Wenn Baumstämme zu Häusern werden

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Holzhaus der kurzen Wege

(Nienburg/Marklohe) Mittags im Revier Harbergen des Forstamtes Nienburg: Nach einer guten halben Stunde ist alles vorbei, dann haben Revierförster Hermann Brockmann und Forstamtsleiter Henning Schmidtke 150 Douglasienstämme verkauft. Ausgesucht und gekauft hat sie Blockhausbauer Jörg Herbort aus Marklohe-Holte. „Wir erfüllen auch Sonderwünsche, gerade wenn so etwas Besonderes und langlebiges wie Blockhäuser daraus entsteht und die Bäume auf kurzem Weg in der Region verarbeitet werden“, erläutert Amtsleiter Schmidtke den einzelweisen Baumverkauf, während die Niedersächsischen Landesforsten normalerweise das Holz en Gros in Sägewerke vermarkten. Jürgen Herbort wiederum freut sich, nahe zu seiner Werkhalle das passende Holz zum Bau seiner Baumstammhäuser erwerben zu können. Herbort hat die vier bis sechs Meter langen Stämme bereits für die anstehenden Projekte eingeteilt – ein Ferienhaus, eine Sauna und eine Wanderschutzhütte. „Für mich ist das Holz der amerikanischen Douglasie mit einem Durchmesser ab dreißig Zentimeter die erste Wahl, es lässt sich gut bearbeiten und vor allem ist es ohne Holzschutz wetterfest.“ so Holzkäufer Herbort.

Blockhausbauer mit Passion

Vor fünf Jahren hat sich Herbort, der vorher 25 Jahre als Dachdecker und Zimmermann auf dem Bau arbeitete, als Bauleiter und Blockhausbauer in Holte selbständig gemacht. „Ich bin zum Blockhausbau gekommen, weil ich als langjährig erfahrener Handwerker alle Kniffe im Umgang mit kantigem Holz kannte, dann aber wissen wollte, wie man aus Baumstämmen, wo alles rund und ungleichmäßig ist, Häuser bauen kann.“ Das nötige Wissen über kanadischen Blockhausbau erwarb der 48-jährige über mehrere Lehrgänge in Österreich. Seitdem hat er neben seiner Tätigkeit als Bauleiter mit seiner Firma Rustical-Log-Homes acht Blockbau-Projekte umgesetzt und bietet selber Lehrgänge im Blockhausbau an.

Wenn Herbort den Blockbau mit Rundholz beschreibt, merkt man ihm die Begeisterung für dieses Handwerk an. Mit Motorsäge, Holzfräse und mit Schleifgerät werden dabei die wichtigsten Arbeiten von der sauberen Entrindung bis zum Kerben und Aushöhlen in aufwändiger Handarbeit erledigt. Das wichtigste Werkzeug aber ist ein kanadischer Spezialzirkel mit dem die zu schneidenden Kerben für die übereinanderliegenden Stämme millimetergenau aufgezeichnet werden. „Da ein Baumstamm nie kreisförmig rund ist und ein dünnes und ein dickes Ende hat, wird beim Blockhausbau immer von der Mitte des Baumstammes her gedacht, gemessen und gearbeitet. Nur so entstehen gerade Wände aus rundem Holz.“ Sein spektakulärstes Projekt hat Herbort in Österreich verwirklicht, dort baute er eine Jagdhütte auf gut 2.000 Meter Höhe mit spektakulärem Alpenpanorama. „Dort habe ich statt Douglasie Bergfichte verwendet, die langsam gewachsen seit Jahrhunderten für den Holzhausbau in den Alpen bewährt ist.“ so Herbort.

Wanderpavillon für die Rehburger Berge

Eines seiner neuen Projekte ist der Bau eines Pavillons für Waldspaziergänger in den Rehburger Bergen. „Die offene Blockhütte wird im Rahmen der Wiederherrichtung der historischen Promenaden im Bereich der Stadtforst Rehburg gebaut und das Forstamt stiftet dafür das Holz“, erläutert Henning Schmidtke.

Hintergrund Douglasie

Die Douglasie ist für die Niedersächsischen Landesforsten eine wichtige Baumart. Ursprünglich im Reinbestand angebaut, soll sie künftig eine wesentliche Rolle im angestrebten Mischwald zusammen mit Baumarten wie Buche, Tanne und Lärche spielen. „Die Douglasie ist recht Trockenheitsresistent und stabil gegen Stürme“, so Revierleiter Hermann Brockmann. „Dabei wächst sie schnell und das kernbildende Holz ist sehr dauerhaft. Die verkauften Baumstämme haben ihre beachtlichen Durchmesser in lediglich 45 Jahren erreicht.“ Die Landesforsten streben landesweit in den kommenden Jahrzehnten eine Verdoppelung des Douglasienanteiles von derzeit 4 auf 8 Prozent an. Im Forstamt Nienburg nehmen Douglasien etwa 10 Prozent der Waldfläche ein.
Die Verwendung natürlich dauerhafter Hölzer folgt dem Trend, aus Umweltgründen auf Holzschutzmittel weitgehend zu verzichten. So wird Douglasienholz immer mehr für Gartenhölzer verwendet und löst imprägnierte Hölzer zunehmend ab.

Die niedersächsischen Förster haben seit über hundert Jahren Erfahrung mit dem Anbau der aus dem Westen von Nordamerika stammenden Baumart gesammelt. Die älteste erhaltene Douglasie auf dem europäischen Festland steht in der Revierförsterei Sandkrug südlich von Oldenburg und wurde bereits 1843 gepflanzt.

Fotos und Text hier zum Download.

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