Eichelernte im Hasbruch unerwartet schwierig

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Riesenbedarf für neue Eichenwälder

(Ganderkesee/Hude) Im Hasbruch wurden in dieser Woche Eicheln für die Nachzucht junger Bäume gesammelt. Fünf Tonnen in einer Eichensaatgutfläche von dreizehn Hektar war das eigentliche Ernteziel. „Wir freuen uns wieder über die Unterstützung von Sammlerinnen aus den Aramäischen Gemeinden in Delmenhorst und Ganderkesee“, so Revierförster Jens Meier von den Niedersächsischen Landesforsten, der die Sammelaktion organisiert. „Leider hat der Starkregen vom letzten Wochenende verbunden mit enormem Laubfall die Eicheln so zugedeckt, dass der Sammelerfolg deutlich erschwert wird. Zudem trauen sich wegen der Corona-Beschränkungen weniger Sammlerinnen in den Wald als in anderen Jahren.“ Nach zwei Sammeltagen wurde die Saatguternte nun eingestellt, das Ergebnis sind 700 Kilogramm Eicheln. Damit können etwa 70.000 Sämlinge nachgezogen werden, die für die Wieder-Aufforstung von zehn bis fünfzehn Hektar Waldfläche reichen.

Nicht überall viele Eicheln

Enorme Mengen an Eichen-Saatgut werden benötigt um in den kommenden Jahren ausreichend Eichen-Sämlinge insbesondere für die Wiederaufforstung der Sturm- und Borkenkäfer-Schadflächen zur Verfügung zu haben. „Es gibt in diesem Jahr augenfällig viele Eicheln an den Bäumen“, weiß Jens Meier von der Revierförsterei Hasbruch. „Diese Bäume sind aber oft Randbäume oder Hofeichen, die von der Sonne verwöhnt wurden, während unsere Eichen im Hochwald deutlich weniger Eicheln tragen.“ Und nur diese Eichen dürfen laut Saatgutgesetz beerntet werden. Im Hasbruch gibt es drei anerkannte Saatgutbestände, von denen lediglich in einem Waldstück ausreichend Eicheln für eine ergiebige Handsammlung gefallen waren.

Großer Bedarf für große Schadflächen

Etwa 90 Tonnen Saatgutbedarf alleine für Eicheln hat eine Umfrage der niedersächsischen Forstsaatgutberatungsstelle (fsb) in Oerrel ergeben. Das wären etwa neun Millionen Jungeichen, die in den nächsten Jahren benötigt würden. „Wir gehen aber realistisch von einer Erntemenge von fünfzehn Tonnen aus, die für die Anzucht von 1,5 Millionen Bäumchen reichen“, so Gärtnermeister Ben Buhle, der bei der fsb für die Saatguternte zuständig ist.

Schadflächen als Chance für mehr Eichenwald

Für die Försterinnen und Förster der Niedersächsischen Landesforsten sind die derzeitigen Waldschäden mit den unerwarteten Freiflächen auch eine Chance, schneller mehr Eichenwälder zu schaffen. „Unsere bisherigen Planungen sahen eine Steigerung des Eichenanteils in unseren Wäldern von 11 Prozent in 1990 auf künftig 14 Prozent vor, weil bei weitgehend kahlschlagfreier Waldbewirtschaftung nicht genügend Platz zur Pflanzung der sehr lichtbedürftigen Eichenarten entsteht“, so Dr. Hans-Martin Hauskeller, Abteilungsleiter für Wald und Umwelt bei den Landesforsten. „Auf standörtlich geeigneten Schadensflächen nutzen wir jetzt verstärkt die Chance ökologisch und ökonomisch wertvolle Eichenwälder zu pflanzen. Es wird aber mindestens einhundert Jahre dauern, bis diese ihr Potential entfalten können.“

Fotos und Text hier bis 4. 12.2020 zum Download.

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