Wasserknappheit und Klimawandel – Die Katalysatoren der Waldmoor-Belebung

 In Forstamt Clausthal, Forstamt Dassel, Forstamt Lauterberg, Forstamt Münden, Forstamt Neuhaus, Forstamt Reinhausen, Forstamt Riefensbeek, Forstamt Seesen, Harz, NFBZ Münchehof, Regionale Presseregion Süd, Solling

Landesforsten sanieren bedrohte Lebensräume – Weltwassertag am 22. März

(Clausthal-Zellerfeld / Dassel) Die Niedersächsischen Landesforsten sanieren weitere Waldmoore im Harz und Solling. Nahe Clausthal-Zellerfeld laufen aktuell die Arbeiten zur Wiederbelebung eines Moores im Oberharz. Im Bärenbruch bei Buntenbock zieht noch bis Ende März ein spezieller “Baumlift“ sämtliche Fichtenbäume aus der Moorfläche. Anschließend soll ein Moorbagger die alten Entwässerungsgräben verschließen. Die Landesforsten wollen mit der Fichtenrodung und der Wasserrückhaltung erreichen, dass sich das sumpfige Gelände in einen Bruchwald entwickelt und künftig wieder Torfmoose wachsen können. Die im Sommer 2020 begonnenen Arbeiten am Wurmberg–Moor bei Braunlage sind inzwischen bis auf wenige Restarbeiten fertiggestellt.

Auch im Mittelgebirge Solling arbeiten derzeit Naturschutz-Förster mit Moorexperten zusammen, um die letzten Moorgebiete vor weiterer Austrocknung zu bewahren. Sowohl das Friedrichshäuser Bruch bei Sievershauen im Forstamt Dassel (Landkreis Northeim) als auch das Hangmoor im Forstort Wildenkiel bei Neuhaus im Solling (Landkreis Holzminden) werden aktuell wieder in einen naturnahen Zustand versetzt.

Klimawandel und Wassermangel beschleunigen das Moorschutzprogramm

„Die verheerenden Trockenschäden in unseren Wäldern sind die Folgen mehrjährigen Wassermangels. Diese jüngsten Auswirkungen des Klimawandels wirken dabei wie Katalysatoren für die Wiederbelebung unsere Waldmoore“, sagt Dr. Klaus Merker mit Blick auf den Weltwassertag am 22. März. Der Präsident der Niedersächsischen Landesforsten sieht einen deutschlandweiten Aufwärtstrend beim Thema Moorschutz als Folge der Klimaschutz-Diskussion. „Vor dreißig Jahren haben wir die Forstwirtschaft im Landeswald auf das LÖWE-Programm umgestellt. Jetzt erleben wir ein regelrechten Boom bei der ökologischen Waldbewirtschaftung: Viele Waldbesitzer, Naturschutzverbände und Politiker schauen sich unser langfristiges ökologisches Waldentwicklungsprogramm an, das wir abgekürzt LÖWE nennen. Und der Schutz seltener und bedrohter Lebensräume wie Waldmoore ist Teil dieses LÖWE-Programms, das wir 1991 begonnen haben und nun nochmals forcieren“, begründet Dr. Merker die gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema.

Moorschutz ist Klimschutz

Doch Dr. Klaus Merker betont, dass nur ein lebendiges Moor zum Klimaschutz beiträgt. Die Wiedervernässung sei Voraussetzung für das Wachstum spezieller Torfmoose, aus denen sich der Moorkörper aufbaue. Gräben und aufwachsende Fichten entzögen dem Gebiet Wasser und ließen Moore schwinden. Dabei würden viele Tonnen Kohlendioxid frei, die zur Klimaerwärmung beitrügen. „Ein funktionsfähiges Moor dagegen speichert CO2 beim Wachsen der Torfmoose. Wenn sich unsere Waldmoore im Harz und Solling nach der Renaturierung erholt haben, funktionieren sie wieder als Kohlenstoff-Senke“, erläutert der Landesforsten-Präsident die Bedeutung für den Klimaschutz. Berechnungen zufolge können die Moore der Landesforsten bedeutende Mengen an CO2-Emmissionen pro Jahr einsparen. Moore leisten langfristig mehr für den Klimaschutz als ein Wald, so eine Analyse von Klimaexperten.

Wasserhaushalt und Trinkwasserversorgung in den Mittelgebirgen verbessern

Weiterhin wollen die Landesforsten mit ihrem Moorschutzprogramm auch den Wasserhaushalt der Mittelgebirge in Südniedersachsen verbessern. Moore speichern wie ein Schwamm beachtliche Niederschlagsmengen und wirken ausgleichend bei Starkregenfällen. Außerdem steigern sie die Bildung von sauberem Grundwasser. Nach dem Hochwasser am Harzrand im Sommer 2017 und drei Trockenjahren in Folge werde der Gewässerschutz und die Versorge für Trinkwasser selbst im regenreichen Harz immer wichtiger, erklärt Naturschutzförster Jörg Sonnabend.

Waldökologe Sonnabend und seine Kollegin Claudia Quandt vom Niedersächsischen Forstamt Clausthal konnten auf langjährige Erfahrung bei der Moorrenaturierung im Solling zurückgreifen. Dort investierten die Solling-Forstämter Dassel und Neuhaus in den letzten 10 Jahren über eine Millionen Euro in die Belebung ihrer Waldmoore – darunter das bekannteste, das Hochmoor Mecklenbruch bei Silberborn. Auch die Entwicklung und Pflege der Feuchtwälder im Solling habe ausgleichende Wirkung auf das Klima und trage in heißen Sommern zur Kühlung bei, betonen die Naturschutz-Förster.

Finanzielle Unterstützung vom Land Niedersachsen und der EU

Finanzielle Unterstützung erhalten die Landesforsten sowohl vom Land Niedersachsen, als auch durch Fördermittel der EU. Aktuell laufen mit dem Hangmoor Wildenkiel im Forstamt Neuhaus und dem Friedrichshäuser Bruch im Forstamt Dassel zwei große Moorrenaturierungen im Solling. Die Projekte sind über mehrere Jahre angelegt und umfassen jeweils über eine Million Euro. Der Großteil der Kosten wird durch das Förderprogramm “Klimaschutz durch Moorentwicklung“ übernommen, denn auch die EU und das Land Niedersachsen haben die Bedeutung dieser seltenen Biotope erkannt und wollen deren Renaturierung vorantreiben.

Gemeinwohlaufgabe für kommende Generationen

Nach dem Fichtenaushieb, der die Wasserabgabe durch die Bäume reduziert und lichtliebende Moorpflanzen begünstigt, sollen im Frühjahr und Sommer 2021 die Entwässerungsgräben verschlossen werden, um das Wasser wieder im Moor zu halten. „Die Niedersächsischen Landesforsten als Anstalt öffentlichen Rechts sind nicht nur der Holzproduktion verpflichtet, sondern auch dem Gemeinwohl kommender Generationen: also dem Erhalt der Erholungsfunktion und der biologischen Vielfalt, dem Klimaschutz, Hochwasserschutz sowie dem Schutz des Grundwassers. Mit der laufenden Renaturierung des Bärenbruchmoores im Harz und der Sollingmoore Wildenkiehl und Friedrichshäuser Bruch setzen wir das fort, was wir mit der Einführung des LÖWE –Programms vor genau 30 Jahren begonnen haben“. Unterstreicht Dr. Klaus Merker die Aufgabe der Umweltvorsorge, die die Landesforsten für die Enkel-Generationen übernommen haben.

(Foto: Gasparini / Landesforsten)

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