Rinder weiden im Mittelwald

 In Forstamt Liebenburg, Mittelwald Liebenburg

Ein ungewohntes Bild bietet sich derzeit im Liebenburger Mittelwald zwischen Dörnten und Heißum: Seit Ende August weiden dort die Galloway-Rinder von Landwirt Gliese. „Die Rinder fressen die jungen Triebe der Bäume und halten sie kurz. So kommt ausreichend Licht an den Boden, von dem die krautigen Pflanzen am Waldboden profitieren.“ erklärt Waldökologe Dr. Michael Lücke vom Forstamt Liebenburg. Die Maßnahme ist mit der Naturschutzbehörde des Landkreises abgestimmt und dient dem Erhalt und der Pflege des für den Artenschutz bedeutsamen Waldbildes.

Mit dem Mittelwald erhalten die Landesforsten eine historische Bewirtschaftungsform, die noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts praktiziert wurde: in wiederkehrenden Zyklen von etwa 20 Jahren wurde der Wald flächig genutzt, um aus den in der Regel noch jungen Bäumen Brennholz und Laubheu zu gewinnen. Lediglich einzelne Eichen wurden erhalten oder gezielt gepflanzt, da ihre Eicheln das in den Wald getriebene Vieh mästen sollten. Auch dienten diese der Produktion von Bauholz.

„Heute verfolgen wir mit der Mittelwaldbewirtschaftung vornehmlich Naturschutzziele: Das Waldbild ist sehr abwechslungsreich und vielfältig. Vor allem Licht- und wärmeliebende Arten finden hier gute Bedingungen“ erklärt Lücke. Unterblieben die Pflegeeingriffe, würde sich der Mittewald allmählich zu einem Buchenwald entwickeln, in dem diese Lebensräume viel seltener sind.

Die Rinder können noch in den nächsten 14 Tagen im Mittelwald beobachtet werden. „In Verbindung mit der einsetzenden Herbstfärbung ein bleibender Eindruck“ ist sich Lücke sicher.

 

Hintergrund

Den Ursprung hat der Mittelwald vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert, als die in der Region lebenden Menschen den Wald als Lieferant für Bau- und Brennholzholz sowie als Weideflächen für ihr Vieh nutzten. Der Mittelwald ist eine eigenständige Bewirtschaftungsform, bei der eine gleichaltrige Unterschicht aus jungen dünnen Bäumchen in Abständen von etwa 20 Jahren und eine Oberschicht aus starken Bäumen im höheren Alter genutzt wird.

Die Oberschicht bestand aus starken Eichen für die Bauholzproduktion und die Schweinemast (Eicheln!). Diese Eichen wurden mit dem Ziel einer möglichst großen Kronenbildung herausgepflegt und nach Bedarf nachgepflanzt. Die Unterschicht, auch Hauschicht genannt, sorgte für die Brennholz-produktion, die Futterversorgung (Laubheu) und Waldweide des Viehs aus den Dörfern. Wegen des hohen Stockausschlagvermögens bestand diese Hauschicht vorwiegend aus Hainbuche, daneben kamen Buchen, Ahorn, Esche Elsbeere, Wildobst, Linde, Kirsche vor.

Die Waldweide ist eine Besonderheit, die mit der Wald- und Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar im Zusammenhang mit der Erstellung eines Bewirtschaftungsplanes für das FFH-Gebiet „Salzgitterscher Höhenzug“ intensiv abgestimmt wurde. Die Beweidung soll den Aufwuchs der Hauschicht zugunsten der krautigen Pflanzenarten hinauszögern, die auf trocken-warme und lichte Verhältnisse angewiesen sind.

 

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