Seltene Neunaugenarten in der Maiburg

 In Forstamt Ankum, Regionale Presseregion West

Seltene Neunaugenarten in der Maiburg

Internationaler Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai 2021

(Ankum/Osnabrücker Land) Von Neunaugen hat fast jeder schon einmal gehört. Aber kaum jemand hat die fischähnlichen Wasserlebewesen, von denen es mehrere Arten gibt, in der Natur gesehen und die wenigsten wissen, dass sie auch im Wald zuhause sind. In der Maiburg bei Bippen, die von den Niedersächsischen Landesforsten betreut wird, gibt es gleich zwei Arten dieser Geschöpfe: Das Bach-Neunauge und das Fluss-Neunauge.

Die aalartigen Tiere, reagieren empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraumes: Vor allem Gewässerverschmutzung und Querbauwerke in Gewässern haben in der Vergangenheit die Bestände bedroht. Deshalb wurden beide Arten in den Anhang II der europaweiten FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) aufgenommen.

In den Tangen der Maiburg zu Hause

In der Maiburg stehen beide Neunaugenarten unter besonderem Schutz. Die wasserführenden „Tangen“ im Wald, in denen die Fischartigen leben, sind nach FFH-Richtlinie geschützte Lebensräume. Außerdem sind diese Waldbereiche als Naturschutzgebiete ausgewiesen. So ist gesichert, dass der Lebensraum der Neunaugen nicht verändert oder zerstört wird. Lea Reichmann, Försterin für Waldökologie im Forstamt Ankum weiß, dass es den Neunaugen in der Maiburg gut geht: “Seit vielen Jahren pflegen wir die Bäche und den umgebenen Wald, so dass die Neunaugen sich wohlfühlen. Dafür wurden alle bachbegleitenden Nadelbäume entfernt. Regelmäßig schneiden wir die Nadelholzverjüngung zurück. Und in den Bach fallendes Totholz lassen wir liegen. Denn dort bilden sich seichte Stellen und Sedimentbänke, in welche die Tiere ihren Laich legen.“

Verbringen ihr Leben vor allem als Larven

Die beiden Rundmäuler leben in klaren, sauerstoffreichen Bächen mit feinen Sand- oder Tonbänken. Genetisch sind sie fast identisch, doch gibt es einige Unterschiede in der Lebensweise. Drei bis fünf Jahre verbringen beide Arten als blinde Larven, auch Querder genannt, im Bachsediment. Nur das Maul reicht ins Wasser, um Nahrung aufzunehmen.

Über mehrere Wochen erfolgt die Entwicklung zum erwachsenen Tier. Während die Fluss-Neunaugen dann in Richtung Meer aufbrechen und parasitär an Meeresfischen leben, bleiben Bach-Neunaugen in der Nähe ihrer Geburtsstätte. Mit der Geschlechtsreife bildet sich der Verdauungstrakt bei ihnen zurück. Die Bach-Neunaugen nehmen keine Nahrung mehr auf und sterben nach der Laichzeit. Fluss-Neunaugen kehren mit der Geschlechtsreife in die Laichgewässer zurück. Nach einer Winterruhe verpaaren sie sich im Frühjahr des Folgejahres.

 

Hintergrund

Der Verlust der Biodiversität ist eines der größten Probleme auf der Erde. Der Aktionstag am 22. Mai macht darauf aufmerksam, wie die Biodiversität weltweit verloren geht – und das mit schwerwiegenden und irreversiblen Folgen für Natur und Mensch. Hauptverantwortlich für das schnelle Artensterben ist der Mensch – etwa durch industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen, Verstädterung und den Klimawandel. Bis zu eine Millionen Arten, von Mikroben bis Walen, sind vom Aussterben bedroht.

Bilder zum kostenlosen Download finden Sie hier.

Bildnachweise:

Adultes Neunauge mit Querder: LAVES, C. Edler

Liegendes Totholz in Tangen: Landesforsten/Schmidt

Tange in der Maiburg: Landesforsten/Schmidt

Fluss-Neunauge: Tiit Hunt – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17861470

Bach-Neunauge: Jelle Wissink – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74701411

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