Wälder in der Revierförsterei Rüstje sollen wilder werden

 In Forstamt Harsefeld, Regionale Presseregion Nordost

(Harsefeld) Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) pflegen in der Revierförsterei Rüstje, im Revierteil Steinbeck für den Naturschutz besonders wertvolle Waldflächen. Die Wälder werden mit dieser Erstinstandsetzung für die natürliche Waldentwicklung (NWE) vorbereitet.

Insgesamt hat Revierförsterin Melanie Offermanns 18 Hektar ihrer Buchen-Waldflächen in der Revierförsterei Rüstje für den künftigen Prozessschutz vorbereitet. Melanie Offermanns erklärt: „Der Prozessschutz im Wald ist eine Naturschutzstrategie des Nicht-Eingreifens, sodass natürliche Prozesse weitgehend frei von menschlichem Einfluss ablaufen können. Bevor allerdings die Waldflächen sich selbst überlassen werden, muss hier noch steuernd eingegriffen werden“. Dafür hat sie ausschließlich Fichten und Lärchen markiert. Diese Nadelbäume sollen jetzt gefällt werden um den Erhaltungszustand des Buchenwaldes zu verbessern.

Arne Riedel, Leiter des Forstamtes Harsefeld und Dr. Uwe Andreas, Leiter der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Stade sind sich einig: „Diese vorbereitenden Maßnahmen sind wichtig und richtig für den optimalen Start in die Phase des Nicht-Eingreifens. Nach dieser Erstinstandsetzung sollen hier künftig alle Pflegemaßnahmen und jedwede Holzernte unterbleiben. Die Wälder werden dadurch noch ein Stück wilder. Die biologische Vielfalt wird erhöht und es werden viele Tier- und Pflanzenarten davon profitieren“.

Das Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung (kurz: LÖWE) ist die Waldbaurichtlinie nach der die Niedersächsischen Landesforsten ihre Wälder bewirtschaften. Diesem Programm und der hohen naturschutzfachlichen Kompetenz der Forstleute ist es zu verdanken, dass bereits seit langem viele für den Naturschutz wichtige Waldflächen umfänglich und dauerhaft geschützt sind. Die jetzt von Försterin Offermanns vorbereiteten Flächen im Revierteil Steinbeck sind ein Teil von insgesamt 10% der Wälder der Niedersächsischen Landesforsten, die der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Die Försterinnen und Förster haben gemeinsam mit Experten für diese „Urwälder von morgen“ die naturschutzfachlich wertvollsten Waldflächen identifiziert, die sich für eine natürliche Waldentwicklung eignen. In diesen soll sich der Wald möglichst frei von menschlichem Einfluss entwickeln. Auf diese Weise sollen dort Wälder entstehen, die Urwäldern ähneln.

Hintergrund: Im Jahr 2013 begannen die NLF in enger Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, Waldflächen zu identifizieren, die aufgrund ihrer ökologischen und naturschutzfachlichen Eigenschaften besonders geeignet sind, der natürlichen Entwicklung überlassen zu werden (Habitatbaumflächen und sogenannte Hotspots der Biodiversität). Dies sind Wälder, die zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr genutzt wurden, von denen das Vorkommen schutzwürdiger Arten bekannt war oder solche, deren Strukturen das Vorkommen solcher Arten wahrscheinlich erscheinen lassen (vor allem alte Buchenwälder). Andersherum sollten vor allem Wälder, deren forstwirtschaftliche Nutzung für den Artenschutz unabdingbar ist (z. B. Eichenwälder) nicht der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Neben einer Mindestgröße der Einzelflächen von 0,3 ha mussten verschiedene andere Belange bei der Auswahl berücksichtigt werden (z. B. Verkehrssicherung oder Vereinbarkeit mit Naturschutzgebietsverordnungen).

Die Auswahl der danach noch zur Erreichung des 10%-Ziels hinaus der natürlichen Entwicklung zu überlassenden Waldfläche („Lückenschluss“) erfolgte dann unter Beteiligung des amtlichen wie ehrenamtlichen Naturschutzes und der breiten Öffentlichkeit.

Die so ausgewiesenen Flächen werden bis spätestens zum 31.12.2020 in die bestehende Naturwaldkulisse übernommen. Bis dahin sind in einzelnen Flächen noch Erstinstandsetzungsmaßnahmen zulässig, wie z. B. die Entnahme nicht standortheimischer Gehölze, die letztmalige Pflege vereinzelt enthaltener Eichen oder Wiedervernässungsmaßnahmen. Langfristig finden in diesen Flächen mit Ausnahme der eingeschränkten Verkehrssicherung entlang vorhandener Wege keine Maßnahmen mehr statt.

Beitragsfoto: Buche in der Zerfallsphase (Foto: Niedersächsische Landesforsten) 

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