Ökologische Bestandserfassung im Moorwald Plaggenburg

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Sichtbare Erfolge

(Aurich/Plaggenburg) Im Winter 2009 begannen die Niedersächsischen Landesforsten mit der Renaturierung des Moorwaldes Plaggenburg. Mittlerweile ist die Erstinstandsetzung des Areals abgeschlossen. Um die Entwicklung des Gebietes zu dokumentieren, werden in diesem Jahr die vorkommenden Pflanzen- und Tierarten erfasst. Das Forstamt Neuenburg hat damit mehrere Biologen beauftragt. Mit dem Monitoring lassen die Landesforsten untersuchen, inwieweit die geplanten Aufwertungen für den Naturschutz erreicht wurden. „Am Ende des Jahres werden die Ergebnisse der Kartierung zusammengestellt. Dann lässt sich die Entwicklung im Moorwald Plaggenburg abschließend dokumentieren“, so Projektleiter Tido Bent.

Bei einem Spaziergang in den Moorwald Plaggenburg trifft man fast immer auf interessierte Naturliebhaber. „Fragt man die Waldbesucher nach ihren Eindrücken, bekommt man Kommentare wie ‚Ein idyllischer Ort, zu jeder Jahreszeit ein anderes Bild und ein Meer der Ruhe‘ oder ‚Für Naturliebhaber und auch für Fotografen ein lohnendes Ziel‘. Den Besuchern gefällt das umgestaltete Naturgebiet“, fasst Förster Bent seine Eindrücke zusammen. Für das Forstamt war es von Anfang an erklärtes Ziel, die Waldbesucher durch Wege und Informationspunkte an der Naturentwicklung teilhaben zu lassen.

Zur genaueren Erfassung von Flora und Fauna erfolgt in diesem Jahr eine Aufnahme der Pflanzen, Vögel, Schmetterlinge und Libellen. Erste Erfolge der Gebietsentwicklung sind auch für den Laien schon erkennbar. So brüten seit einiger Zeit Kraniche in dem Gebiet. Die Tiere profitieren insgesamt von den Schutzmaßnahmen, die auch in den benachbarten Gebieten wie dem Osteregelser Moor, dem Berumerfehner Moor, dem Collrunger Moor und den Waldmooren im Wittmunder Wald ergriffen wurden. „Das ist ein schönes Beispiel wie Biotopverbund funktionieren kann“, erläutert Tido Bent den Erfolg. Weitere typische Vogelarten für die nassen Wälder im Verbund mit den Mooren und Sümpfen sind die Waldschnepfe, Waldwasserläufer, Pirol, Krickente und Knäkente. „Wir lassen die abgestorbenen Bäume konsequent stehen, davon profitieren die Spechte. So ist es nicht verwunderlich, dass in dem Waldgebiet vier Spechtarten, nämlich Schwarz-, Grün, Bunt- und Kleinspecht, vorkommen“, freut sich Tido Bent als für das Projekt verantwortlicher Förster.

Bei den Pflanzen zeigen Wasserfeder, Schilf, Bittersüßer Nachtschatten und Sumpfveilchen die positive Entwicklung des Biotops an. „Ich war mir bei der Planung sicher, dass sich in dem Gebiet wieder eine Moorentwicklung initiieren lässt. Von der Geschwindigkeit bin ich aber überrascht“ so Tido Bent. In der südlichen Hälfte des Projektgebietes findet sich auf achtzig Prozent der Fläche ein Teppich aus Torfmoosen. Torfmoose bilden die Grundlage für die Entwicklung von Mooren. Sie haben zudem die einzigartige Eigenschaft, rundweg das 20-fache ihres Volumens an Wasser speichern zu können. Damit können sie in begrenztem Umfang ihren Lebensraum stabilisieren.
Die Verteilung der Niederschläge und damit die Wasserversorgung des Bodens bereitet dem Forstamt derzeit große Sorgen. Zu Beginn der Renaturierung wurden die Gräben in dem Gebiet verschlossen. Der Wasserstand im Boden konnte um bis zu 1,5 m angehoben werden. „Durch die Niederschlagsdefizite der vergangenen zweieinhalb Jahre und die ungleiche Verteilung der Niederschläge übers Jahr liegen die Pegelstände im Waldboden aktuell um etwa einen halben Meter tiefer als normal – das hängt natürlich mit dem Klimawandel zusammen“, zeigt sich Bent besorgt über die künftige Entwicklung.

Hintergrund Kompensationsflächenpool Moorwald Plaggenburg:

Die Gesamtgröße des Kompensationsflächenpool Moorwald Plaggenburg beträgt 88 ha. Das Gebiet ist vollständig im Eigentum der Niedersächsischen Landesforsten.

Ziele der Renaturierung:

Durch Wiedervernässung werden die ursprünglichen Bodenverhältnisse wiederhergestellt. Damit wird ein neuer Lebensraum für die typischen Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Es werden sich Waldmoore, Bruch-, Sumpf- und nasse Eichen-Birkenwäldern sowie Buchenwälder und Stillgewässer entwickeln.

Bei der Suche nach geeigneten Flächen zur Renaturierung ehemaliger Moore ist ein Blick auf alte Karten sehr hilfreich. Denn hier sind die ursprünglichen Zusammenhänge der Naturlandschaft noch zu erkennen.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mit der Gründung des Forstbezirks Neuenwalde umfangreiche Entwässerungsarbeiten betrieben. In den 1860-iger Jahren wurde das Gebiet mit Baumarten wie Kiefern, Fichten und Sitkafichten aufgeforstet, die auf diesem Boden nicht heimisch sind.
Die Renaturierung des Moorwald Plaggenburg konnte realisiert werden, weil das Projekt als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen der Stadt Aurich finanziert wurde.

Kompensationspools als Angebot

Die Niedersächsischen Landesforsten bieten Vorhabenträgern die Möglichkeit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe in den Naturhaushalt zu übernehmen. Das Forstamt Neuenburg betreut mittlerweile 650 ha dieser Kompensationsflächen, in denen qualitativ anspruchsvolle Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

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