Rettungsübung im Wald bei Reisenmoor

 In Forstamt Oerrel, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten, Freiwillige Feuerwehr und DRK Bereitschaft üben für den Ernstfall

(Altenmedingen / Oerrel) Am Freitag, den 14. Februar 2020, wird kurz nach 10:00 Uhr bei den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr Altenmedingen und der DRK Bereitschaft Uelzen der Alarm ausgelöst. Die Funkalarmempfänger melden eine verletzte Person im Wald.

Die Einsatzmeldung lautet: „Ein Forstwirt hat sich bei der Arbeit mit der Motorsäge schwer verletzt. Der genaue Einsatzort ist unbestimmt. Sammeln am Notfalltreffpunkt Uelzen 026“. Der Treffpunkt liegt am Waldeingang zum Forstort Reisenmoor, von dort werden sie von Jan-Peter Braesel, Forstwirt im Forstamt Oerrel und Melder des Unfalls abgeholt und zum Unfallort im Wald geführt. Dass es sich um eine Übung handelt ahnen die Rettungskräfte nicht.

Martin Finck, Sicherheitsbeauftragter und Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Oerrel, hat die Übung ausgearbeitet und vorbereitet. Selbst die am Unfallgeschehen direkt Beteiligten Arbeitskollegen wussten bis kurz vor Übungsbeginn nichts vom Ablauf des Geschehens. Ziel der Übung war die Menschenrettung aus schwieriger Lage. „Mir war es vor allem wichtig zu sehen, ob unsere Rettungskette Forst funktioniert. Jeder Mitarbeiter muss wissen, was im Falle eines Unfalls zu tun ist und wie die Rettungskräfte zum Unfallort gelangen“ ergänzt Martin Finck.

Jan-Peter Braesel berichtet: „Ich habe zusammen mit drei Kollegen starke Buchen gefällt. Kurz nach der Fällung einer Buche hat unser Vorarbeiter Alfred Witt mit der Aufarbeitung des gefällten Baumes begonnen, als er plötzlich aufschrie; er hatte sich mit der Motorsäge am Bein verletzt und war zwischen dicken Ästen eingeklemmt. Ich habe den Verletzten entdeckt, einen Notruf abgesetzt, die Rettungskräfte vom Notfalltreffpunkt abgeholt und zum Unfallort geführt. Währenddessen haben meine anderen beiden Kollegen Erste Hilfe beim Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte geleistet“.

Die Übung hat allen Beteiligten einiges abverlangt. Die Waldwege sind aufgrund der Niederschläge nur eingeschränkt befahrbar. Der Einsatzort ist schwer zugänglich, überall versperren gefällte Bäume und Astwerk das Durchkommen. Nach Eintreffen der Rettungskräfte übernehmen diese die Versorgung des Verletzten, die Forstwirte übernehmen das Freisägen und Räumen einer Rettungsgasse vom Unfallort bis zum befahrbaren Waldweg. Schließlich muss der Verletzte auf einer sogenannten Schaufeltrage aus dem Wald, über Stock und Stein, möglichst erschütterungsfrei getragen werden.

Bei der Abschlussbesprechung bedankt sich Michael Alvermann, Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Altenmedingen bei allen Teilnehmern für die gute Zusammenarbeit und den professionellen Ablauf der Übung. „Das war sehr realitätsnah, alle Teilnehmer haben die Übung hochprofessionell und mit dem nötigen Ernst durchgeführt. Die Aufgaben wurden gut gelöst. Wir können aus dieser Übung einige Erkenntnisse für unsere künftige Arbeit ziehen. Deutlich wird, dass die Notfalltreffpunkte sehr gut für unsere Arbeit sind. So gelangen wir schnell an unseren Einsatzort“ resümiert er.

Hintergrund: Die Niedersächsischen Landesforsten haben landesweit über 2000 Notfall-Treffpunktschilder in einem einheitlichen Design aufgestellt um eine schnelle Hilfeleistung bei Unfällen im Wald zu gewährleisten. Jedes Schild trägt eine individuelle Bezeichnung, die aus der Buchstabenkombination des zuständigen Landkreises und einer Nummerierung des Punktes besteht.

Um eine schnelle Rettung zu garantieren, können in einem Notfall Landesforsten-Mitarbeiter oder Waldbesucher den Einsatzkräften über die Notrufnummer „112“ die Treffpunktbezeichnung durchgeben. Den zuständigen Rettungsleitstellen steht ausführliches Kartenmaterial in papier- und digitaler Form zur Verfügung, was ein zügiges Anfahren des Notfall-Treffpunktes durch Notarzt und Rettungsfahrzeug und von dort eine Weiterführung durch den Anrufer zum Unfallopfer ermöglicht.

Das System der Notfallrettungspunkte wurde ursprünglich für den Forstbetrieb entwickelt. Verunglückt ein Forstarbeiter bei der gefährlichen Arbeit im Wald, so ist es fast unmöglich für den Rettungsdienst auf Anhieb den Unfallort zu finden. Daher gilt bei den Landesforsten der Grundsatz: Gefährliche Arbeiten werden stets von mindestens drei Personen ausgeführt. Wenn einer einen Unfall erleidet, bleibt der Zweite und leistet Erste Hilfe.

Der dritte Forstwirt informiert den Rettungsdienst und trifft sich mit den Sanitätern am nächstgelegenen Rettungspunkt und lotst diese dann direkt an den Unfallort. So werden unnötige Suchfahrten im Wald vermieden und wertvolle Zeit gespart. Das Notfalltreffpunktsystem hat sich bereits bei verschiedenen Arbeitsunfällen in den Landesforsten bewährt. Kein Forstwirt sucht eine Arbeitsstelle im Wald auf, ohne dass der Notfalltreffpunkt in seinem Arbeitsauftrag angegeben ist.

Um im Falle eines Notfalls noch schneller einen solchen Notfalltreffpunkt zu finden, hat die Firma INTEND Geoinformatik GmbH in Zusammenarbeit mit den Landesforsten im Google Play Store die App „Hilfe im Wald“ veröffentlicht. Diese App kann mit Smartphones unter dem Betriebssystem Android kostenfrei genutzt werden. Weitere Informationen zur App und den kostenlosen Download findet man unter http://www.intend.de/produkte/hilfe-im-wald/

Beitragsbild: Abtransport des Verletzten vom Unfallort bis zum nächsten Weg an dem der Rettungswagen wartet. Je nach Wegezustand Mal weiter Mal näher (Fotos: Sierk /Niedersächsische Landesforsten)

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