Vom Samenkorn zum Baum

 In Forstamt Harsefeld, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten ernten Douglasien-Saatgut für die Wälder von morgen im Forstamt Harsefeld

(Harsefeld / Bremervörde) Zapfen aller Nadelbäume entlassen ihre Samen, wenn sie noch am Baum hängen, um so eine weite Verbreitung der mit kleinen Flügeln ausgestatteten Samen zu erreichen. Deshalb muss man normalerweise zur Ernte auf die Bäume klettern und die Zapfen abpflücken bevor sie sich öffnen. Eigentlich ein aufwendiger Job für extra dafür ausgebildete Zapfenpflücker. In der Försterei Hinzel aber haben Forstwirte und Auszubildende des Forstamtes Harsefeld Douglasien Zapfen vom Boden aus geerntet.

Peter Gotthard, Leiter der Revierförsterei Hinzel erklärt: „Auch in zugelassenen, anerkannten Saatgutbeständen müssen von Zeit zu Zeit Pflegearbeiten durchgeführt werden. Ich fördere hier durch die gezielte Entnahme einzelner Douglasien das Wachstum der verbleibenden Bäume. Die Bäume entwickeln größere Kronen, sind damit stabiler und vitaler und können sich besser gegen äußere Einflüsse wehren. Damit wir von den geernteten Douglasien nicht nur deren Holz, sondern auch noch das hochwertige Saatgut gewinnen konnten, habe ich die Pflegearbeiten gezielt in diese Zeit gelegt, wo die Zapfen zwar reif aber noch geschlossen waren. Die Forstwirte und Auszubildenden haben hier in einer Woche 374 Kilogramm Douglasien Zapfen von den liegenden Bäumen gepflückt und zur Weiterverarbeitung an die Forst-Saatgutberatungsstelle (FSB) der Niedersächsischen Landesforsten im Forstamt Oerrel weitergeleitet“.

Die Zapfen werden in der FSB weiter aufbereitet. Dort lässt man sie trocknen, damit sie die Samenkörner entlassen. Diese werden anschließend entflügelt und gereinigt um hochwertiges verkaufsfähiges Saatgut zu erhalten und es lagerungsfähig zu machen. Anschließend wird die Keimfähigkeit geprüft und das aufbereitete Vermehrungsgut an die Baumschulen abgegeben. Der Aufwand lohnt sich: aus den 374 Kilogramm Douglasien – Zapfen werden etwa 3,5 Kilogramm hochwertiges Douglasien-Saatgut gewonnen werden. Das klingt erstmal nach keiner großen Menge, doch können im Optimalfall daraus etwa 175.000 junge Bäume angezogen werden – genug um damit 70 Hektar Wald neu zu begründen. Maßgeblich ist in den Landesforsten, dass die Douglasie immer in Mischung mit anderen Baumarten wie zum Beispiel der Buche gepflanzt wird.

Zurzeit ist die forstliche Saatgutgewinnung bei allen Baumarten besonders wichtig, denn nach den Dürrejahren und den Borkenkäferkalamitäten der letzten Jahre, welche in den Wäldern der Landesforsten vor allem in Südniedersachsen gewaltige Schäden hinterließen, werden in den kommenden Jahren viele junge Bäume für Neuanpflanzungen benötigt. Saatgut darf nur von Bäumen geerntet werden, die dafür zugelassen wurden. Die Bäume müssen qualitativ gut und gesund sein, damit die aus den Samen herangezogenen Nachkommen gute Eigenschaften erwarten lassen. Doch leider kann man nicht jedes Jahr von jeder Baumart Saatgut ernten: Bäume fruktifizieren nur alle paar Jahre lohnenswert. Genau diese Situationen, wie hier in der Försterei Hinzel, müssen dann unbedingt nutzen.

„Hochwertiges und leistungsfähiges Forstvermehrungsgut ist enorm wichtig für die Schaffung stabiler und klimaangepasster Mischwälder. Dafür ist es wichtig, dass die Bäume, die wir pflanzen optimal an den Standort angepasst sind und eine gute Qualität erwarten lassen. Schließlich treffen wir mit der Pflanzung junger Bäume Entscheidungen für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte“ betont Peter Gotthard. Das bedeutet, Douglasien werden nur da gepflanzt, wo sie auch optimal wachsen können. Die Douglasie gilt im Zuge des Klimawandels als echte Anbau-Alternative zur Fichte und zur Kiefer. Sie kann auf vielen Standorten gedeihen, da sie eine hohe Toleranz gegenüber Wassermangel hat und keine hohen Nährstoffansprüche an den Boden stellt. Ihr Herzwurzelsystem dringt tiefer in die Waldböden ein und macht sie dadurch sturmfester als die Fichte.

Beitragsbild: Von links: Forstwirt Tobias Steffens, Auszubildender Jan Heinrich Saß und Praktikant Oliver Graf beim Pflücken der Douglasien-Zapfen (Foto: Sierk / Niedersächsische Landesforsten)

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