Fledermauswald im Thiergarten

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Ausgleichsmaßnahmen für Stromtrasse

(Nienburg/Steyerberg) Zum Schutz und Erhalt von Fledermäusen haben die Niedersächsischen Landesforsten im Forstort Thiergarten der Revierförsterei Rehburg bei Steyerberg jetzt künstliche Fledermausquartiere geschaffen, um den Eingriff in den Lebensraum der Tiere durch den Bau einer 380 KV Stromtrasse vom Energieversorger Tennet auszugleichen.

Der Trassenverlauf von Stade nach Landesbergen an der Weser durchschneidet mehrere Lebensräume der flugfähigen Säugetiere. So nutzen Fledermäuse Spechthöhlen als Quartier, aber auch Höhlen und Schlitze, die sich durch Blitz- oder Frostrisse gebildet haben.

Geeignetes Habitat gefunden

Bei dieser zeitlich vorgezogenen Ausgleichsmaßnahme sind spezialisierte Fachleute am Werk, die mit Motorsäge und Hubsteiger künstliche „Wohnungen“ für Mausohr und Co. in die Bäume sägen. „Dabei ist die Wahl des Standortes sehr wichtig“, erklärt Andreas Böttcher, Förster für Naturdienstleistungen im Forstamt Nienburg. „Fledermäuse brauchen reich strukturierte Wälder, die sonnige Bereiche haben und gute Anflugmöglichkeiten zu den Höhlen bieten. Im Thiergarten haben wir dafür passende Eichen, Buchen und Hainbuchen gefunden.“

Diese stehen in einer Bachaue und damit ideal, denn an Wasserläufen finden Fledermäuse auch ausreichend Nahrung, die sich ausschließlich aus Insekten zusammensetzt.

Besser Höhlen als Nistkästen

Ergänzend haben die Fachleute der Landesforsten auch Nistkästen in die Bäume gehängt, welche schnell von den Tieren angenommen worden sind. „Dauerhaft sind Höhlen jedoch immer vorzuziehen. In ihnen entsteht ein für Fledermäuse wichtiges Kleinklima, das ihren natürlichen Lebensgewohnheiten eher entspricht“, beschreibt Böttcher.

 

Hintergrund

Die zeitlich vorgezogene Ausgleichsmaßnahme wird fachlich CEF-Maßnahme genannt. Das steht für „continuous ecological functionality-measures“ und bedeutet übersetzt so viel wie eine „Maßnahme für die dauerhafte ökologische Funktion“. Sie dient dem Artenschutz und soll gewährleisten, dass die lokalen Fledermausbestände schon vor der Zerstörung ihres Lebensraumes einen Ersatz bekommen. Den haben sie bereits angenommen, wenn durch die nötigen Arbeiten ihr bisheriges Habitat zerstört wird.

Die Eingriffsregelung in Deutschland sieht ein Verschlechterungsverbot von Natur und Landschaft vor. Das bedeutet, dass Handlungen, die zu einer Schädigung oder Zerstörung (Beeinträchtigung) führen, ausgeglichen werden müssen. Die Rechtsgrundlagen dazu finden sich im Bundesnaturschutzgesetz und im Baugesetzbuch.

Die Niedersächsischen Landesforsten bieten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an, die zu nachweisbaren Aufwertungen verschiedener Schutzgüter und Funktionen des Naturhaushaltes auf derselben Fläche führen und gleichzeitig einen schonenden Flächenverbrauch erzielen. Seit 2007 wurden in nahezu allen Naturräumen Niedersachsens über 50 größere Kompensationsflächenpools mit einer Gesamtfläche von ca. 2.800 ha in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden eingerichtet.

Bilder (Landesforsten) zum kostenlosen Download finden Sie hier.

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