Borkenkäfer und kein Ende

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Revierförsterei Leese stark betroffen

 (Leese/Nienburg) „Es gibt in diesem Jahr unendlich viele Borkenkäfer“, sagt Karl-Heinz Dose von der Revierförsterei Leese, der 17 Forstgenossenschaften und kommunale Wälder von Wiedensahl bis Steyerberg-Voigtei betreut. Von den 10.000 Festmetern Käferholz, die bislang im Forstamt Nienburg angefallen sind, entfallen alleine 4.000 Festmeter auf die von Dose betreuten Waldbesitzer. „Das ist nur eine Zwischenbilanz, nachdem wir jetzt einmal alles erkennbare alte und neu befallene Käferholz gefällt haben“, so Dose, der weiterhin die Fichtenwälder kontrolliert um von den schwärmenden Käfern neu befallene Bäume zeitig zu entnehmen. Um die immense Zahl an Käfern, die sich im extremen Sommer 2018 in Massen vermehren und überwintern konnten, abzuschöpfen, hat Dose über hundert Fangsysteme aufgestellt. „Die dreibeinigen Gestelle sind mit einem Netz bespannt und stehen entlang der gefährdeten Fichtenwaldränder“, erläutert Dose. Das grüne Netz ist mit einem Kontakt-Insektizid behandelt, welches die Käfer abfängt. „Wenn wir die dazugehörigen Borkenkäfer-Lockstoffe in das Fangnetz hängen, sind sofort hunderte Borkenkäfer da.“  Die Forstamtsmitarbeiter beobachten dabei eine sehr große Zahl des kleineren Kupferstechers, der auch junge Fichten und Äste – gerne auch in Gärten –  befällt. Der etwa doppelt so große Buchdrucker kommt in nicht ganz so großer Zahl vor. Das ist eine Beobachtung, die derzeit auch in anderen Regionen Niedersachsens gemacht wird.

Insektizid als allerletztes Mittel

„Wenn man bedenkt, dass wir in unseren Wäldern normalerweise so gut wie keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, dann ist der sehr begrenzte und punktuelle Einsatz von Insektiziden in dieser Ausnahmesituation zur Schadensbegrenzung aus unserer Sicht voll gerechtfertigt.“ erläutert Forstamtsleiter Henning Schmidtke die schwierige Abwägung des Insektizid-Einsatzes im Wald.

Hohe Investition für Wiederaufforstung

Neben dem Verlust von Teilen des Waldes steht Förster Dose vor einer weiteren Herausforderung. Durch den Verfall der Holzpreise haben die Waldbesitzer geringe Einnahmen und müssen gleichzeitig große Gebiete neu aufforsten. „Bei hohen Wildbeständen müssen die Wiederaufforstungen eingezäunt werden, da entstehen für einen Hektar schnell Kosten in Höhe von 4.000 Euro allein für den Zaun und es gibt Forstgenossenschaften die voraussichtlich mehrere Hektar Fichtenwald verlieren werden“, so Dose zu der wirtschaftlichen Belastung bei der Neuanlage von Wald. Von daher sind die Waldbesitzer auch auf die Unterstützung der örtlichen Jäger angewiesen. Bei der Neuanlage von Wald rät er den Waldbesitzern zu Pflanzungen aus klimaresistenteren Baumarten, die möglichst in Mischung angelegt werden sollten.

Hintergrund Revier

Die Revierförsterei Leese betreut 10 Forstgenossenschaften, 4 kommunale Waldungen wie Gemeindewald und 3 Kirchenforsten.

Die verschiedenen Waldgebiete haben  zusammen etwa 1.600 Hektar in teils sehr parzellierter Lage von Rehburg/Wiedensahl bis nach Steyerberg und Voigtei. Die derzeit gefährdeten Fichten machen einen Anteil von zwölf Prozent der Baumarten im Revier aus.

Hintergrund Borkenkäfer

Nach der Massenvermehrung im Extremsommer 2018 sind die beiden gefährlichen Fichten-Borkenkäfer, der Buchdrucker und der Kupferstecher, in großer Zahl vorhanden. Die ersten Käfer haben sich seit April in die Bäume eingebohrt. Jetzt und in den nächsten Wochen werden die Jungkäfer unter der Rinde unentdeckter Bäume schlüpfen und die erste Käfergeneration wird ausfliegen und neue Bäume als Brutmaterial anfliegen. Bis Mitte September sind die Borkenkäfer aktiv, bevor sie die Winterquartiere aufsuchen. Solange sind auch die Forstamtsmitarbeiter regelmäßig in den Wäldern unterwegs um frisch befallene Käferbäume aufzuspüren.

Fotos und Pressetext zum Download hier.

 

Recommended Posts