Ringeln im Krähenmoor

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Pflegearbeiten zum Schutz des Biotops

(Nienburg) Überall im Moor brummen die Motorsägen. In einem Gemeinschaftsprojekt entfernen Mitarbeitende der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, des Landkreises Nienburg und der Niedersächsischen Landesforsten eine gute Woche lang die Rinde (Ringeln genannt) von den im Krähenmoor wachsenden Kiefern. Die Kooperationspartner wollen damit den Wasserverlust auf der Fläche verringern und dem Moor bei der Wiedervernässung helfen.

Unberührte Moorflächen mit Wassermangel

„Wir befinden uns hier in einem Teil des Naturschutzgebietes Krähenmoor I, welches ich gern die ‚Heile Haut‘ nenne“, erklärt Thomas Beuster von der Ökologischen Schutzstation. „In diesem Bereich ist der Torfkörper etwa vier Meter stark, es gibt keine Entwässerungsgräben, und es wurde auch nie abgetorft.“ Trotzdem geht das Wasser im Boden verloren und der Wald erobert sich die Freiflächen zurück. Deswegen müssen die Kiefern über kurz oder lang weg. „Wir ringeln die Bäume. Das bedeutet, dass wir die Rinde rund um den Stamm auf einer Breite von 40 bis 50 cm entfernen. Die Bäume entkräften, sterben aber nicht sofort ab. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir die Flächen nicht sofort räumen müssen“, so Beuster weiter. Die Beseitigung von Schlagabraum ist extrem zeitintensiv.

Ein großes Team hilft dem Moor

Insgesamt sind täglich etwa 10 Helfende im Moor und schneiden kleine Bäumchen mit Astscheren runter oder ringeln die größeren Kiefern. „Im Schnitt schafft jede Person mit Motorsäge etwa 200 bis 250 Bäume am Tag. So haben wir eigentlich eine ganz gute Wirkung in der Fläche“, berichtet Heiko Köster, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ökologischen Schutzstation. Selbst schwingt er auch die Motorsäge.

Nährstoffeinträge schaden

Ein weiteres Problem stellt die Kulturheidelbeere dar, die überall auf dem Moorkomplex zu finden ist. „Nicht nur fehlendes Wasser macht dem Krähenmoor das Leben schwer. Auch die zunehmenden Stickstoffeinträge wirken wie ein Dünger und lassen Bäume, Sträucher und Heidelbeere üppig wachsen“, führt Kerstin Geier, Försterin für Waldökologie beim Forstamt Nienburg, aus.

Kooperationsprojekt

Um diesen Problemen besser begegnen zu können, haben der Landkreis Nienburg und die Niedersächsischen Landesforsten bereits im Jahr 2019 eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen: „Schutz, Pflege, Entwicklung und Bewirtschaftung der Moore und Wälder im Bereich der Krähe“ sind die Ziele und können so durch Maßnahmen effektiv umgesetzt werden.

Das Krähenmoor bleibt auf Jahre ein Großprojekt. In den Moorteilen mit Entwässerungsgräben wurden seit 2008 unter Leitung der Ökologische Schutzstation Wälle gebaut und Gräben zugeschüttet. Der stetige Wasserverlust soll verlangsamt und im besten Fall gestoppt werden. „Wenn ich sehe, wie viele besondere Torfmoosarten wir dann doch in diesem Moor finden, dann bin ich mir sicher, dass sich die ganze Mühe lohnt“, resümiert Thomas Beuster.

 

Hintergrund

Das Krähenmoor besteht aus drei zusammenhängenden Naturschutzgebieten „Krähenmoor I“, „Krähenmoor II“ und „Bunkenmoor“ und umfasst eine Fläche von rund 440 Hektar. Die Gebiete sind räumlich verbunden und liegen die im Landschaftsschutzgebiet „Die Krähe“. Eingebettet ist das Moor in eine Rinne der eiszeitlichen Endmoränenlandschaft mit Höhen von bis zu 62 m ü. NN. Es weist Torfmächtigkeiten von bis zu 7 m auf. Den Kern des „Krähenmoor I“ bilden offene, ausgedehnte und Hochmoorflächen mit typischer Tier- und Pflanzenwelt, zu der verschiedene, seltene Arten- und Pflanzengesellschaften gehören. Randlich findet sich großflächig Heidevegetation sowie im südöstlichen Wald Altholzbestände, die sich über die natürliche Zerfallsphase in einen landschaftstypischen Buchen-Eichenwald entwickeln. Im Süd-Osten ist das Naturschutzgebiet “Krähenmoor II” vorgelagert.

Das NSG „Bunkenmoor“ grenzt südwestlich an das „Krähenmoor I“ und liegt damit hinter dem Stauwerk. Typische Biotoptypen des Gebietes sind verschiedene Hochmoordegenerationsstadien. Es handelt sich dabei in der Regel um feuchten Birken-Kiefern-Moorwald sowie Pfeifengras- und Zwergstrauchbestände. Künstlich geschaffene Stillgewässer haben im Laufe der Jahre Bedeutung für gefährdete Tierarten (z. B. Amphibien) bekommen. Alle Gebiete sollen durch Wiederherstellung standorttypischer Wasserverhältnisse weiterhin optimiert werden.

Bilder (Landesforsten/Schmidt) zum kostenlosen Download finden Sie hier.

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