Fast vergessene Schöne I

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West, WPZ Weser-Ems

Die Flatterulme – Baum des Jahres

(Neuenburg /Nordwesten) Mit der Ausrufung als Baum des Jahres 2019 wurde die Flatterulme aus dem Dornröschenschlaf geholt. Mit dem seit dem 19. Jahrhundert anhaltenden Ulmensterben war das Interesse an Ulmen fast erloschen. Doch von den drei Arten Berg-, Feld- und Flatterulme hat sich letztere im Stillen erhalten und bewiesen, dass ihr das Ulmensterben so gut wie nichts anhaben kann.

Im Bereich des Forstamtes Neuenburg gibt es kleine Reliktvorkommen ebenso wie in neuerer Zeit gepflanzte Bäume. So steht im Ihlower Wald bei Aurich ein „interessanter Altbaum“, wie Förster Gerd Dählmann berichtet, der dort vor 25 Jahren etwa 100 Flatterulmen gepflanzt hat: „Die gedeihen prächtig als Stämme und samen sich bereits in die Umgebung aus“, so der Revierleiter, der die Baumart auch als möglichen Ersatz für seine absterbenden Eschenbestände sieht. Auch im Vareler Wald und im Upjever Forst befinden sich einige ältere Flatterulmen weiß Revierleiter Jan-Michel Schmeling, der in diesem Jahr auch eine Pflanzung mit Flatterulmen „zur Ergänzung von Erlen und Sträuchern auf einer Schadensfläche“ durchführen wird. Förster Tido Bent, der seit mehr als zehn Jahren im ganzen Forstamtsbereich Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durchführt, hat auf „etwas besseren Standorten“ stets auch die Flatterulme eingemischt, sei es im Schafhauser Wald, in Ogenbargen, bei Wittmund, im Neuenburger Wald oder im Wold bei Oldenburg.

Im Ammerland gibt es bachbegleitendes Flatterulmen mit markante Brettwurzeln an der Nutteler Bäke im Mansholt. Selbst in der waldarmen Wesermarsch wurden vor einigen Jahren bei der Anlage des Bollenhagener Wald Flatterulmen für den künftigen Mischwald mitgepflanzt. Bei Hude finden sich Flatterulmen im Reiherholz und einige stattliche Einzelexemplare im südlichen Hasbruch.

Hintergrund

Im Zuge des Klimawandels und mit dem landesweiten Ausfall der Esche wird die Flatterulme als heimische Mischbaumart wieder interessant und zunehmend gepflanzt. Bekannt ist sie als Art des flussbegleitenden Auewaldes. Mit ihren markanten Brettwurzeln kann sie in solchen Bereichen Überflutungen von über 100 Tagen ertragen. Dabei hat sie eine deutlich weitere Anbauamplitude und ist daher auch auf feuchten Sandböden und auf anmoorigen Standorten als Mischbaumart geeignet.
Das zähe Ulmenholz – auch als Rüster bezeichnet- war früher ein gefragtes Material zum Beispiel für den Bogenbau und für Mühlräder oder Wagenachsen. Aus der Rinde, dem Bast, fertigte man feine Seile. Heute ist das im Vergleich zu den beiden anderen Ulmenarten nicht so attraktive Holz der Flatterulme gefragt, wenn durch Knollen und Wasserreiser am Stamm eine dekorative Maserung im Holz entsteht.

Ulmensterben

Die von Frankreich bis weit nach Russland heimische Flatterulme überlebte drei Angriffswellen der ab dem 19. Jahrhundert mit Holztransporten aus Asien eingeschleppten Holländischen Ulmenkrankheit, einem kleinen Pilz, der die Leitungsbahnen verstopft. Heute weiß man, dass der Ulmensplintkäfer, der für die Verbreitung des Pilzes sorgt, wenn er sich in gesunde Ulmen einbohrt, die Flatterulme nicht befällt. Werden Flatterulmen doch mal infiziert, erholen sie sich zumeist wieder.
In den Niedersächsischen Landesforsten genießt die Flatterulme Minderheitenschutz, das heißt ältere Vorkommen werden geschützt und erhalten. Für feuchtere Eichen- und Buchenwälder und in Erlenbeständen ist die Flatterulme in der landesweiten Planung ausdrücklich als künftige Mischbaumart vorgesehen. Durch ihr rasches Jugendwachstum – gut zu erkennen an langen bogigen Trieben- eignet sie sich auch gut zum Auspflanzen kleiner Lücken und Fehlstellen im Wald oder in Baumpflanzungen. Das Kuratorium Baum des Jahres empfiehlt die für das Stadtklima robuste Flatterulme auch als Park- und Stadtbaum als Ersatz für die früher in Ortschaften weit verbreiteten anderen beiden Ulmenarten.

Markante Kennung

Neben der markanten Brettwurzel mit der sich die wurzelintensive Flatterulme in sumpfigen Bereichen abstützt, sind die Bäume gut an den Zweigbüscheln, die sich am Stamm bilden, zu erkennen. Auch das Blatt ist markant mit seinem doppelt gezahnten Blattrand, einer vorwitzig ausgezogenen Blattspitze und dem asymmetrischen Blattansatz. Ihren Namen trägt die Flatterulme wegen der in Büscheln am Baum hängenden Blüten und Früchte, die vom Wind verbreitet werden.

Pressetext und Fotos zum Download hier.

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