Wenn Bäume durch die Lüfte Schweben

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Landesforsten erproben bodenschonenden Seilkran bei Obenstrohe

(Neuenburg/Varel) Aufmerksame Waldbesucher kennen das alljährliche Problem in den Wäldern der Friesischen Wehde, wenn die geernteten Laubbäume aus dem Wald geholt werden und sich so manch unschöne Spur in den tonigen Waldböden auftut. Das Forstamt Neuenburg erprobt daher in diesem Jahr einen sogenannten Seilkran zur Holzbringung, wie man ihn sonst aus dem Alpenraum kennt. „Zwischen einigen Ankerbäumen und einem Mast wird in geringer Höhe ein Seil gespannt. Auf diesem Seil fährt ein Laufwagen, an dem wiederum die geernteten Eichenstämme befestigt werden. Die Stämme werden daran fast ohne Bodenkontakt an den Waldweg gezogen.“, so Förster Jan-Michel Schmeling. Er bereitet den Einsatz auf 15 Hektar Eichenwald auf der Obenstroher Seite des Vareler Waldes vor. „Die Waldböden sind unser wertvollstes Kapital, das wir unbedingt schonen müssen“.

In den nächsten Tagen schneiden Waldarbeiter die Trassen für die Seilbahn auf, bevor Ende dieser Woche die Tragseile gespannt und in Betrieb genommen werden. Während der Arbeiten werden für die Obenstroher Anwohner einige Wege nicht zur Verfügung stehen. „Wir bitten sehr um Verständnis für die Beeinträchtigungen für die Bürger, denn der Laufwagen überquert die Wege mit seiner hölzernen Last “, appelliert Dr. Martin Dippel vom Forstamt Neuenburg. „Wenn das Verfahren sich bewährt, dann können wir unsere Eichen an schwierigen Stellen viel bodenschonender ernten.“ Die Wege müssen auch über Nacht gesperrt bleiben, da die Seile darüber gespannt sind. Wenn die Bäume aus dem Wald geborgen sind, werden sie an den Waldwegen für den verkaufsfertig bearbeitet.

Der Einsatz des Seilkranes ist für etwa vier Wochen geplant. Anschließen setzt die Firma um in den Seghorner Wald. Dort geht es unter ähnlich schwierigen Bodenverhältnissen weiter mit der Durchforstung von altem Eichenwald.

Die Obenstroher Dwokuhlen – eine alte Landnutzung

Vor 155 Jahren muss dort, wo jetzt ausgewachsene Eichen stehen, eine Mondlandschaft gewesen sein. Eine Vielzahl von Tonkuhlen und Dämmen reiht sich aneinander und erschwert das Befahren. Daher wurden die notwendigen Pflegedurchforstungen zum Erhalt der Eichen immer wieder zurückgestellt. „Die Eichen sind sehr kleinkronig geworden und wir entnehmen überwiegend konkurrierende Buchen und Hainbuchen um den Eichen zu helfen“, so Jan-Michel Schmeling.

Seilkran-Anlagen

Seilkrananlagen mit von Mast zu Mast gespannten Zugseilen, an denen der Laufwagen hängt, sind ein langjährige erprobtes Mittel um Bäume aus Wäldern zu bergen, die für normale Forstmaschinen zu steil sind.

In Niedersachsen kommen diese Anlagen von Zeit zu Zeit an den steilen Weserhängen im Weserbergland und im Harz zum Einsatz.

Alle 60 bis 80 Meter wird eine Seiltrasse eingerichtet, die bis zu 900 Meter lang sein kann. Das Zugseil wird am Ende der freigeschnittenen Trasse an einem eigens gesicherten Ankerbaum befestigt.

Die mit der Hand gefällten Bäume werden an den Laufwagen angedockt und ohne Bodenkontakt zum Forstweg transportiert und dort abgelegt. Es fährt keine Forstmaschine durch den Wald.

Die Mannschaften sind alle über Funk untereinander verbunden.

„Der Bodenschutz auf unseren empfindlichen Waldböden zwingt uns, besonders bei durchgehend nasser Witterung im Winter, neue Ideen weiter zu verfolgen“, so Dr. Martin Dippel vom Forstamt Neuenburg, der von erfolgreichen Versuchen mit diesem Seilkran in vergleichbaren Wäldern im Weserbergland und Solling weiß.

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