Wegerückbau im Naturwald Ihlow bei Aurich

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Ihlower Wald – Landesforsten bauen Weg durch Naturwald zurück

(Ihlow/Hesel) Mitten im Ihlower Wald liegt seit 1972 der gleichnamige Naturwald. Dieser „Urwald von Morgen“, in dem die natürliche Entwicklung des Waldes ohne menschliche Eingriffe beobachtet werden soll, wird bislang noch von einem 400 Meter langen Waldweg durchschnitten. „Es ist schon lange in Diskussion diese Zerschneidung des Naturwaldes zu beseitigen“, so Gerd Dählmann, zuständiger Revierförster der Niedersächsischen Landesforsten aus Hesel. „Wir werden den Weg in den nächsten Tagen unbegehbar machen, denn das gerade auch um den Naturwald herum erneuerte Wegenetz macht den Weg überflüssig. Da können wir an dieser Stelle das Risiko für Waldbesucher und unseren Eingriff in den Naturwald minimieren“ erklärt Dählmann.
„Da die Buchen und Eichen entlang des Weges nun im Alter von 170 bis 180 Jahren in die Alters- und Zerfallsphase eintreten, haben sie viele abgestorbene Äste in ihren Kronen und verlieren an Stabilität. Wenn der Weg weiter begehbar bliebe, müssten die Landesforsten für dessen sichere Nutzbarkeit sorgen und die Gefahrenbäume fällen – was mit Blick auf eine möglichst natürliche Waldentwicklung bedauerlich wäre“, erläutert Dählmann weiter.

Dynamische Urwaldentwicklung

Erlebbar bleibt die naturdynamische Entwicklung im Ihlower Wald für die Besucher trotzdem: An drei Seiten verlaufen Waldwege entlang des Naturwaldes, darunter der viel begangene Weg „Zum alten Forsthaus“, der die Klosterimagination mit dem Waldparkplatz verbindet. Dazu Gerd Dählmann: „Hier werden wir natürlich Gefahrbäume bei Bedarf fällen, die dann aber im Naturwald als sogenanntes liegendes Totholz für die holzzersetzenden Lebensgemeinschaften verbleiben.“

100 Naturwälder seit 1971

Die Niedersächsischen Landesforsten haben seit 1971 einhundert Naturwälder ausgewiesen, die repräsentativ für die vorkommenden Waldgesellschaften über das Land verteilt sind. „Anfangs dienten die Naturwälder vor allem der Beobachtung und Forschung über die natürliche Entwicklung von Wäldern ohne menschlichen Einfluss“, weiß Dählmann, der den Ihlower Wald seit 1990 betreut. „Heute spielt aber auch die Bedeutung für die Artenvielfalt und die besondere Ästhetik dieser Waldgebiete eine zunehmende Rolle.“ Vor allem wegen ihrer Funktion als Lebensraum zahlreicher spezialisierter Arten, die auf urwaldähnliche Strukturen angewiesen sind, haben die Landesforsten in zehn Prozent ihrer Wälder als „Urwälder von morgen“ ausgewiesen.
Die wissenschaftliche Betreuung der niedersächsischen Naturwälder als Teil dieses Netzes forstwirtschaftlich ungenutzter Wälder erfolgt durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen. Die Wissenschaftler der dortigen Abteilung Waldnaturschutz wurden ebenso wie die Naturschutzbehörde des Landkreises in die Entscheidungsfindung mit einbezogen und die Gemeinde Ihlow wurde informiert.

Der Ihlower Wald

Wie eine Insel liegt der Ihlower Forst in der sonst offenen Landschaft im Dreieck zwischen Aurich, Emden und Moormerland. Keine der Waldungen der Niedersächsischen Landesforsten in Ostfriesland ist so geprägt durch alten Laubwald aus Eichen und Buchen. Dazu kamen bis vor kurzem umfangreiche Eschenauwälder vor allem entlang des Krummen Tiefs, die in den vergangenen Jahren dem Eschen-Triebsterben zum Opfer gefallen sind.
Dieser alte und besondere Wald macht, zusammen mit der Klosterimagination des ehemaligen Zisterzienserklosters auf einer 7,5 Hektar großen Grünfläche inmitten des Waldgebietes, den besonderen Reiz für die vielen Besucher aus. Das rund drei Quadratkilometer große Waldgebiet ist als Naturschutzgebiet mit europäischem Status als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Mit dem außergewöhnlich hohen Anteil von 90 Prozent Laubbäumen, vor allem bis zu 220jährige Eichen und mächtige, bis 180jährige Buchen, ist der gesamte Wald sehr abwechslungsreich und naturnah. Die zweischichtigen Eschböden und die vielen noch sichtbaren Entwässerungslinien weisen auf die ackerbauliche Nutzung vom 13. bis 16. Jahrhundert in der Zeit des Kloster Schola Dei hin. Ab 1806 plante Oberförster Lantzius-Benninga die Wiederaufforstung der Heideflächen im jetzigen Ihlower Wald.

 

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