Illegale Mountainbike-Trails

 In Forstamt Sellhorn, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten, Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg und Regionalpark Rosengarten bitten um Rücksichtnahme

(Rosengarten) Mit Vollgas durch den Wald: Ein-, zweimal wird kräftig in die Pedale getreten – und dann geht es los. Schnell wird der öffentliche Weg links liegengelassen und das Mountainbike querwaldein gesteuert. Der lockere Waldboden spritzt nur so zur Seite, Vögel flattern auf, die Tiere, die gerade ein wenig Ruhe vor den Spaziergängern brauchen, werden aufgeschreckt. Vor allem in vielen Waldbereichen im Landkreis Harburg aber auch in der Heide sorgen rücksichtslose Mountainbiker für Probleme: Große Schäden am Boden und der Vegetation, wenn sie abseits der zugelassenen Wege querfeldein unterwegs sind. Außerdem wird die Tierwelt erheblich gestört. Zuletzt war das immer wieder im Regionalpark Rosengarten ein Thema. Der Regionalpark Rosengarten ist ein Naherholungsgebiet südlich von Hamburg. Die steilen Anstiege und tief eingeschnittenen Täler der Harburger und Schwarzen Berge machen das Gebiet sowohl für Wanderer als auch für Mountainbiker besonders attraktiv. Allerdings sorgt das Mountainbiken abseits der offiziellen Wege in den Wäldern für große Schäden am Boden und Vegetation und führt außerdem zu erheblichen Störungen der heimischen Tierwelt.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21. März 2002 (Niedersächsisches Waldgesetz) verbietet das Fahrradfahren abseits der tatsächlich öffentlichen Wege. Dennoch nehmen die illegalen Trails, die aktiv angelegt werden und durch das wiederholte Befahren abseits der Wege im Wald entstehen, im Regionalpark Rosengarten stark zu. Die illegal entstandenen Mountainbike-Trails werden zudem in sogenannten Fahrrad-Navi-Apps eingegeben, was viele Folgenutzer nach sich zieht und die Situation deutlich verschärft.

Revierförster Bernd Westphalen, Sven Hedicke, Regionalmanager beim Regionalpark Rosengarten und Detlef Gumz, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Harburg sehen die Entwicklung mit Sorge: „Die Region mit ihren ausgedehnten Wäldern dient gleichermaßen der Erholung, dem Schutz von Tieren und Pflanzen und der nachhaltigen Erzeugung des klimafreundlichen Rohstoffes Holz. Das gut ausgebaute öffentliche Wegenetz steht allen Waldbesuchern zur Verfügung. Auch an die Mountainbiker wurde gedacht, es sind drei legale Mountainbike-Routen mit unterschiedlicher Länge ausgewiesen. Aber, Rückewege und Rückegassen, die ausschließlich für die Holzbringung vorgesehen sind, oder gar die Waldbestände an sich, sind für das Radfahren nicht gedacht“.

Peter Wendt, Leiter des zuständigen Forstamtes Sellhorn ergänzt: „Wir freuen uns über jeden Waldbesucher, der sich an die Regeln hält und versuchen die verschiedenen Interessen der Wanderer, Fahrradfahrer, Reiter, Jogger oder sonstigen Erholungssuchenden mit den berechtigten Interessen des Naturschutzes und der nachhaltigen Holzerzeugung zu vereinbaren. Das Radfahren abseits der Wege ist aus gutem Grund verboten, da es unter anderem störungsempfindliche Tierarten an ihren Rückzugsgebieten erheblich beeinträchtigen kann. Zudem sind die steilen Downhill-Strecken sehr gefährlich für die Fahrer selbst. Um dies allen Waldbesuchern deutlich zu machen, werden wir in Absprache mit der Polizei, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg und dem Regionalpark Rosengarten die am intensivsten genutzten illegalen Wege sperren und mit Schildern versehen. Sollte es zu Diebstählen der Schilder oder zu Sachbeschädigungen an den Sperrungen kommen, werden wir Strafanzeigen stellen“.

Für den Regionalpark Rosengarten sind weniger die ortsansässigen Radler problematisch, da sich diese überwiegend an die offiziellen Wege halten. Sie sehen diesen Wald als ein wunderschönes Naherholungsgebiet, dass man vor der Haustür jederzeit aufsuchen kann und schützen muss. „Kritisch sind diejenigen Mountainbiker, die die illegalen Trails anlegen und anschließend für Folgenutzer in Fahrrad-Navi-Apps eingeben. Sie sind mit Werkzeugen ausgerüstet, um regelrechte Baumaßnahmen durchzuführen, es werden Sprünge und Kurvenerhöhungen angelegt. Dafür werden Hölzer aufgeschichtet, Pfähle eingeschlagen und umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen. Diese Leute sehen das Gebiet als ihren persönlichen Spielplatz an, ohne sich um den Wert des Waldes für alle anderen Nutzer, die Rechte der Eigentümer oder die Vorschriften des Naturschutzes zu kümmern. Die aufgrund der Navieinträge auf die Trails aufmerksam gewordenen Folgenutzer wissen in der Regel nicht um deren Illegalität. Dies verschärft die Problemlage, insbesondere die Störungen in der Natur, deutlich“, erklärt Wendt weiter.

Die Niedersächsischen Landesforsten, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg und der Regionalpark Rosengarten bitten die Mountainbiker um rücksichtsvolle Nutzung der Natur, die Wahrung des Wegegebotes sowie um einen respektvollen Umgang mit anderen Waldbesuchern. „Beobachtete Sachbeschädigungen und Diebstähle sollten der Polizei gemeldet werden“, bittet Peter Wendt.

Beitragsbild: Fabian Grätsch, Forstinspektor-Anwärter im Forstamt Sellhorn, mit einer Wegesperre. Mit solchen Sperren werden die illegalen Mountainbike-Trails gesperrt um für jedermann deutlich zu machen, dass hier kein offizieller Weg verläuft und Mountainbiking beziehungsweise Fahrradfahren nicht erlaubt ist.  (Fotos: Niedersächsische Landesforsten)

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