An der Falschen Akazie scheiden sich die Geister

 In Forstamt Ahlhorn, Regionale Presseregion West

Robinie ist Baum des Jahres

(Ahlhorn/Landkreise) Die Robinie, oft auch als Akazie oder Falsche Akazie bezeichnet, ist wohl einer der umstrittensten Bäume in Deutschland und wurde trotzdem zum diesjährigen Baum des Jahres ausgerufen. Das Bundesamt für Naturschutz hat den aus Nordamerika stammenden Baum zur invasiven Art erklärt, die insbesondere Magerrasenbiotope gefährde. Der Dresdner Baum-Professor Andreas Roloff dagegen rechnet die Robinie mit Blick auf den Klimawandel zu den zwanzig wichtigsten exotischen Stadtbäumen.

Die Imker lieben die intensiven weißen Akazienblüten im Sommer und benennen schon mal den Honig danach. Mit dem extrem haltbaren Holz und der interessanten gelblichen Färbung werden unbehandelte Spielgeräte und Möbel hergestellt.

Hubert Krogmann, Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Ahlhorn, kennt sich mit der Verarbeitung von Robinienholz aus. „Wir haben im Revier vereinzelte Robinien-Vorkommen. Die nicht sehr dicken, etwas krummen Hölzer verarbeite ich gern zu charaktervollen Schutzhütten oder zu dauerhaften Geländern an den Ahlhorner Teichdämmen“, zeigt er am Beispiel der viel genutzten Bärenhütte, die er vor drei Jahren oberhalb des Urwaldes Baumweg konstruierte.

Wie genügsam die Baumart ist, demonstriert er am Rande des Waldgebietes, dort hat das Forstamt eine alte Sandabbaufläche bei Hoheging mit Robinien bepflanzt. Selbst genügsame Birken und Roteichen wollten dort nicht wachsen. „Auch, wenn die Niedersächsischen Landesforsten die Robinie als Baumart nicht propagieren, ist es nicht falsch mit Blick auf die noch kommenden Klimaextreme auch mit dieser Baumart, die extreme Trockenheit und Nährstoffarmut aushält, auf begrenzter Fläche Erfahrungen zu sammeln“, ist sich Forstamtsdezernent Stefan Grußdorf sicher.

Bereits vor 50 Jahren hat ein Förster nach dem 1972er Sturm im Forstort Garther Feld südlich von Ahorn ein kleines Robinienwäldchen gepflanzt. Hubert Krogmann hat keine Angst, dass die Bäume sich hier weiter ausbreiten, also invasiv werden. „Aus diesen Bäumen kann ich noch einige Hütten oder Geländer bauen und sie werden nach dem Absägen aus dem Wurzelstock wieder austreiben.“

1670 erste Exemplare in Deutschland

Vor 350 Jahren wurden in Deutschland die ersten Exemplare dieses aus Nordamerika stammenden Baumes am Berliner Stadtschloss gepflanzt. Die auch Scheinakazie genannte Robinie wurde ein beliebter Parkbaum und ist mittlerweile ebenso als Stadtbaum wie auch als Alleebaum an Straßen zu finden. Da Robinien auch Rohböden und Schutthalden zu besiedeln vermögen findet man sie sehr oft an Bahnböschungen, an Kanälen und in Bergbaufolgelandschaften.

Markant sind neben den akazienähnlichen Fiederblättern und den weißen Blütentrauben die graue stark gefurchte Rinde, die das Wild abweisenden stacheligen jungen Triebe und Äste sowie die hierzulande ungebärdige Wuchsform. In Hausgärten ist die Robinie nicht beliebt, verbreitet sie sich doch unkontrolliert durch unterirdische Wurzelausläufern. Die intensive Wurzelausbildung und die Sammlung von Luftstickstoff erleichtert der Baumart das Überleben auf Extremflächen. Erobert sie damit aber wertvolle Magerrasenbiotope, so verändert sie mit dem Stickstoffeintrag die Pflanzenwelt und ist mit ihrem ausgeprägten Stockausschlagvermögen dort nicht wieder zu beseitigen.

Ihre Fähigkeiten mit extremem Klima und schwierigen Bodenbedingungen zurecht zu kommen, machen die Robinie wiederum zu einem interessanten Stadt- und Alleebaum, denn dort müssen Bäume sich unter Extrembedingungen behaupten.

Robinie beim Waldumbau der Landesforsten nicht dabei

In den Niedersächsischen Landesforsten gibt es nur sehr geringe Robinienvorkommen. „Die Förster haben früher mit der Robinie ab und an experimentiert und gar nicht so selten haben Förster auch geimkert, dann wurde für die Bienenweide auch mal eine Robinie mehr gepflanzt“, weiß Stefan Grußdorf, der selbst aus einer alten Försterfamilie stammt.

Bei dem aktuellen Waldumbau spielt die Robinie in Niedersachsen jedoch keine Rolle. Größere Robinienwälder gibt es dagegen im Osten Brandenburgs und um Berlin. Die umfangreichsten Robinien-Vorkommen in Europa hat Ungarn, dort wachsen auf gut zwanzig Prozent der Waldfläche Robinien.

Interessantes Holz

Die Dauerhaftigkeit des Robinienholzes machen die Stämme zu einem beliebten Rohstoff für den Bau naturnaher Spielgeräte, da Holzschutzmittel unnötig sind. Das helle gelbgrünlich gefärbte Holz ist für Möbel und für Gartenterrassen eine beliebte Alternative zu Tropenholz.

Die hohe Holzdichte und ihre Stockausschlagfähigkeit machen die Robinie auch als Energieholz interessant zum Beispiel in Energieholzplantagen.

Weltweit angebaut

Weltweit soll die Robinie neben Pappeln und Eukalypten zu den am meisten gepflanzten Baumarten gehören, teilt die Stiftung Kuratorium Baum des Jahres mit, die mit der Robinie den 32. Jahresbaum in Folge ausgerufen hat.

Fotos und Text zum Download hier.

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