Harpstedter und Wildeshauser Wälder als Besuchermagnet

 In Forstamt Ahlhorn, Regionale Presseregion West

Besucher kennen oft die Grundregeln nicht

(Harpstedt/Wildeshausen/Landkreis) Es war für den langjährigen Revierförster Eberhardt Guba ein ungewohntes Phänomen: mit den neuen Corona-Beschränkungen ist der Besucherandrang in den von ihm betreuten Wäldern erheblich gestiegen. „Es sind so viele Menschen im Wald, wie ich es in unser ländlich geprägten Region noch nicht erlebt habe.“ Die Fahrt zum nächstgelegenen Waldparkplatz und der Spaziergang oder die Radtour durch den herbstlichen Wald gewinnen für viele Bürger offenbar eine neue Qualität.

„Wir begrüßen es, wenn sich viele Mitbürger in der Natur erholen wollen, denn auch dafür sind unsere Wälder da“, so Eberhardt Guba. „Allerdings stößt die Infrastruktur, vor allem der verfügbare Parkraum in meinem Revier bei starkem Besucherandrang an ihre Grenzen. Zudem beobachte ich, dass ein Teil der neuen Waldbesucher sich nicht mehr mit den grundlegenden Verabredungen für das Verhalten in der Natur auskennt.“ bedauert Guba.

Übervolle Parkplätze und weggeworfener Müll

Übervolle Parkplätze können zu Problemen führen, vor allem, wenn die Waldeingänge mit als Parkraum benutzt werden und den Zugang für Rettungsfahrzeuge blockieren. Ein weiteres Problem ist für Guba die deutlich gestiegene Vermüllung seiner Wälder. „Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, seinen Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort angemessen zu entsorgen.“ Die Niedersächsischen Landesforsten haben aus diesem Grunde in den meisten ihrer Wälder keine Papierkörbe mehr aufgestellt.

Weiter appelliert Guba an die Waldbesucher darauf zu achten, keine Wildtiere zu beunruhigen und sich möglichst an die auch für Waldbesucher gut ausgebauten Waldwege zu halten. In Naturschutzgebieten, wie dem Brammer und dem Delmetal gilt ein grundsätzliches Wegegebot.

Die Niedersächsischen Landesforsten empfehlen grundsätzlich viel besuchte Wälder, wenn möglich nicht zu Stoßzeiten am Wochenende aufzusuchen, sondern zeitversetzt. „Ein Waldspaziergang am Sonntagmorgen oder in der Woche kann erholsamer sein, als zu Hauptbesuchszeiten“, empfiehlt Guba. „Und wenn die Waldparkplätze bereits überfüllt sind, empfiehlt es sich, ein anderes Waldgebiet aufzusuchen.“

Die Wälder der Revierförsterei Harpstedt

Zum Forstrevier Harpstedt gehören vor allem der Harpstedter Wald bei Harpstedt, das Hölscherholz bei Wildeshausen, das Bassumer Friedeholz und das Gebiet Buchholz bei Groß Ippener.

Hintergrundinformation

Was gilt?

Durch den Klimawandel steigt die allgemeine Waldbrandgefahr deutlich, daher ist es zunehmend wichtig zu wissen, dass das Rauchen, Feuermachen oder Grillen im Wald, in Heiden und Mooren in Niedersachsen von März bis Oktober untersagt ist.
Aufgrund der „Brut- und Setzzeit“ gilt von April bis Mitte Juli die Leinenpflicht für Hunde. Auch allgemein sollten Waldbesucher in dieser besonderen Zeit Rücksicht auf Pflanzen und Tiere in der Natur nehmen.
In Naturschutzgebieten gilt die Leinenpflicht sogar ganzjährig und für Waldbesucher ein Wegegebot, d.h. die Wege dürfen nicht verlassen werden.

Reiten ist nur auf festen, PKW-geeigneten Fahrwegen gestattet. Außerhalb von Wegen ist das Reiten ebenso wie Radfahren oder Mountainbiken im Wald nicht gestattet.

Die Waldparkplätze und die Waldeingänge reichen bei schönem Wetter für den Besucheransturm mit PKW oft nicht aus. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, dass die Einfahrten in den Wald nicht zugeparkt werden. Für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und für Rettungsfahrzeuge sind die Waldeingänge die „Rettungsgassen“ in den Wald. Die Zufahrten müssen in genügender Breite offen sein.

Tipps:

Zur Orientierung und besseren Notfallmeldung gibt es Programm für das Smartphone, sogenannte Notfall-Apps. Für Waldbesuche ist zum Beispiel die kostenlose App „Hilfe im Wald“ mit den aktuellen Rettungspunkten nützlich.

Übervolle Parkplätzen sind ein Hinweis auf viele Waldbesucher. Hier lohnt es auf weniger bekannte Waldgebiete auszuweichen. Der Naturgenuss ist nicht viel geringer, vielleicht entdeckt man dabei Neues.

Man kann sich beim Waldbesuch kundig machen, jede Jahreszeit hat ihre Reize und Besonderheiten. Es gibt verschiedene handliche Wald- und Naturführer zum Mitnehmen. Diese sind beispielsweise beim Kosmos-Verlag zwischen fünf und zwanzig Euro preiswert zu erstehen.
Waldbesuche mit Kindern laden ein, diese mit Spielen zu verbinden. Sei es eine klassische Schnitzeljagd oder mit Waldspielen, für die man schnell im Internet oder in entsprechender Literatur fündig wird. Dafür oder für das Basteln mit Waldmaterial dürfen Dinge wie Zapfen oder Holzstücke in kleineren Mengen aus dem Wald entnommen werden.

Kleiner Waldknigge

• Seien Sie müllfrei im Wald unterwegs.
• Checken Sie sich und Ihre Kinder abends auf Zecken.
• Nehmen Sie Rücksicht auf andere Waldbesucher.
• Radfahrer bleiben auf den Wegen und geben Fußgängern Vorrang
• Kein Mountainbiken abseits der Wege
• Reiter sind nur auf festen Fahrwegen unterwegs
• Kein Feuer oder Rauchen vom 1.3. bis 31.10. jd. Jahres.
• In Naturschutzgebieten herrscht ganzjährig Wegegebot und Leinenpflicht
• In allen anderen Wäldern bleiben Hunde vom 1.4. bis 15.7. j. J. an der Leine
• Stören Sie den Jäger nicht auf dem Hochsitz. Hochsitze sind nicht für die allgemeine Benutzung gedacht.
• Von Forstmaschinen deutlich Abstand halten
• (Blüten)Pflanzen bleiben am besten im Wald
• Haben Sie Verständnis für Waldarbeiten
• Nie auf Holzstapel klettern, sich bewegende Hölzer können gefährlich werden.
• Wenn Sie sich über Dinge im Wald ärgern – geben Sie dem Förster oder Waldbesitzer die Chance den Sinn seines Tuns zu erläutern.
• Achten Sie auf Gefahrenstellen – ein Wald ist kein betreuter Park. Das gilt besonders nach Stürmen.
• Betreten Sie keinen Holzeinschlag im Wald – Lebensgefahr

Fotos und Text bis zum 16. Dez. zum Download hier.

Recommended Posts