Fast vergessene Schöne III

 In Forstamt Ahlhorn, Regionale Presseregion West, WPZ Weser-Ems

Die Flatterulme – Baum des Jahres

(Ahlhorn/Landkreise) Mit der Ausrufung als Baum des Jahres 2019 wurde die Flatterulme aus dem Dornröschenschlaf geholt. Mit dem seit dem 19. Jahrhundert anhaltenden Ulmensterben war das Interesse an Ulmen fast erloschen. Doch von den drei Arten Berg-, Feld- und Flatterulme hat sich letztere im Stillen erhalten und bewiesen, dass ihr das Ulmensterben so gut wie nichts anhaben kann.

Im Bereich des Forstamtes Ahlhorn gibt es bisher noch nicht sehr viele Flatterulmen, da die Nadelwälder noch überwiegen. Das ändert sich jedoch gerade, denn seit einigen Jahren werden zum Beispiel bei der Aufforstung von Trinkwasserschutzwäldern zunehmend auch Flatterulmen eingemischt. „Wir haben gerade in den letzten trockenen Jahren beste Erfahrungen mit dem Anwuchs der Flatterulme gemacht“, weiß Revierförster Eberhardt Guba aus Harpstedt, der auch das schnelle Jugendwachstum dieser Baumart schätzt. Flatterulmen sind eigentlich im fluss- oder bachbegleitenden Auewald zuhause, sie wachsen aber auch in vielen anderen Wäldern, wenn die Böden nicht zu arm sind. Im Forstamtsbereich gibt es einige ältere Reliktvorkommen der Flatterulme, die über die Jahrzehnte erhalten wurden. So stehen im Bruchwald der Hache in Syke, gleich hinter dem Kreismuseum 70-jährige Flatterulmen, die die für diese Art typischen Brettwurzeln entwickeln und daher gut zu erkennen sind.

„Die Flatterulme ist der einzige europäische Baum, der sich auf sumpfigem Untergrund mit Brettwurzeln stabilisiert, wie man sie sonst nur aus dem Regenwald kennt“, weiß Heinz-Dieter Tegtmeier, der den Wald betreut. Revierförster Heiner Brüning aus Barnstorf freut sich über die wohl stärkste Flatterulme im ganzen Forstamt. Im Düsterholz bei Eydelstedt gibt es im Flussbett der Wagenfelder Aue Flatterulmen in einem Auewaldrest. Eine 110jährige Flatterulme erreicht dort fast anderthalb Meter Durchmesser in Brusthöhe gemessen. Aber auch in den Wäldern Markonah, Bauerbruch bei Barnstorf und Herrenholz bei Goldenstedt haben sich ältere Flatterulmen erhalten.

„Als Mischbaumart pflanze ich diese Ulmenart bereits seit einigen Jahren“, so Brüning, der gerade wieder 1.000 Bäume für die Auspflanzung von Aufforstungslücken geordert hat. Weitere markante ältere Ulmenvorkommen gibt es im Barneführerholz. „Wenn man von der alten Jagdhütte zum Naturwald in Richtung Hunte geht, sind die Flatterulmen mit ihren leichten Brettwurzeln und den typischen Astbüscheln am Stamm gleich hinter der Holzbrücke gut zu erkennen“, beschreibt Revierleiter Karl-Heinz Pelster eines seiner drei Vorkommen entlang des alten Hunteverlaufes im Wald.
Hintergrund

Hintergrund

Im Zuge des Klimawandels und mit dem landesweiten Ausfall der Esche wird die Flatterulme als heimische Mischbaumart wieder interessant und zunehmend gepflanzt. Bekannt ist sie als Art des flussbegleitenden Auewaldes. Mit ihren markanten Brettwurzeln kann sie in solchen Bereichen Überflutungen von über 100 Tagen ertragen. Dabei hat sie eine deutlich weitere Anbauamplitude und ist daher auch auf feuchten Sandböden und auf anmoorigen Standorten als Mischbaumart geeignet.
Das zähe Ulmenholz – auch als Rüster bezeichnet- war früher ein gefragtes Material zum Beispiel für den Bogenbau und für Mühlräder oder Wagenachsen. Aus der Rinde, dem Bast, fertigte man feine Seile. Heute ist das im Vergleich zu den beiden anderen Ulmenarten nicht so attraktive Holz der Flatterulme gefragt, wenn durch Knollen und Wasserreiser am Stamm eine dekorative Maserung im Holz entsteht.#

Ulmensterben

Die von Frankreich bis weit nach Russland heimische Flatterulme überlebte drei Angriffswellen der ab dem 19. Jahrhundert mit Holztransporten aus Asien eingeschleppten Holländischen Ulmenkrankheit, einem kleinen Pilz, der die Leitungsbahnen verstopft. Heute weiß man, dass der Ulmensplintkäfer, der für die Verbreitung des Pilzes sorgt, wenn er sich in gesunde Ulmen einbohrt, die Flatterulme nicht befällt. Werden Flatterulmen doch mal infiziert, erholen sie sich zumeist wieder.

Erhalt der Flatterulme

In den Niedersächsischen Landesforsten genießt die Flatterulme Minderheitenschutz, das heißt ältere Vorkommen werden geschützt und erhalten. Für feuchtere Eichen- und Buchenwälder und in Erlenbeständen ist die Flatterulme in der landesweiten Planung ausdrücklich als künftige Mischbaumart vorgesehen. Durch ihr rasches Jugendwachstum – gut zu erkennen an langen bogigen Trieben- eignet sie sich auch gut zum Auspflanzen kleiner Lücken und Fehlstellen im Wald oder in Baumpflanzungen. Das Kuratorium Baum des Jahres empfiehlt die für das Stadtklima robuste Flatterulme auch als Park- und Stadtbaum als Ersatz für die früher in Ortschaften weit verbreiteten anderen beiden Ulmenarten.

Markante Kennung

Neben der markanten Brettwurzel mit der sich die wurzelintensive Flatterulme in sumpfigen Bereichen abstützt, sind die Bäume gut an den Zweigbüscheln, die sich am Stamm bilden, zu erkennen. Auch das Blatt ist markant mit seinem doppelt gezahnten Blattrand, einer vorwitzig ausgezogenen Blattspitze und dem asymmetrischem Blattansatz. Ihren Namen trägt die Flatterulme wegen der in Büscheln am Baum hängenden Blüten und Früchte, die vom Wind verbreitet werden.

Fotos und Pressetext zum Download hier.

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