Moorschnucken im Solarpark Collrunge nutzen der Artenvielfalt

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Betreiber lädt zur Einweihungsfeier ein 

(Wittmund/Ardorf-Collrunge) Heidschnucken sind das Mittel der Wahl, um den Bewuchs rund um die Solarpaneele im Solarpark Collrunge kurz zu halten. Das ehemalige Munitionsdepot gehört den Niedersächsischen Landesforsten und wurde 2012 für die Erzeugung von Sonnenstrom hergerichtet. Bei der Schafherde handelt es sich um Gehörnte Weiße Heidschnucken vom Biohofs Beckers aus Leerhafe. 

Die vierbeinigen Helfer verhindern eine Verbuschung der Fläche und beugen damit der Verschattung von Solarpaneelen vor. Die Schnucken sind eine Rasse mit  geringen Ansprüche, die sich von Pflanzen ernähren kann, die auf ungedüngten Böden wachsen.

„Die Niedersächsischen Landesforsten als Eigentümer der Flächen freuen sich, dass sich mit der dänischen Momentum Gruppe und dem Biohof Beckers nun zwei zuverlässige Partner die Belange des Solarparks und des Naturschutzes in Einklang bringen“, sieht Tido Bent vom Forstamt Neuenburg optimistisch in die Zukunft.

Am Freitag, den 26. Oktober, ab 14 Uhr laden die Solarpark-Betreiber alle interessierten Bürger zur Feier der Wiederinbetriebnahme auf das Gelände ein. Neben individuellen Informationen zum Solarpark wird es Führungen durch das Solarfeld geben. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Treffpunkt ist der Solarpark, Collrunger Forst, 26409 Wittmund.

Nicht nur die Photovoltaikanlage profitiert von der Beweidung. Auf dem Areal des Solarparks finden sich ausgedehnte Heide- und Magerrasenflächen. Pflanzenarten wie Besenheide, Berg-Sandglöckchen, Hundsveilchen, Buntes Vergissmeinnicht, Keulen Bärlapp, Sand Thymian, Kleines Habichtskraut und Rentierflechten, auch bekannt als Isländisches Moos, kommen hier noch vor.

„Ohne die extensive Beweidung würden Brombeeren, Birken, Weiden und Gräsern die wertvollen Arten verdrängen“, schildert Tido Bent, zuständiger Förster beim Forstamt Neuenburg die ökologischen Vorteile. „Die vorkommende Heide verträgt dagegen den Verbiss und profitiert von der Beweidung.“ Zusätzlich zum Verbiss wird durch den Tritt der Hufe auch der Rohboden offen gelegt. Damit ergibt sich ein gutes  Keimbett für die Heide.

Bereits im Genehmigungsverfahren für den Solarpark hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU), Kreisgruppe Wittmund angeregt die Flächen zu beweiden. Vermittelt wurde der Kontakt zum Biohof Beckers vom langjährigen Vorsitzender des NABU-Wittmund, Burkhard Schäfer. Die Photovoltaikanlage wird jetzt von einer Gesellschaft dänischer Privatinvestoren betrieben, die von der Momentum-Gruppe mit Sitz in Roskilde verwaltet wird.

Hintergrund

Vierzig Heidschnucken des Biohofes Becker aus Leerhafe sind dauerhaft in dem sieben Hektar großen gezäunten Gelände des Solarparkes unterwegs.

Die Weiße Gehörnte Heidschnucke gehört zu den nordischen Heideschafen. Es ist eine genügsame widerstandsfähige Schafrasse die zur Beweidung von Heide- und Moorflächen besonders geeignet ist.  Die Schafrasse gehört zu den immer seltener werdenden Haustieren und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen.

Traditionell wurden diese Schafe gehütet. Dabei zog der Schäfer mit seiner Herde geleitet von Hütehunden über die Weideflächen. Diese romantisch anmutenden Bilder findet man kaum noch. In der Regel erfolgt die Beweidung heute in Koppelhaltung, also in einem eingezäunten Areal. Die natürliche Ausbreitung des Wolfes stellt die Schäfer dabei vor große Herausforderungen.

Die alte Landschafrasse ist vor allem in den Moorgebieten Niedersachsens und im Raum Süd-Oldenburg bekannt. Rund 50 Züchter kümmern sich deutschlandweit um den Erhalt der bedrohten Rasse. Sowohl in Niedersachsen als auch in Nordrhein- Westfalen wird die Zucht und Haltung der Weißen Gehörnten Heidschnucke gefördert. Der Herdbuchbestand liegt derzeit bei etwa die 70 Zuchtböcken und etwa 1500 Mutterschafen.

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