Motorsäge ersetzt Steinbeil

 In Forstamt Ankum, Regionale Presseregion West

Hölzer aus der Maiburg für Steinzeithaus am Dümmer

(Ankum/Bippen/Lembruch) Huntedorf 1, Haus Nr. 4 – was sich liest wie eine Postanschrift ist das neueste Projekt des Dümmer-Museums – der Nachbau eines Steinzeithauses auf dem Museumsgelände. Die Niedersächsischen Landesforsten unterstützen das Projekt durch die Bereitstellung des benötigten Bauholzes. Versteht man heute unter Bauholz voluminöse Kanthölzer aus dem Sägewerk, so waren in der Steinzeit dünne Baumstämme, die zeitaufwändig mit der Steinaxt zu Fall gebracht wurden, das Mittel der Wahl. „Wir haben für das Museumsprojekt fünfzehn Eichenstämmchen von 10 bis 20 Zentimeter Durchmesser und fünfzig Baumstangen aus Fichtenholz ausgesucht“, so Revierleiterin Anne Wittenberg vom Forstamt Ankum, die dem Dümmer-Museum vor einigen Jahren bereits einen Eichenstamm zur Herstellung eines Einbaumes geliefert hat.

Eiche für die Gründung

„Die harten Eichenstämme werden -nach Erhitzung der Fußteile zur besseren Haltbarkeit- 60 bis 80 Zentimeter tief in die Erde eingelassen“, so Archäotechniker Thorsten Helmerking, der das Projekt umsetzt. Die Fichtenstangen dienen dem oberirdischen Haus- und Dachaufbau. Das entspricht dem Vorgehen in der Trichterbecherkultur am Dümmer vor 5.300 Jahren. Hartholz für die tragenden Pfosten und Weichhölzer wie Kiefer, Fichte, Erle aus der Umgebung für die oberen Bauteile.“

Hausbau als Lernprozeß

Das nach dem steinzeitlichen Vorbild zu errichtende Haus wird auch die gleichen Maße haben – fünf Meter lang und gut drei Meter in der Breite. Es soll als Veranstaltungsraum dienen. „Das Gebäude wird allerdings nicht schlüsselfertig übergeben“, erläutert Thorsten Helmerking. „Der Bauprozess wird sich als Projekt mit den Schulklassen, die zu uns kommen über zwei bis drei Jahre hinziehen.“

Dach im ersten Bauabschnitt

Dazu werden wie in der Jungsteinzeit vor 5.300 Jahren die Baumstämme entrindet und mangels Nägeln mit Strick oder Rohhaut-Schnüren aneinander befestigt. Mit Haselruten sollen die Zwischenräume ausgeflochten werden. Lehm ist das Material für die Wände. Großseggenried wird mit Weidenruten als Reetdach aufgebunden. „Das Dach mit Rohbau sollen zum Jahresende fertig sein, damit die Konstruktion während der weiteren Arbeiten witterungsgeschützt ist“, so Helmerking, der sich ab Ostern bei dem Hausprojekt am Dümmer-Museum über die Schultern gucken lässt.

Das prähistorische Vorbild

Das sogenannte Huntedorf I als steinzeitliche Siedlung wurde 1934 bei Arbeiten zur Begradigung der Hunte 800 Meter nördlich des Dümmers entdeckt. Der Fischreichtum des Gewässers lockte die Menschen der Trichterbecherkultur vor gut 5.000 Jahren in die Niederung. Das kleinste der damals entdeckten Gebäude, das Haus Nr. 4, wird jetzt am Dümmer-Museum nachgebaut. www.duemmer-museum.de

Das Baumaterial

Das verwendete Baumaterial, haltbares Hartholz der Eiche und leichter zu bearbeitendes Weichholz, wie die Fichte, kommt aus dem Revier Maiburg bei Bippen im Nordkreis Osnabrück. „Auch, wenn heute gänzlich anders gebaut wird, hat sich die Bedeutung der dauerhaften Eiche als Bauholz über die Jahrtausende erhalten“, weiß Försterin Anne Wittenberg von den Niedersächsischen Landesforsten. „Die leichte Fichte sowie künftig vermehrt andere Nadelbäume, sind auch heute noch das gefragte Holz für den traditionellen Dachstuhl oder für ganze Holzhäuser“. Vierzig Jahre sind die Eichen und zwanzig Jahre die Fichten gewachsen, bis sie die passenden Maße für das Steinzeithaus hatten. „Heute ernten wir Nadelbäume nach 60 bis 80 Jahren und Eichen mit 160 bis 200 Jahren, denn die Motorsäge vereinfacht das Fällen dicker Bäume“, erläutert Anne Wittenberg.

Druckfähige Fotos und der Text hier zum Download bis 8.4.21.

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