Baumpflege an geschützten Altbäumen im Eichholz

 In Forstamt Dassel, Forstamt Neuhaus, Regionale Presseregion Süd, Solling

K444 zwischen Uslar und Schoningen zeitweise gesperrt

(Uslar/Dassel) Das Niedersächsische Forstamt Dassel führt Pflegeschnitte an Bäumen aus, die entlang der Kreisstraße 444 im Eichholz bei Uslar stehen. Die Straße wird vom kommenden Montag bis Mittwoch (5. bis 7. Juli) von 8 bis 16 Uhr voll gesperrt, teilen die Niedersächsischen Landesforsten mit. Grund für die Vollsperrung sind Arbeiten zur Verkehrssicherheit an 15 Bäumen in Straßennähe. In einem ersten Schritt wurden dort vor zwei Monaten Fäll- und Baumpflegearbeiten ausgeführt. Die neuerliche Sperrung erfolgt aus Gründen zum Schutz besonders seltener Käferarten, die an den 15 identifizierten Bäumen leben. Das Eichholz zählt zu den wertvollen Gebieten Niedersachsens für den Schutz bedrohter Käfer und Pilze. Sie leben nur an uralten Bäumen, die bestimmte Höhlen aufweisen – hier meist Eichen. Der seltene und vom Aussterben bedrohte Eremit-Käfer (Osmoderma eremita) bewohnt aktuell 30 Altbäume im Eichholz, so das Ergebnis einer jüngsten Zählung.

Seltene Käfer leben auf den Gefahrenbäumen an der Kreisstraße

Die Hälfte dieser Bäume stellen laut Forstamt eine Gefährdung für die Kreisstraße dar. Diese Bäume dürften aber nicht einfach gefällt werden, weil damit auch das Vorkommen der Käfer zerstört würde, erläutert Thomas Reulecke. „Wir mussten die Pflegearbeiten an den Bäumen mit derart geschützten Arten von der Naturschutzbehörde genehmigen lassen“, beschreibt Dassels Forstamtsleiter. Das Forstamt habe in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Northeim jeden einzelnen Baum von einem externen Baumgutachter untersuchen lassen. Sind Bäume nicht mehr sicher, gibt der Gutachter Maßnahmen vor, um die Sicherheit wieder herzustellen, ohne die Bäume dabei mehr als nötig zu beschädigen. Dieses einzelbaumweise Vorgehen sei meistens deutlich aufwändiger und teurer als die „Standardlösung“, weiß Reulecke und ergänzt: „Auch die Vorbereitungen von Kartierungen über Gutachtenerstellung bis hin zur Genehmigung sind zeitaufwändig. Da es um spezielle Naturschutzfragen geht, hat unser Förster für Waldökologie, Kai Conrad, diese Aufgaben koordiniert und seine Kollegen im Forstamt Dassel unterstützt“.

Kai Conrad hebt hervor, dass die aktuellen Pflegearbeiten an 15 speziell ausgewählten Bäumen zwar erheblich aufwändiger und teurer werde. “Wir nehmen unsere Verantwortung für den Schutz und Erhalt von bedrohten Arten sehr ernst. Daher haben wir vor Ort mit Fachleuten und Behörden zusammengearbeitet, um die beste Lösung im Eichholz zu finden – für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer auf der K444 und der Besucher im Eichholz wie für den Naturschutz.“

Dank technisch aufwändiger Sicherungsarbeiten muss kein Altbaum gefällt werden

So müsse keiner der 15 Altbäume gänzlich gefällt werden. „Wir entfernen Totholz aus den Baumkronen, das über die Straße ragt oder nehmen Kronen-Einkürzungen vor, die zur Verringerung des Baumgewichtes beitragen. In einem Fall wenden wir eine neue Methode an, bei der ein Baum mit einem Stahlseil nach hinten abgespannt wird, sodass er nicht auf die Straße stürzen kann“, beschreibt Naturschutz-Förster Kai Conrad die technisch aufwändigen Sicherungsarbeiten. Einige der Bäume, die nur noch als Baumrelikte oder Stümpfe vorhanden sind, will Conrad teilweise einkürzen lassen, damit die Stämme nicht mehr bis auf die Straße fallen können. „Werden dabei hohle Stämme angeschnitten, wird die Öffnung mit einer Kappe aus Plane abgedeckt, damit das Regenwasser nicht direkt in die Baumhöhlen laufen kann. Das anfallende Totholz lassen wir im Eichholz liegen, damit es Hunderten von Insekten und Pilz für viele Jahre als Lebensraum dienen kann“, begründet Kai Conrad die kommenden Forstarbeiten.

Eine örtliche Baumpflegefirma führt die Arbeiten aus. Sie sei laut Thomas Reulecke mit dem Umgang dieser sensiblen Bäume und den speziellen Techniken vertraut. Ohne Straßensperrung gehe das leider nicht, da die Firma direkt von der Straße aus mit einem Hubsteiger arbeiten müsse, um von der ausfahrbaren Arbeitsbühne sicher mit der Motorsäge arbeiten zu können.

Eichholz für Zwei- und Vierbeiner gesperrt

Die Niedersächsischen Landesforsten weisen darauf hin, dass das Waldgebiet am Montag bis Mittwoch kommender Woche auch für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer rund um die Uhr gesperrt bleibt. Forstamtsleiter Thomas Reulecke warnt vor der Gefahr von nachbrechenden Kronen oder Ästen im Waldinnern. Zur eigenen Sicherheit müsse jeder die Absperrungen einhalten und das beliebte Waldgebiet drei Tage meiden. Reulecke bittet Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Vollsperrung der K 444, die aus Rücksicht auf den Berufsverkehr zwischen 8 und 16 Uhr gelte.

Im Eichholz zu Hause: Der Stachelbart kommt nur in Wäldern mit ausreichend starkem Totholz vor

© Fotos: Conrad / Landesforsten

 

Hintergrund:

Seltene Käfer und Pilze leben auf Uraltbäumen

Das Eichholz ist ein 5,4 Hektar großes Waldgebiet im Süden der Stadt Uslar. Die Kreisstraße 444 führt rund einen Kilometer am Forstort entlang. Zahlreiche Alteichen und Buchen wachsen dort, von denen die Dunieeiche mit 800 Jahren als der älteste Baum gilt. Drei Eichen stehen als Naturdenkmale unter Schutz. Der seltene und vom Aussterben bedrohte Eremit-Käfer (Osmoderma eremita) bewohnt im Eichholz 30 Altbäume. Er lebt in den mit Mulm ausgefüllten Hohlräumen morscher Stämme. Hier und in vielen anderen Wäldern bewahren die Niedersächsischen Landesforsten seltene Arten und deren Lebensräume. Im Eichholz sind Naturschutz und Naherholung vorrangig vor der Holznutzung. Tagtäglich gewähren Forstleute einer Vielzahl von Waldbesuchern Einblicke in das Werden und Vergehen uralter Bäume. Das bei der Sicherungsmaßnahme anfallende Holz wird deswegen an Ort und Stelle liegenbleiben. „Unser Ziel ist es, das bei Insektenkundlern weit über den Solling hinaus bekannte Eichholz möglichst lange zu erhalten“ beschreibt Naturschutzförster Conrad die schwierige Herausforderung, zwischen Naturschutz, Verkehrssicherung und Erholungsgebiet zu vermitteln.

Forstarbeiten mit Landkreis, Stadt Uslar und Straßenmeisterei abgestimmt

Die anstehenden Forstarbeiten sind das Ergebnis eines Ortstermins, zu dem das Forstamt Dassel Mitarbeiter der Naturschutz- und Verkehrsbehörde vom Landkreis Northeim, der Straßenmeisterei, Vertreter der Stadt Uslar und der Polizei eingeladen hatten. Eichen, in denen der Eremit wohnt, nimmt ein externer Gutachter gesondert in Augenschein. Ist der Baum nicht mehr standsicher, wird im Einzelfall die Krone eingekürzt und Entlastungschnitte vorgenommen.

 Hier geht es zur Foto-Kollektion

Recommended Posts