Vom Maisacker zum Mischwald

 In Forstamt Rotenburg, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten legen neuen artenreichen Mischwald mit besonderem Waldrand an

(Verden / Kirchlinteln) Im Kompensationsflächenpool „Erstaufforstung Abteilung 1415 Y“ nahe der Autobahn 27 bei Kirchlinteln werden seit Anfang April auf einem ehemaligen Maisacker 14.500 Bäume und 2.300 Sträucher gepflanzt. Die zum Forstamt Rotenburg gehörende frühere Ackerfläche in der Revierförsterei Diensthop wird hin zu einem klimaangepassten, laubholzdominierten und standortgerechten Mischwald entwickelt.

Die Fläche besitzt eine Gesamtgröße von 3,4 Hektar. Sie wurde lange intensiv landwirtschaftlich genutzt. In den letzten zwei Jahrzehnten überwiegend als Maisacker. Die Ackerfläche ist bis auf die südwestlich angrenzende Autobahn A 27 komplett vom Waldgebiet Lindhoop umschlossen. Nach Ablauf des Pachtvertrages 2017 wurde sie als Kompensationsflächenpool ausgewiesen. Der Standort wurde kartiert um festzustellen welche Baum- und Straucharten hier, auch mit Blick auf die Klimaveränderung, auf Dauer bestmöglich wachsen können.

Förster Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop, erklärt: „Wir pflanzen hier Roteichen, Rotbuchen, Sandbirken, Traubeneichen, Ebereschen und Douglasien. Die Baumarten werden nach einem genau ausgeklügelten Bepflanzungsplan gemischt. So entsteht ein stabiler zukunftssicherer Mischwald. Mit Blick auf die zu befürchtenden Wildschäden mussten wir hier leider vorab einen soliden, dauerhaften Wildschutzzaun errichten“.

Auf dem ehemaligen Acker wurde vorab nahezu ganzflächig eine Nutzpflanzendecke eingesät. Diese Einsaat dient als Gründünger und zur Verbesserung des Mikroklimas, sie soll die Konkurrenzflora zurückhalten und wird durch ihre blühreiche Pflanzenzusammensetzung zudem noch viele Insekten anlocken. Am Außensaum werden breite Waldränder angelegt, nicht nur entlang der Autobahn. Auch die Waldinnenränder werden mit Vogelkirsche, Wildbirne, Feldahorn, Schwarzer Holunder, Weißdorn, Roter Hartriegel und Hundsrose bepflanzt. Außerdem umschließt ein fünf Meter breiter baum- und strauchfreier Streifen mit einer Mischung aus blühintensiven Wildkräutern, die sogenannte „Rotenburger – Insektensaum – Mischung“, die ganze Erstaufforstung. „Die beiden Blühmischungen werden ihre volle Pracht im Frühsommer entfalten. Die gesamte Aufforstungsfläche wird dann zu einem Paradies für Insekten und ein echter Blickfang“, freut sich Michael Müller.

Frank Zweers, Projektmanager für Naturdienstleistungen bei den Niedersächsischen Landesforsten merkt an: „Mit der Ackererstaufforstung, der Waldrandgestaltung, dem baum- und strauchfreien Außensaum und den beiden Blühmischungen erfährt der ehemalige Maisacker eine deutliche Steigerung seines Naturschutzwertes und des Landschaftsbildes. Mit diesen Maßnahmen werden Waldverluste und Eingriffe in den Naturhaushalt nach Naturschutzrecht ausgeglichen, die durch den Ausbau einer landesweit bedeutsamen Stromtrasse entstehen

Hintergrund:

Wird durch Bauvorhaben die Natur erheblich beeinträchtigt, besteht immer eine Pflicht zum Ausgleich der zerstörten ökologischen Funktionen. Werden sogenannte Schutzgüter, wie Landschaftsbild, Boden, Wasser, Lebensgemeinschaften, Tier- und Pflanzenarten grundlegend beeinträchtigt, so müssen diese an anderer Stelle aufgewertet werden. Verursacht ein Bauvorhaben den Verlust von Waldflächen, so muss dafür zusätzlich neuer Wald an anderer Stelle geschaffen werden. Auf diese Weise werden die Lebensgrundlagen für künftige Generationen gesichert.

Die Niedersächsischen Landesforsten bieten ökologische Services für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an. Dabei handelt es sich um Kompensationsprojekte nach Naturschutz-, Bau-, Wald- und Artenschutzrecht. Als größter Grundeigentümer Niedersachsens können die Landesforsten den Projektträgern von Infrastrukturprojekten und Zulassungsbehörden landesweit eigens dafür eingerichtete Kompensationsflächenpools anbieten.

Die Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaften ihren Waldbesitz schon seit jeher nachhaltig. Erweitert wurde diese forstliche Nachhaltigkeit vor fast 30 Jahren durch die Grundsätze der „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (kurz: LÖWE). In den Kompensationsflächenpools werden hochwertige Naturdienstleistungen angeboten, die über die LÖWE-Leistungen und sonstigen Selbstverpflichtungen der Landesforsten hinausgehen.

Beitragsbild: Vincent Marquard (links) und Moritz Wehe pflanzen die jungen Bäume mit Hilfe einer Pflanzmaschine. Die verschiedenen Baumarten werden auf der Fläche reihenweise gemischt. Der Schlepper wird per GPS-gesteuert, so kann der vorgegebene Pflanzplan exakt eingehalten werden (Fotos: Sierk / Niedersächsische Landesforsten)

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