Fast vergessene Schöne II

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West, Waldpädagogikzentrum Hahnhorst

Die Flatterulme – Baum des Jahres

(Nienburg/Landkreis) Mit der Ausrufung als Baum des Jahres 2019 wurde die Flatterulme aus dem Dornröschenschlaf geholt. Durch das seit dem 19. Jahrhundert anhaltenden Ulmensterben war das Interesse an Ulmen fast erloschen. Doch von den drei Arten Berg-, Feld- und Flatterulme hat sich letztere im Stillen erhalten und bewiesen, dass ihr das Ulmensterben so gut wie nichts anhaben kann.

Auch im Bereich des Forstamtes Nienburg gibt es größere Reliktvorkommen der Flatterulme, die auf den ursprünglichen Standort der Baumart in der bach- und flussbegleitenden Aue hinweisen. „Es gibt im Sündern bei Heemsen beachtliche Flatterulmen, die zwischen 70 und 110 Jahre alt sind und sich in der Bach-Aue der Wölpe auch natürlich vermehren“, weiß Heinz Lehmann von der zuständigen Försterei Krähe. Das größte Flatterulmen-Vorkommen im Forstamt mit 70 bis 130 Jahre alten Bäumen befindet sich im Waldgebiet Hoyaerweide nördlich von Bruchhausen-Vilsen.

„Dieses Waldgebiet kann man als Aue-Waldrelikt der Niederung des Flüsschens Eiter bezeichnen, wo die Flatterulmen bereits vor der Melioration der Weserniederung beste Wuchsbedingungen vorfanden“, so Uwe Niedergesäss von der Försterei Memsen. Auch Jörg Brüning von der Revierförsterei Grinderwald freut sich über Flatterulmen im Waldgebiet Nienburger Bruch. „Darunter ist auch ein Bestand von einem dreiviertel Hektar mit über 130-jährigen Flatterulmen“, so Brüning, der in diesem Jahr mit Flatterulmen verschiedene Lücken in seinen Eichenkulturen ausgepflanzt hat. Auch in den Betreuungsforsten des Forstamtes gibt es Flatterulmen.

„In der Stadtforst Rehburg wachsen einige Exemplare am Rehburger Berg. Wir planen außerdem für die Zukunft in mehreren Forstgenossenschaften bei der Walderneuerung mit Stieleiche die Flatterulme zu beteiligen“, erläutert Revierleiter Karl-Heinz Dose von der Försterei Leese die Situation bei den von ihm betreuten Waldbesitzern.

Hintergrund

Im Zuge des Klimawandels und mit dem landesweiten Ausfall der Esche wird die Flatterulme als heimische Mischbaumart wieder interessant und zunehmend gepflanzt. Bekannt ist sie als Art des flussbegleitenden Auewaldes. Mit ihren markanten Brettwurzeln kann sie in solchen Bereichen Überflutungen von über 100 Tagen ertragen. Dabei hat sie eine deutlich weitere Anbauamplitude und ist daher auch auf feuchten Sandböden und auf anmoorigen Standorten als Mischbaumart geeignet.
Das zähe Ulmenholz – auch als Rüster bezeichnet- war früher ein gefragtes Material zum Beispiel für den Bogenbau und für Mühlräder oder Wagenachsen. Aus der Rinde, dem Bast, fertigte man feine Seile. Heute ist das im Vergleich zu den beiden anderen Ulmenarten nicht so attraktive Holz der Flatterulme gefragt, wenn durch Knollen und Wasserreiser am Stamm eine dekorative Maserung im Holz entsteht.

Ulmensterben

Die von Frankreich bis weit nach Russland heimische Flatterulme überlebte drei Angriffswellen der ab dem 19. Jahrhundert mit Holztransporten aus Asien eingeschleppten Holländischen Ulmenkrankheit, einem kleinen Pilz, der die Leitungsbahnen verstopft. Heute weiß man, dass der Ulmensplintkäfer, der für die Verbreitung des Pilzes sorgt, wenn er sich in gesunde Ulmen einbohrt, die Flatterulme nicht befällt. Werden Flatterulmen doch mal infiziert, erholen sie sich zumeist wieder.

Erhalt der Flatterulme

In den Niedersächsischen Landesforsten genießt die Flatterulme Minderheitenschutz, das heißt ältere Vorkommen werden geschützt und erhalten. Für feuchtere Eichen- und Buchenwälder und in Erlenbeständen ist die Flatterulme in der landesweiten Planung ausdrücklich als künftige Mischbaumart vorgesehen. Durch ihr rasches Jugendwachstum – gut zu erkennen an langen bogigen Trieben- eignet sie sich auch gut zum Auspflanzen kleiner Lücken und Fehlstellen im Wald oder in Baumpflanzungen. Das Kuratorium Baum des Jahres empfiehlt die für das Stadtklima robuste Flatterulme auch als Park- und Stadtbaum als Ersatz für die früher in Ortschaften weit verbreiteten anderen beiden Ulmenarten.

Markante Kennung

Neben der markanten Brettwurzel mit der sich die wurzelintensive Flatterulme in sumpfigen Bereichen abstützt, sind die Bäume gut an den Zweigbüscheln, die sich am Stamm bilden, zu erkennen. Auch das Blatt ist markant mit seinem doppelt gezahnten Blattrand, einer vorwitzig ausgezogenen Blattspitze und dem asymmetrischem Blattansatz. Ihren Namen trägt die Flatterulme wegen der in Büscheln am Baum hängenden Blüten und Früchte, die vom Wind verbreitet werden.

 

 

 

Die Pressemitteilung und Fotos zum Download hier.

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