K444 zwischen Uslar und Schoningen zeitweise gesperrt

 In Forstamt Dassel, Forstamt Neuhaus, Regionale Presseregion Süd, Solling

Geschützte Altbäume im Eichholz gefährden Waldbesucher und Verkehrsteilnehmer

(Uslar/Dassel) Das Niedersächsische Forstamt Dassel entfernt aus Verkehrssicherungsgründen Bäume in direkter Straßennähe entlang der Kreisstraße 444, die in Uslar an das Waldgebiet Eichholz angrenzt. Die Straße wird vom kommenden Montag, 3. Mai, bis Freitag, 7. Mai, von 8 bis 16 Uhr voll gesperrt, teilen die Niedersächsischen Landesforsten mit. Grund sind Forstarbeiten im Naherholungsgebiet Eichholz, bei denen mehrere Dutzend Bäume am Straßenrand und im Böschungsbereich entfernt werden müssen. Auslöser der neuerlichen Verkehrssicherung waren zwei starke Eichen, die Mitte April im Abstand von einer Woche über die Kreisstraße gestürzt waren.

Forstleute aus Dassel stellten Wurzelfäulnis fest und führen das Absterben der Wurzeln auf Dürreschäden zurück. Drei aufeinander folgende Trockenjahre hätten zahlreichen Bäumen im Eichholz bei Uslar zugesetzt, erläutert Sebastian Tews. „Aus Sicherheitsgründen müssen wir nun etliche Bäume entnehmen, die auf die Straße zu fallen drohen. Als besonders gefährlich sind diejenigen Bäume eingestuft, die an steilen, besonnten Böschungskanten stehen“, begründet der Leiter der Revierförsterei Eschershausen die Vollsperrung.

Seltene Käfer und Pilze leben auf Uraltbäumen – Naturdenkmale stehen unter Schutz

Das Eichholz ist ein 5,4 Hektar großes Waldgebiet im Süden der Stadt Uslar. Die Kreisstraße 444 führt rund einen Kilometer am Forstort entlang. Zahlreiche Alteichen und Buchen wachsen dort, von denen die Dunieeiche mit 800 Jahren als der älteste Baum gilt. Drei Eichen stehen als Naturdenkmale unter Schutz. Der seltene und vom Aussterben bedrohte Eremit-Käfer (Osmoderma eremita) bewohnt im Eichholz 30 Altbäume. Er lebt in den mit Mulm ausgefüllten Hohlräumen morscher Stämme. Hier und in vielen anderen Wäldern bewahren die Niedersächsischen Landesforsten seltene Arten und deren Lebensräume. Im Eichholz sind Naturschutz und Naherholung vorrangig vor der Holznutzung. Tagtäglich gewähren Forstleute einer Vielzahl von Waldbesuchern Einblicke in das Werden und Vergehen uralter Bäume. Die aus Sicherheitsgründen zu fällenden Eichen, Buchen und Ahorne würden deswegen überwiegend an Ort und Stelle liegenbleiben, kündigt Revierförster Tews an: „Unser Ziel ist es, das bei Insektenkundlern weit über den Solling hinaus bekannte Eichholz möglichst lange zu erhalten und für die Öffentlichkeit erlebbar zu gestalten“, beschreibt Förster Tews die schwierige Herausforderung, zwischen Naturschutz, Verkehrssicherung und Erholungsgebiet zu vermitteln.

Forstarbeiten mit Landkreis, Stadt Uslar und Straßenmeisterei abgestimmt

Die anstehenden Forstarbeiten sind das Ergebnis eines Ortstermins, zu dem das Forstamt Dassel Mitarbeiter der Naturschutz- und Verkehrsbehörde vom Landkreis Northeim, der Straßenmeisterei, Vertreter der Stadt Uslar und der Polizei eingeladen hatten. Neben umfangreichen Voruntersuchungen zur Standfestigkeit der Bäume und dem Vorkommen des Eremit-Käfers wurden etliche Bäume als Gefahrenbäume analysiert. Dazu zählen Bäume mit einseitig ausgeprägten Kronen, die deutlich über die Straße ragen. Weiterhin gelten Trockenäste in Kronen und Absterbe-Erscheinungen als Anzeichen für Krankheiten. Schäden am Stamm und im Wurzelbereich stuften die Gutachter ebenfalls als Gefahr für die Verkehrssicherheit ein. Eichen, in denen der Eremit wohnt, nimmt ein externer Gutachter gesondert in Augenschein. Ist der Baum nicht mehr standsicher, wird im Einzelfall die Krone eingekürzt und Entlastungschnitte vorgenommen. Bei massiver Fäule ist auch die Fällung einzelner dieser Eichen erforderlich. Arbeiten an den Eremit-Bäumen seien laut Forstamt erst zu einem späteren Termin geplant.

Eichholz für Zwei- und Vierbeiner gesperrt

Die Niedersächsischen Landesforsten weisen darauf hin, dass das Waldgebiet in der kommenden Woche auch für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer rund um die Uhr gesperrt bleibt. Förster Sebastian Tews warnt vor der Gefahr von nachbrechenden Kronen oder Ästen im Waldinnern. Zur eigenen Sicherheit müsse jeder die Absperrungen einhalten und das beliebte Waldgebiet eine Woche lang meiden. Tews bittet Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Vollsperrung der K 444, die aus Rücksicht auf den Berufsverkehr zwischen 8 und 16 Uhr gelte.

 Hintergrund:

In Folge des Orkans Friederike im Januar 2018 und der sich anschließenden Dürrejahre 2018, 2019 und 2020, hatten sich in den Fichtenwälder Borkenkäfer massenhaft vermehrt und großflächige Schäden verursacht. Die anhaltende Dürre und Hitze schädigt aber auch Laubbaumarten. Sie verlieren an Vitalität und werden anfällig für Schaderreger wie Insekten und Pilze. Insbesondere Buchen sind hiervon betroffen. Das Holz der absterbenden Buchen wird durch Pilzbefall schnell brüchig, sodass auch bei Windstille mit dem unvermittelten Abbruch, teilweise auch noch belaubter Äste und Kronenteile gerechnet werden muss.

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