Naturschutz am Wegesrand

 In Forstamt Saupark, Regionale Presseregion Mitte

Auf den ersten Blick mögen die vom Bagger ausgehobenen Löcher zu vielen Fragen bei Waldbesuchern im Osterwald führen. Doch was zunächst als ein unvollendeter Wegebau erscheint, ist in Wahrheit ein wertvolles Naturschutzprojekt für Amphibien, Libellen und wasserliebende Kleinstlebewesen. Im vergangenen Winter haben die Niedersächsischen Landesforsten entlang einiger Waldwege im Osterwald ein Mosaik aus Wege-Seiten-Tümpeln angelegt.

Ziel der gerade einmal Sandkistengroßen Tümpel ist es, ein Netz aus Biotopen zu schaffen. Die geringe Dimension ist dabei ihre große Stärke. Das Wasser wärmt sich in den flachen Mulden schnell auf und bietet so beste Voraussetzungen für Amphibien. Fische, die in anderen Gewässern kleine Frösche, Kröten, Molche und deren Laich fressen, stellen in den kleinen Tümpeln keine Gefahr dar. „Amphibien, wie unsere heimischen Bergmolche werden sich darin sofort wohl fühlen, mit etwas Glück nutzen auch die von Aussterben bedrohten Gelbbauchunken die Tümpel.“ sagt Heiko Brede, Naturschutzförster im Forstamt Saupark. Auch für Fledermäuse, Libellen und Co. sind die Wege-Seiten-Tümpel eine Lebensraumverbesserung. Fledermäuse nutzen die Tümpel zum Trinken und zur Insektenjagd, Libellen als Fortpflanzungsstätte.

Die Auswirkungen der Maßnahme reichen jedoch weit über die Kleinbiotope hinaus. Das abfließende Wasser wird in den Tümpeln deutlich verlangsamt, so können sich dort mitgeführte Bodenteilchen absetzen. Diese Sedimente gelangen damit nicht in die größeren Fließgewässer, wo sie den Lebensraum von Wasserbewohnern „verstopfen“ können.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren wichtigen Nebeneffekt. Heiko Brede hat dabei die außergewöhnliche Trockenheit und die immensen Waldschäden der letzten Jahre im Kopf: „Besonders in solchen Extremjahren brauchen die Wälder jeden Tropfen Wasser. Die Wege-Seiten-Tümpel unterstützen die Wasserspeicherfunktion des Waldes, das ist eine echte Win-Win-Situation.“ Diese kleinen Biotope sind ein gutes Beispiel dafür, wie durch das LÖWE-Programm (langfristige ökologische Waldentwicklung) Naturschutzmaßnahmen in den Forstbetrieb integriert werden können. Denn die Pflege dieser Tümpel übernehmen die Niedersächsischen Landesforsten zusammen mit der regulären Wegeunterhaltung.

Im Frühling ist die Aktivität der Amphibien besonders hoch. Die neue Vernetzungsstruktur schafft beste Voraussetzungen dafür, dass die Kröten, Frösche und Molche ihre Laichgewässer gut und sicher erreichen können. Im Osterwald sind die kleinen Biotop-Trittsteine zwischen Hutewald Gelbbachtal, den Meerpfühlen bis hin zum Naturschutzgebiet in der Nähe der Sennhütte angelegt worden. „Letztendlich profitieren alle von diesen Maßnahmen: Viele Arten haben eine verbesserte Lebensraumqualität, der Baumbestand kann in Trockenzeiten von dem Wasserspeicher profitieren und die Waldbesucher erleben Naturschutz und Artenvielfalt direkt am Wegesrand.“ fasst Heiko Brede zusammen.

Vielleicht lassen sich beim „Corona konformen“ Frühlingspaziergang im Osterwald bereits Amphibien in den Wege-Seiten-Tümpeln entdecken.

Bilder zum Druck finden Sie HIER

Für die Presse bieten wir zu aktuellen Ereignissen und Meldungen Bilder und Texte zum Download an. Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema veröffentlicht werden, mit dem sie in Verbindung stehen und müssen mit einem ungekürzten Urheberrechtsnachweis versehen sein, wie er jeweils an den Abbildungen angeben ist.

Recommended Posts
Skip to content