Klimaangepasster Laubmischwald

 In Forstamt Harsefeld, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten legen neuen artenreichen Laubmischwald mit besonderem Waldrand an

(Wurster Nordseeküste) Am 26.08.2021 nahmen Marcus Itjen, Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Norma Warncke, Fachbereichsleiterin für Bauen, Planen und Umwelt, Jörg-Stephan Garms und Alexander Thorau, beide von der IDB Weser-Elbe Sparkasse GmbH, die Umsetzung einer Kompensationsmaßnahme bei den Niedersächsischen Landesforsten im Hohensteinforst an der A27 bei Midlum in Augenschein. Die Vertreter der Einheitsgemeinde und der Sparkasse nutzten die Einladung des Forstamtes Harsefeld, um sich ein Bild von der Ersatzaufforstung zu machen.

Der Kompensationsflächenpool „Erstaufforstung Abteilung 183 y“ liegt inmitten des zur Revierförsterei Midlum gehörenden Forstortes Hohensteinforst. Der Forstort liegt an der Autobahn 27 östlich von Midlum im Gebiet der Einheitsgemeinde Wurster Nordseeküste. Im März dieses Jahres wurde die ehemalige Ackerfläche mit insgesamt 7.300 Bäumen und Sträuchern bepflanzt um vorhabenbedingte Eingriffe in den Naturhaushalt regional zu kompensieren. Die zum Forstamt Harsefeld gehörende, ehemals verpachtete Ackerfläche wird hin zu einem klimaangepassten und standortgerechten Laubmischwald entwickelt.

Marcus Itjen freut sich: „Hier auf dieser Fläche kommen wir unserer Verpflichtung zur Kompensation für den Eingriff in den Naturhaushalt durch die Entwicklung des Wohngebietes  im Geltungsbereich des Bebauungsplanes Nr. 56 „Langer Acker“ in Nordholz nach. Wir freuen uns, dass das hier ortsnah möglich ist und der durch die Baumaßnahme verursachte Eingriff mit dieser neuen Waldfläche ökologisch hochwertig ausgeglichen wird“.

Die Aufforstungsfläche besitzt eine Gesamtgröße von 1,24 Hektar. Sie wurde lange intensiv landwirtschaftlich genutzt. Nach Ablauf des Pachtvertrages 2019 wurde eine Anerkennung als Kompensationsflächenpool seitens der Forstamtes beantragt und vom zuständigen Landkreis Cuxhaven bestätigt. Der Standort wurde kartiert, um festzustellen welche Baum- und Straucharten hier, auch mit Blick auf die Klimaveränderung, auf Dauer bestmöglich wachsen können.

Frank Zweers, Förster und Projektmanager für Naturdienstleistungen bei den Niedersächsischen Landesforsten im Forstamt Harsefeld erklärt: „Wir haben hier unter anderem Traubeneichen, Roteichen, Rotbuchen, Sandbirken und Kiefern gepflanzt. Der Waldrand wurde mit Vogelkirsche, Wildobst, Feldahorn, Schwarzem Holunder, Weißdorn und Schneeball bepflanzt. Die Baum- und Straucharten wurden nach einem genau ausgeklügelten Bepflanzungsplan gemischt. So entsteht hier aus einem ehemaligen Maisacker nun ein stabiler zukunftssicherer Laubmischwald. Mit Blick auf die zu befürchtenden Wildschäden mussten wir hier einen soliden, dauerhaften Wildschutzzaun errichten.“

Auf der ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche wurde vorab im Bereich der Zaunfläche eine Nutzpflanzendecke eingesät. Diese Einsaat dient als Gründünger und zur Verbesserung des Mikroklimas, sie hält die Konkurrenzflora zurück und lockt durch ihre blühreiche Pflanzenzusammensetzung zudem noch viele Insekten an. Am Außensaum der Fläche, außerhalb des Zaunes, wurde zusätzlich ein etwa vier Meter breiter Blühstreifen angesät. „Die beiden Blühmischungen sind bereits jetzt ein Paradies für Insekten und ein echter Blickfang für die Waldbesucher. Leider ist das meiste in diesem Jahr bereits verblüht aber die Blühmischung ist mehrjährig und künftig wird auch noch die Blühte der Sträucher dazu kommen“, freut sich Frank Zweers.

Stefan Brößling, Leiter der Revierförsterei Midlum blickt in die Zukunft und ergänzt: „Meine Aufgabe wird es künftig sein, mich um die Pflege dieser jungen Waldfläche zu kümmern. Die Bäume und Sträucher sind gut angewachsen. Allerdings hat sich auch die Nutzpflanzendecke in diesem Jahr sehr gut entwickelt, das eigentlich für die Bäume und Sträucher förderliche Begleitgrün darf jetzt nicht zur Konkurrenz werden. Bei Bedarf werde ich hier steuernd eingreifen müssen, was bereits in diesem Jahr der Fall war, damit sich hier ein zukunftsfähiger, klimaangepasster und ökologisch wertvoller Wald entwickeln kann“.

Frank Zweers merkt an: „Mit der Pflanzung der 7.300 Bäume und Sträucher in Kombination mit der Einbringung der Nutzpflanzendecke sowie der gezielten Anlage des Außensaums aus regionalen Gräsern und Blühpflanzen erfährt die Fläche eine deutliche Steigerung ihrer ökologischen Wertigkeit. Mit dieser Maßnahme wird der anderorts verursachte Eingriff nach dem Naturschutz- und Baurecht ausgeglichen“.

Hintergrund: Wird durch Bauvorhaben die Natur erheblich beeinträchtigt, besteht immer eine Pflicht zum Ausgleich der zerstörten ökologischen Funktionen. Werden sogenannte Schutzgüter, wie Landschaftsbild, Boden, Wasser, Lebensgemeinschaften, Tier- und Pflanzenarten grundlegend beeinträchtigt, so müssen diese an anderer Stelle aufgewertet werden. Verursacht ein Bauvorhaben den Verlust von Waldflächen, so muss dafür zusätzlich neuer Wald an anderer Stelle geschaffen werden.  Auf diese Weise werden die Lebensgrundlagen für künftige Generationen gesichert.

Die Niedersächsischen Landesforsten bieten ökologische Services für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an. Dabei handelt es sich um Kompensationsprojekte nach Naturschutz-, Bau-, Wald- und Artenschutzrecht. Als größter Grundeigentümer Niedersachsens können die Landesforsten den Projektträgern von Infrastrukturprojekten und Zulassungsbehörden landesweit eigens dafür eingerichtete Kompensationsflächenpools anbieten.

Die Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaften ihren Waldbesitz schon seit jeher nachhaltig. Erweitert wurde diese forstliche Nachhaltigkeit vor fast 30 Jahren durch die  Grundsätze der „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (kurz: LÖWE). In den Kompensationsflächenpools werden hochwertige Naturdienstleistungen angeboten, die über die LÖWE-Leistungen und sonstigen Selbstverpflichtungen der Landesforsten hinausgehen.

Beitragsbild:  (von links) Frank Zweers, Projektmanager für Naturdienstleistungen, Jörg-Stephan Garms, Geschäftsführer IDB Weser-Elbe Sparkasse, Marcus Itjen, Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Stefan Brößling, Leiter der Revierförsterei Midlum, Norma Warncke, Fachbereichsleiterin für Bauen, Planen und Umwelt bei der Gemeinde, Alexander Thorau, Prokurist der IDB Weser-Elbe Sparkasse. Besichtigung des Kompensationsflächenpools „Erstaufforstung Abteilung 183 y“ im Forstort Hohensteinforst (Fotos: Sierk/Niedersächsische Landesforsten)

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