region des östlichen Weserberglandes prägen, sind Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum gleichermaßen. So profitiert beispielsweise der Tourismus sehr von dem Waldreichtum der Region: Wanderer und Radfahrer nutzen das gut ausgeschilderte Wegenetz. Verschiedene Hochmoorstege und ein Hochseilgarten, ein Baumhaus-Hotel sowie der Erlebniswald und das Hutewaldprojekt, in dem weidende Heckrinder und Exmoorponys die lichten Eichenwälder erhalten sollen, bilden weitere Besucheranreize.

Der Holzreichtum des Sollings stellt einen besonderen Wert für die Region dar: Über 250.000 Kubikmeter werden jährlich nachhaltig geerntet und vermarktet - etwa an die Holzindustrie, aber auch 30.000 Kubikmeter Brennholz an örtliche Kunden. Neben dem Forstpersonal der beiden Sollingforstämter Neuhaus und Dassel arbeiten auch viele selbstständige Unternehmer in den Wäldern - zusammen sind es fast 100 Arbeitsplätze.

Seit über 20 bewirtschaften die Niedersächsischen Landesforsten den Solling  nach den Grundsätzen des  so genannten LÖWE-Programms, das für eine langfristige, ökologische Waldentwicklung steht. Davon profitieren auch viele seltene Tierarten wie Wildkatze, Schwarzstorch, Sperlingskauz und Hirschkäfer, für die der Solling ein wichtiger Lebensraum ist. Um diesen zu schützen werden insgesamt eine halbe Million Kubikmeter Holz nicht genutzt, sondern in Schutzgebieten oder als Totholz im Wirtschaftswald vollständig der Natur überlassen. Allein in den vergangenen fünf Jahren entstanden im Solling 600 Hektar neue Laubmischwälder. Hierfür investierten die Forstämter zwei Millionen Euro.

www.waldgebiet-des-jahres.de


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