Immergrüne Begleitmusik im Eichenwald

 In Forstamt Ahlhorn, Forstamt Ankum, Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Die Stechpalme ist Baum des Jahres 2021

(Weser-Ems) Die Gemeine Stechpalme ist vom Kuratorium Baum des Jahres zum Baum des Jahres 2021 ausgerufen worden. „Die Stechpalme, auch Ilex oder Hülse genannt, kommt vor allem in den Eichenwäldern in Niedersachsen vor“, weiß regionaler Pressesprecher Rainer Städing von den Niedersächsischen Landesforsten aus seiner langjährigen Berufserfahrung als Förster. „Je mehr man in Regionen kommt, die vom maritimen Klima beeinflusst sind, desto stärker wird der Ilex zur dauergrünen Begleitmusik im Eichenwald. “ So sind die bekannten Eichenwälder des Hasbruch bei Hude und der Neuenburger Forst bei Zetel dicht mit Stechpalmen als Unterholz besetzt. „Da der Ilex zu den geschützten Arten gehört, stimmen wir uns bei Holzfällarbeiten mit der Naturschutzbehörde ab. Der Strauch wächst hier so dicht, dass wir ihn abschneiden müssen, um an die Eichen heranzukommen, die genutzt werden sollen“, weiß Förster Martin Susse aus seiner Arbeit im Neuenburger Holz zu berichten.

Seltener im Binnenland

Wie überall in Niedersachsen wird auch in Weser-Ems der Ilex nach Süden immer seltener. So kennt Förster Wolfgang Meyer in seinem Revier im Wiehengebirge und Teutoburger Wald südlich von Osnabrück nur vereinzelte Ilex-Vorkommen. Und auch im Emsland muss man genauer schauen, wo der Ilex wächst. Der Lingener Revierförster Wilhelm Warning weiß lediglich zwei nennenswerte Vorkommen von Stechpalmen in seinem Revier – im direkt an der Ems gelegenen Biener Busch und in der Südostecke des Lingener Waldes, wo der Ilex unter einigen alten Eichen und Kiefern wächst.

Gut für naturnahe Gärten

„Gartenbesitzer können ihre Gärten durchaus mit dem heimischen Ilex ökologisch und ästhetisch aufwerten“, schlägt Städing vor. „Warum nicht steriles nichtheimisches Dauergrün durch Ilex ersetzen, der sehr schnitttolerant ist und vor allem als Insektenweide, Brutraum und Beerenlieferant für Vögel nützlich ist?“ Habe man ein weibliches Exemplar mit den typisch roten Fruchtbeeren, so könne man auch die mittelalterliche Tradtion, die heute noch in England praktiziert werde, daraus Weihnachtsschmuck zu fertigen, wiederaufleben lassen. Im Wald ist der Schnitt untersagt, da der Ilex unter Artenschutz steht. „Dort lassen sich wegen des Lichtmangels allerdings auch nur selten schöne Frucht tragende Exemplare finden“, weiß Städing, der das Grün der Stechpalmen in den sonst kahlen winterlichen Laubwäldern als Augenweide schätzt.

Uralte Pflanzenart

Die Stechpalme hat sich vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelt und ist in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Dabei hält sie sich besonders gut in Regionen, wo das Klima vom Meer beeinflusst wird oder in Bergregionen, die nicht zu heiß und nicht zu trocken sind. Sie bevorzugt feuchten Laubwald und breitet sich laut dem Kuratorium „Baum des Jahres“ in den letzten Jahrzehnten in Skandinavien und in Osteuropa aus – eine Folge des Klimawandels.

Anpassungskünstlerin

Ilex aquifolium –so der botanische Name- ist ein Anpassungskünstler. Die stacheligen Blätter, die gegen Fressfeinde schützen sollen, werden in größerer Wuchshöhe wieder glattrandig. Dort wo Verbiss nicht mehr stattfindet, wird die wertvolle Wuchsenergie anders verwendet als für die wehrhaften Stacheln. Faszinierend ist auch die Fähigkeit, die lebensnotwendige Fotosynthese über die ganzjährig grünen Blätter bereits bei Temperaturen ab Null Grad starten zu können. Zum Vergleich: Gras beginnt ab etwa sechs Grad zu wachsen. Damit sichert der Strauch oder kleine Baum sein Überleben im sonst schattigen Laubwald. Mehr erfährt man über die Gemeine Stechpalme unter baum-des-jahres.de.

 

Bis zum 20. Dez. 2020 können hier druckfähige Fotos und der Text heruntergeladen werden.

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