Waldschadenssituation im Forstamt Nienburg

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Verabschiedet sich die Fichte?

(Nienburg/Schwaförden) Fast alle Forstamtsmitarbeiter im Außendienst trafen sich jetzt im Waldpädagogikzentrum Hahnhorst zu einer Dienstbesprechung, auf der es in offener Aussprache auch um die derzeitige Waldschadenssituation in den vom Forstamt betreuten Wäldern ging. Zehn Forstwirte und Förster waren nicht anwesend, da sie derzeit im Kriseneinsatz in Harz und Solling eingesetzt sind. Fast sämtliche Forstmaschinen des Nienburger Maschinenstützpunktes, das sind drei große Harvester und fünf Forstschlepper, sind bereits seit dem Sturm Friederike im Januar letzten Jahres im Dauereinsatz in Südniedersachsen.

Käferbefall

Auch in den Wäldern des Forstamtes Nienburg gibt es weiterhin viele Borkenkäfer. So werden derzeit teilweise im dritten Durchgang seit dem Frühjahr vom Käfer befallene Fichten aus den Wäldern entnommen, um die weitere Vermehrung zu bremsen. Die Revierleiter berichten von weiterhin hoher Borkenkäfer-Aktivität. In der Revierförsterei Leese sind die meisten Forstgenossenschaften mit Fichtenwald mittlerweile stark betroffen. Allein in Wiedensahl sind eintausend Kubikmeter Käferholz gerade geerntet und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Im Grinderwald bei Husum sind bislang 800 Kubikmeter und im Nienburger Bruch sind bereits tausend Kubikmeter Schadholz eingeschlagen. Revierleiter Jörg Brüning findet weiterhin überall neuen Borkenkäferbefall. “Ich habe den Eindruck, die Fichte verabschiedet sich total“, stellt er resigniert fest. Im Revier Memsen zwischen Neubruchhausen und Hoya sieht es nicht besser aus. Förster Uwe Niedergesäss spricht von „einem sehr ernüchternden Bild“ mit aktuell 800 bis 900 Kubikmetern Schadholz und ständigem Käferzuflug aus benachbarten kleinen Gehölzen. Im Revier Harbergen ist nach dem Eindruck von Revierleiter Hermann Brockmann der Befall jetzt am stärksten, er rechnet mit ein- bis zweitausend Festmeter Schadholz.

Auch Gerd Otten von der Revierförsterei Nienburg hat bereits 800 Kubikmeter Schadholz. „Der Befall wird jetzt so schlimm, dass erste freie Flächen zum Auspflanzen entstehen.“ Auch im Revier Krähe fallen derzeit an die 500 Kubikmeter geschädigte Fichte an, schätzt Revierleiter Heinz Lehmann.

Fichtenanteil

Etwa acht Prozent der 11.000 Hektar Waldfläche der Landesforsten im Forstamt Nienburg sind Fichten. In den 3.300 Hektar Betreuungsforsten liegt der Fichtenanteil zum Teil deutlich darüber.

Buchen leiden

Sorgen machen sich die Förster in allen Revieren jetzt auch um die zunehmenden Trockenschäden bei den Buchen. Die nun zwei Jahre andauernde Trockenheit lässt vermehrt einzelne Bäume absterben. Andere Buchen sind extrem schwach belaubt, das erlaubt den Schluss, dass die Bäume so geschwächt sind, dass sie sich wahrscheinlich nicht wieder erholen werden. „Waldbesucher müssen derzeit auch den Blick nach oben richten, denn die Gefahr abbrechender Äste aus den trockenen oder fast trockenen Buchen ist deutlich gestiegen“, resümiert Forstamtsleiter Henning Schmidtke mit Blick auf die erholungsuchenden Bürger. Vorrangig werden nun von den Forstamtsmitarbeitern verkehrsgefährdende abgestorbene Buchen entlang der Straßen markiert und in Zusammenarbeit mit den Straßenmeistereien entnommen.

Buchenanteil

Der Buchenanteil in den Nienburger Wäldern beträgt rund 13 Prozent. „Diese Zahl erscheint gering, aber die Bedeutung der Buche ist gerade in ökologischer Sicht viel höher, soll sie sich doch als Mischbaumart in vielen Wäldern etablieren und dort eine Verbesserung der Humusauflage und stabilere Waldstrukturen bewirken.“ sorgt sich Amtsleiter Schmidtke.

Text und Fotos zum Download hier.

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