Viel Zeit für Urwaldentwicklung

 In Forstamt Ankum, Regionale Presseregion West

Naturwaldforscher im Großen Freeden

(Bad Iburg/Göttingen) Fast fünfzig Jahre ist es her, dass im Großen Freeden bei Bad Iburg der gleichnamige Naturwald eingerichtet wurde. Zusammen mit einhundert weiteren Naturwaldparzellen der Niedersächsischen Landesforsten soll die natürliche Waldentwicklung ohne menschliche Einflüsse in unterschiedlichen Waldtypen beobachtet werden. Alle 15 bis 20 Jahre kommen die Naturwaldforscher der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt aus Göttingen in den Großen Freeden, um auf dauerhaft angelegten Untersuchungsflächen die Veränderungen in der Waldstruktur aufzunehmen. „Wir erfassen jeden Baum: wie dick er ist, ob er abgestorben ist, ob er Höhlenstrukturen oder Holzpilze aufweist und ob junge Bäume nachgewachsen sind“, beschreibt Förster Christoph Tewes von der Versuchsanstalt die Vorgehensweise. „Auch erfassen wir stehendes und liegendes Totholz ab einem Durchmesser von sieben Zentimeter, da diese Hölzer für die holzzersetzenden Lebensgemeinschaften von besonderer Bedeutung sind.“ Zehn Tage haben sich die Fachleute für die diesjährige und vierte Inventur seit Einrichtung des Naturwaldes vorgenommen, dann kehrt wieder Ruhe im Naturwald Großer Freeden ein.
„Der 90 bis 140-jährige Buchenwald mit seinen Mischbaumarten ist bis auf einige absterbende Eschen noch sehr vital“, erläutert Dr. Andreas Mölder von der Forstlichen Versuchsanstalt. „Dicke alte Bäume mit vielen Höhlen sowie Lücken durch zusammenbrechende Bäume, auf denen sich dann Baumnachwuchs einstellt – also so wie man sich Urwald gemeinhin vorstellt, dazu braucht es im Freeden unter normalen Witterungsbedingungen noch mindestens 50 bis 100 Jahre“, betont der Forstwissenschaftler die langen Zeiten, die Wälder zu ihrer natürlichen Entwicklung benötigen.

Hintergrund
Der Naturwald Großer Freeden

wurde 1972 eingerichtet um die natürliche Entwicklung des Waldes ohne menschliche Nutzungen oder Eingriffe zu beobachten. Niedersachsenweit gibt es rund einhundert solcher künftigen Urwälder, die die verschiedenen Waldgesellschaften in den Regionen repräsentieren. Insbesondere für die Erforschung der Folgen des Klimawandels für den Wald stellen Naturwälder wertvolle Vergleichsflächen zum bewirtschafteten Wald dar. Das Gebiet am Großen Freeden wurde 1993 von 35 auf 42 Hektar erweitert und 2015 nochmals um weitere 12 Hektar auf nunmehr 54 Hektar Waldfläche. Im Gebiet findet seit der Naturwaldausweisung keine Nutzung mehr statt. Damit ist der menschliche Einfluss stark reduziert. Lediglich die im Vergleich zu Urwäldern hohen Wildbestände und die Immissionen wie Stickstoffeinträge, die mit dem Wind aus Südwesten kommen, sind noch äußere Einflussfaktoren.

Natürliche Waldentwicklung auf 10% der Landeswaldfläche

Die Naturwälder sind Teil einer 10% der Landesforsten-Wälder umfassenden Flächenkulisse, innerhalb derer die NLF die Wälder der natürlichen Entwicklung überlassen. Aufgrund der Bedeutung dieser „Urwälder von morgen“ für den Teil der Waldlebensgemeinschaft, der auf urwaldähnliche Waldstrukturen angewiesen ist, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz und Erhalt der Biodiversität. Die größten zusammenhängenden Gebiete dieser Art finden sich in Niedersachsen im Harz sowie im Süntel im Weserbergland.

Habitatbaumkonzept vernetzt Arten

Darüber hinaus werden in allen älteren Wirtschaftswäldern der Landesforsten systematisch sogenannte Habitatbäume erhalten sowie stehendes und liegendes Totholz gefördert. Damit fördern die Landesforsten auch im Wirtschaftswald die Tier- und Pflanzenarten, die an alten und zerfallenden Bäume leben.

Diverse Fotos und der Text hier zum Download.

Recommended Posts