Eröffnung des Erdmann Radweges

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West, Waldpädagogikzentrum Hahnhorst

Moderner Waldbau auf historischen Spuren

(Bassum/Nienburg) Mit Sonnenschein wurde am Mittwochnachmittag der neue ErdmannRadweg feierlich eröffnet. Henning Schmidtke, Forstamtsleiter des Niedersächsischen Forstamtes Nienburg und Landrat des Landkreises Diepholz Cord Bockhop freuten sich mit den weiteren Gästen über ein neues Angebot in der Region. Dieses wurde im Rahmen einer kleinen Schnuppertour auch gleich, natürlich, per Rad ausprobiert.

Wirkungsstätten Erdmanns

Über etwa 80 Kilometer führt der Radweg entlang der Wirkungsstätten von Friedrich Erdmann, der von 1892 bis 1924 Oberförster in Neubruchhausen und Umgebung war. Elf Stationen beleuchten das Leben Erdmanns, die Besonderheit seines Mischwaldes und den Naturschutz. Weiterhin werden elf Baumarten, die als Gruppe, Allee oder markanter Einzelbaum den Radweg säumen, vorgestellt. „Mit dem Radweg haben wir ein touristisches Angebot geschaffen, das Lust macht auf Urlaub im eigenen Land“, freut sich Landrat Bockhop. Henning Schmidtke ergänzt: „Außerdem macht der Radweg die waldbaulichen Besonderheiten Erdmanns auch für die Menschen in der Region wieder sichtbar.“

Kooperationspartner

In Kooperation mit den anliegenden Gemeinden, dem Unterhaltungsverband Große Aue, dem Naturpark, Wildeshauser Geest, dem Heimatverein Neubruchhausen, dem ADFC und einigen Privatpersonen plante das Forstamt Wegeführung, Beschilderung und Infotafeln.

Flyer mit weiterführenden Informationen sind demnächst in den touristischen Einrichtungen der Gemeinden und dem Forstamt Nienburg erhältlich. Darüber hinaus finden sich verschiedene Tourabschnitte Tour auf der Wander-App „Komoot“ wieder (www.komoot.de/tour/376393196 und www.komoot.de/tour/289189195).

Für Samstag, den 17.07. (je nach Corona-Lage), ist eine Sternfahrt für alle interessierten Bürger*innen geplant: „Mit Ihren Förster*innen auf dem ErdmannRadweg unterwegs“.

Hintergrund

Streckenverlauf

Der Radweg durchquert sieben Waldgebiete zwischen Bassum-Neubruchhausen und Sulingen. Startpunkte liegen in Neubruchhausen (Alte Oberförsterei), am Waldpädagogikzentrum Hahnhorst in Schwaförden und am Mühlenteich in Sulingen.

Erdmann

Ernst August Christian Erdmann wird am 16. März 1859 im Kreis Celle geboren. Der Wald liegt ihm im Blut. Er stammt aus Familie mit langer Förstertradition. Erdmann besucht nach dem Abitur die Forstakademie und sammelt praktische Erfahrungen. Während er sein Examen mit nur „genügend“ bestand, war sein „wissenschaftliches Interesse, Tüchtigkeit und Fleiß“ aufgefallen.

Elf Jahre ist Erdmann in verschiedenen Wäldern und Ämtern tätig. 1892, bewirbt er sich um die Leitung der Oberförsterei Neubruchhausen und entwickelt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1924 den von ihm sogenannten „Waldbau auf natürlicher Grundlage“.

Nach seinem Tod am 3. Januar 1943, wird Erdmann an einem Hügelgrab unter alten Buchen im nahen Freidorfer Holz, einem der Wälder, dem er seine Lebensarbeit widmete, beigesetzt.

Boden und Wald

Auf rund 800 Hektar (= 8 km²) fand Erdmann in der Oberförsterei kränkelnde Kiefernwälder vor, die aus der Wiederbewaldung von Heideflächen Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden waren. Ein Charakteristikum war ein dickes Polster nicht zersetzter Kiefernnadeln. Der sogenannte Rohhumus soll bis zu einem halben Meter mächtig gewesen sein. Mit Tagelöhnern wurde der Rohhumus streifenweise abgezogen und teilweise gekalkt. Ziel war, die Umsetzung zu wertvollem echten Humus zu beschleunigen, der Nährstoffe und Wasser speichert und von den Bodenorganismen mit dem Mineralboden vermischt wird.

In die von den Tagelöhnern angelegten Streifen ließ Erdmann mit viel Geduld und Rückschlägen Bäume säen. Teilweise wurde gepflanzt. In kleinflächiger Mischung wurden so unter die verbleibenden Kiefern hauptsächlich Weißtanne, Lärchen, Douglasien, Fichten und Buchen gebracht. Dass Buchen eine wichtige Rolle im Wald spielen können, hatte sich Erdmann von den wenigen Buchen in der Region abgeschaut. Dazu gehören die alten Buchen an seinem Grab im Freidorfer Holz. Mehrere Generationen nachfolgender Forstleute setzten die Prinzipien der Erdmannschen Wirtschaft mit dem Blick ihrer Zeit fort. So kamen weitere Baumarten, unter anderem Roteichen, Japanlärchen und – vor allem nach dem 1972er Sturm – Eichenwälder dazu.

Heute präsentieren sich die eigentlichen Erdmann-Wälder als mit unterschiedlichen Baumarten unterschiedlichen Alters gemischte, gesunde und vor allem stabile Wälder. Die Stürme und Dürren der Jahre 2018 bis 2020 haben diesen strukturierten Wäldern kaum etwas anhaben können. Auf der überwiegenden Fläche verjüngen sich die meisten Baumarten von selbst.

Bilder zum kostenlosen Download finden Sie hier.

Bildnachweise:

2x Radfahren auf dem ErdmannRadweg: Rainer Städing

Wegweiser ErdmannRadweg: Rainer Städing

Weitere Bilder: Landesforsten/Schmidt

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